Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 1, Kapitel 65
<


Aufbruch zur nächsten Ortschaft. Überwältigung römischer Soldaten durch die Engel.

01] Jairuth wünscht zwar, daß Ich den ganzen Tag über bei ihm zubringen möchte; Ich aber zeige ihm, wie es noch mehrere Kranke in dieser Gegend gibt, die Ich am Wege besuchen will. Dafür aber bittet Mich dann Jairuth, ob er Mich nicht wenigstens bis zur Stadt zurückgeleiten dürfe, und Ich gestatte ihm solches. Da macht er sich sogleich auf den Weg, bittet aber die beiden Jünglinge auch zugleich, daß sie ihn begleiten möchten!
02] Die Jünglinge aber sagen: »Es ist dir besser, daß wir hier verbleiben; denn die Gäste im Gartensaale haben dich als einen Meuterer bei den Römern angezeigt, und es ginge deinem Hause ohne uns schlecht! Verstehst du solches?«
03] Jairuth wird über solch eine Nachricht nahe unsinnig und fragt über alle Maßen aufgeregt: »Welcher Satan von einem Menschen hat solches den Römern hinterbracht, und was mag ihn dazu bewogen haben?«
04] Spricht ein Jüngling: »Sieh, in Sichar leben Kaufleute, die nicht so glücklich sind als du; sie können sich keine Schlösser erbauen und noch weniger ein ganzes großes Land käuflich an sich bringen, wie du dir in Arabien es angekauft hast, ein tüchtig Land am Roten Meer. Solche Kaufleute werden dir alsonach neidisch um dein irdisch Glück und haben die größte Sehnsucht, dich zu verderben. Es würde ihnen diesmal auch gelingen, so wir nicht bei dir wären; aber da wir dich schützen im Namen des Herrn, so wird dir bei dieser Gelegenheit kein Haar gekrümmt werden. Sieh aber, daß du wenigstens drei Tage lang vom Hause abwesend bleibst!«
05] Dies beruhigt den Jairuth, und er begibt sich schnell mit Mir weiter zu ziehen aus dem Schlosse.
06] Als wir eben über den Hofraum des Schlosses ziehen, kommt uns eine gemessene Schar römischer Söldlinge und Schergen entgegen, macht halt vor uns und bedroht uns, nicht weiterzuziehen! Ich Selbst aber trete vor und zeige ihnen das Zeugnis des Nikodemus. Der Anführer aber sagt: »Das nützt nichts, wo ein begründeter Verdacht von Meuterei gegen Rom vorhanden ist!«
07] Sage Ich: »Was willst du denn von uns? Dich hat eine freche und unverschämte Lüge eines Haufens von Neidern zu diesem Schritte genötigt; Ich aber sage es dir, daß daran kein wahres Wort haftet! Mochtest du aber der Lüge dein Ohr so willfährig leihen, so leihe es nun um so willfähriger der offensten Wahrheit auch, für die du hier mehr Zeugen findest als in der Stadt für die unverschämteste Lüge von etlichen argen Neidern!«
08] Sagt der Anführer: »Das sind leere Ausflüchte und gelten bei mir nichts. Vor dem Gerichte konfrontaliter (dem Ankläger gegenübergestellt) erst läßt sich die Wahrheit ermitteln; daher begebet euch nun nur sogleich ganz willig mit uns vors Gericht, sonst gebrauchen wir Gewalt!«
09] Sage Ich: »Dort ist das Schloß; der Herr allein ist euch als Meuterer angezeigt, dort gehet hin und untersuchet, ob ihr was von einer Meuterei entdecken möget! - Wollt ihr uns aber mit Gewalt zwingen, euch zu folgen vor euer ungerechtestes Gericht, so werden wir euch auch eine rechte Gewalt entgegenzusetzen imstande sein, und es wird sich zeigen, wer dabei den kürzeren ziehen wird! Tuet alsonach was ihr wollt! Meine Zeit ist noch nicht da; Ich habe es euch gesagt, daß hier keine Schuld waltet! Wer aber im Rechte ist, der soll das Recht auch schützen durch allerlei Kampf mit Wort und Tat!«
10] Der Anführer überschaut Meine zahlreiche Gesellschaft und befiehlt, uns alle sogleich zu fangen und zu binden. Zuerst fallen seine Söldlinge und Schergen über die Jünglinge her und versuchen sie zu fangen; die Jünglinge aber entwischen ihnen stets so geschickt, daß sie auch nicht einen zu fangen vermögen. Als die Söldlinge und Schergen sich also mit dem Fangen der Jünglinge abmühen und sehr zerstreuen, weil die Jünglinge zum Scheine nach allen Seiten hin flüchtig werden, so sage Ich zum Anführer: »Mich deucht es, daß es dir schwer wird, uns zu fangen.« Der Anführer will mit seinem Schwerte nach Mir hauen; aber in dem Augenblick entreißt ihm ein Jüngling das Schwert und schleudert es unsichtbar weit in die Höhe und vernichtet es also.
11] Sage Ich zum Anführer: »Nun, womit wirst du nun nach Mir hauen oder stechen?« Der Anführer, ganz wütend vor Zorn, spricht: »So also wird hier Roms Macht respektiert?! Gut, ich werde solches nach Rom zu berichten wissen, und nach kurzer Zeit seht euch diese Gegend wieder an und sagt dann, ob sie noch dieselbe sein wird! Kein Stein soll auf dem andern gelassen werden!«
12] Ich aber zeige ihm, wie soeben die Jünglinge alle die Söldlinge und Schergen vor sich hertreiben, mit Stricken gebunden! Als der Anführer solches ersieht, fängt er an, den Zeus und Mars und sogar die Furien anzurufen, daß sie ihn vor solcher Schmach in den Schutz nehmen möchten!
13] Ich aber sage den Jünglingen, daß sie die Söldlinge und Schergen wieder freigeben sollen; diese tun das sogleich. Darauf sage Ich zum Anführer: »Nun, hast du noch Lust, weiter deine Gewalt an uns zu versuchen?« Sagt der Anführer, diese Jünglinge müßten Götter sein, ansonst es nicht möglich wäre, diese seine ausgezeichnetsten Krieger also gänzlich mit nackten Händen zu besiegen.
14] Sage Ich: »Ja, ja, sie werden für dich und deinesgleichen wohl Götter sein; daher laß uns nun weiterziehen und führe deine Untersuchung im Schlosse, sonst wird dir Ärgeres widerfahren!«
15] Sagt der Anführer: »Ich erkenne euch alsonach für unschuldig und gestatte euch, eures Weges weiterzuziehen. Ihr, meine Truppen, aber begebet euch ins Schloß, untersuchet alles und lasset niemand eher aus dem Schlosse entweichen, als bis ihr alles werdet untersucht haben; ich aber werde euch hier erwarten!« Sagt ein Unteranführer: »Warum willst du denn nicht selbst im Schlosse die Untersuchung leiten?« Sagt der Anführer: »Du siehst doch, daß ich um mein Schwert gekommen bin; ohne Schwert aber ist so eine Untersuchung ungültig!« Sagt der Unteranführer: »Uns geht es um kein Haar besser; wie wird es hernach mit der Gültigkeit unserer schwertlosen Untersuchung aussehen?!« Sagt der Oberanführer: »So, - also auch ihr waffenlos?! Das ist schlimm! - Ohne Waffen können wir nichts tun. - Hm, was tun wir aber jetzt?«
16] Sage Ich: »Dort gen Mittag unter der hohen Zeder liegen eure Waffen; gehet hin und holet sie, denn wir fürchten euch mit Waffen ebensowenig als ohne dieselben!« Nach diesen Worten ziehen sie hin, wo ihre Waffen ruhen.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 1   |   Werke Lorbers