Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 1, Kapitel 47


Wunderbares Abendmahl bei Irhael in Gesellschaft der Engel. Jesu Winke über Seine himmlischen Diener. Ärger und Unglauben der Galiläer.

01] Währenddem aber langen wir auch beim Hause der Irhael und des Joram an, allwo schon alles auf dieselbe Weise wie tags vorher, nur um sehr vieles reichlicher, fürs Abendmahl vorbereitet ist. An der Flur des Hauses wollen sich nun die vielen Sicharier, die am Berge waren, empfehlen; aber es treten sogleich eine Menge weißgekleideter Jünglinge unter sie und nötigen sie alle zum Abendmahle.
02] Der Oberpriester, ganz erstaunt über die große Menge der herrlichsten Jünglinge und ganz besonders über ihre große Leutseligkeit, Freundlichkeit und Humanität, tritt sogleich zu Mir hin und fragt nun voll Demut: »Herr, aber ich bitte Dich, wer sind diese herrlichen Jünglinge? Es kann keiner mehr als sechzehn Jahre haben, und doch verraten sie mit jedem Wort und mit jeder Bewegung, daß sie außerordentlich gebildet sind! O sage es mir, woher sie wohl gekommen sind, und welcher Schule sie angehören! Wie schön von Gestalt und wie gut genährt sie nur sind! Wie höchst angenehm und dem Herzen gar so überaus wohltuend nur ihre Stimme klingt! Also Herr, sage, sage es mir, wer und woher diese Jünglinge sind!«
03] Sage Ich: »Hast du denn niemals gehört, da es doch schon von alters her heißt: 'Ein jeglicher, der ein Herr ist, hat seine Diener und Knechte!' Du heißest Mich nun Herr, und es ist also ja füglich, daß auch Ich habe Meine Diener und Knechte! Daß sie sehr gebildet sind, zeugt, daß ihr Herr ein sehr weiser und liebevoller Herr sein muß. Die Herren der Welt aber sind harte und lieblose Menschen, und also sind es auch ihre Diener; der Herr aber, Der ein Herr ist im Himmel und nun kam zur Erde in die harte Welt der Menschen, der hat denn auch Seine Diener von daher, von wannen Er gekommen ist, und die Diener gleichen Ihm, da sie nicht nur Seine Diener, sondern auch Kinder Seiner Weisheit und Liebe sind. Hast du Mich wohl verstanden?«
04] Sagt der Oberpriester: »Ja, Herr, insoweit man überhaupt Deine denkwürdigste Bilderrede verstehen kann. Es gäbe da freilich noch eine Menge zu fragen, um in dieser Sache so recht ins klare zu kommen, aber ich lasse das für jetzt und hoffe, daß sich für heute darum noch viel Gelegenheit finden lassen wird.«
05] Sage Ich: »O allerdings! Gehen wir aber nun zum Abendmahle; denn es ist alles in der Bereitschaft!«
06] Alles Volk, das gläubig war, ging zum Mahle; nur ein noch ungläubiger Teil ging nach Hause, denn er hielt das alles für ein Fangnetz. Die Ursache dessen aber war, da das zumeist ausgewanderte Galiläer waren, darunter viele aus Nazareth, die Mich und auch Meine Jünger, die sie oft am Fischmarkte gesehen hatten, kannten. Diese sagten auch zu den eigentlichen Samaritern: »Wir kennen ihn und seine Jünger; er ist ein Zimmermann von Profession, und seine Jünger sind Fischer. Er war bei den Essäern in der Schule, die da wohlbewandert sind in allerlei Künsten, in der Heilkunde und in seltener Zauberei. Solches hat er allda gelernt und übt nun seine wohlerlernte Kunst aus, um den Essäern einen großen Anhang und viel Einkommen zu verschaffen. Diese Jünglinge aber sind verkleidete und von denselben Essäern vom Kaukasus her angekaufte und wohlerzogene Mädchen; diese dürften am meisten ziehen! Wir aber lassen uns nicht so leicht betören; denn wir wissen es, daß da mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs durchaus nicht zu scherzen ist. Den Essäern aber, die etwa der Meinung seien, daß ihre Vorfahren die Welt erschaffen haben, ist das ein leichtes, sich mit dem einen Scherz zu machen, was für sie nicht da ist. Solange wir an einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glauben, bedürfen wir solcher essäischen Blendwerke nicht; und sollten wir solchen unsern Glauben je verlieren, so werden uns die Essäer und ihre pfiffigen Boten sicher keinen Ersatz zu bieten imstande sein, sondern uns am Ende zu lauter Sadduzäern machen, die an keine Auferstehung und an kein ewiges Leben glauben. Davor aber möge uns Jehova schützen!« Mit solchen Äußerungen kehren sie heim.
07] Ich und ein großer Teil, zu allermeist aus Samaritern bestehend, setzen uns zum Mahle und lassen uns nach getaner Arbeit wohl geschehen und lassen uns bedienen von den Engeln; denn auch da arbeitete Ich in einer Wüste, und es heißt: »Als der Satan zu weichen genötigt war, traten Engel zu Ihm und dienten Ihm.« (vgl. Matthäus.04,11; Markus.01,13; Johannes.01,51)


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