Das Schicksal des Evangeliums in der Obhut der katholischen Kirche


Inhaltsübersicht:


Bestätigen Ergebnisse der historischen Forschung die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der Neuoffenbarungs-Angaben über die Evangelien?

Durch die Kundgaben der Neuoffenbarung ist auf die Entstehung der Evangelien und deren weiteren Schicksale ein neues Licht gefallen. Viele irrige Theorien können beiseite gelegt werden. Von gravierender Bedeutung ist die Tatsache, daß die Mitteilungen der Neuoffenbarung von den willkürlichen und sinnentstellenden Abänderungen des Evangeliums durch die Bischöfe der ersten Jahrhunderte nach dem Zweiten Vatikanum endlich auch von katholischen Gelehrten öffentlich zugegeben werden dürfen. Die Ergebnisse der historischen Forschung bestätigen auch in diesem Fall die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der Aussagen der Neuoffenbarung.

Seit wann sind die Evangelien-Urschriften verschollen?

Über den ersten christlichen Jahrhunderten liegt auf weite Strecken ein ziemliches Dunkel. Die Originale der Evangelien waren schon um das Jahr 200 alle nicht mehr vorhanden. "Auch im ersten Jahrhundert finden wir keine sicheren Spuren, daß die Urschriften noch vorhanden waren."14

Aus welcher Zeit stammen die ältesten vollständigen Bibel-Abschriften?

Die ältesten vollständigen Abschriften, die die Grundlage des Neuen Testaments bilden, stammen aus dem 4. Jahrhundert.

Wieviele Fehler kamen in die Evangelien durch Abschriften?

Bei der Anfertigung der Abschriften sind unzählige Abschreibefehler vorgekommen. Man schätzt ihre Zahl allgemein auf 250000, davon entfallen nach Angaben des katholischen Theologen Henri Daniel-Rops ca. 250 auf substantielle Variationen.15

Zu welchen Zwecken erfolgten bewußte Verfälschungen?

Unangenehme Tatbestände wurden zuweilen ins Gegenteil verkehrt. Als Paulus in Jerusalem mit Petrus und einigen anderen "maßgebenden Aposteln" eine harte Auseinandersetzung hatte, anerkannte er den Vorrang des Petrus nicht, sondern erklärt im 1. Galaterbrief 2, 5: "Doch gaben wir ihnen nicht einen Augenblick nach, daß wir uns etwa unterworfen hätten." In mehreren Codices, u. a. im Codex D (etwa aus dem Jahre 500) ist der Ausgang dieses Disputes genau umgekehrt dargestellt worden." 16 Man ließ in diesen Abschriften das Wort 'nicht' weg, um die um 500 bereits angestrebte Autorität der Päpste nicht in Frage zu stellen. (Diese Verfälschungen haben jedoch keinen Eingang in das heute vorliegende Neue Testament gefunden.)

Warum wurden Widersprüche in den Evangelien vor dem Volk vertuscht?

Daß die Evangelisten in zahlreichen Fällen bei Darstellung des gleichen Sachverhalts abweichend berichtet haben, wurde den Gläubigen nicht zum Bewußtsein gebracht, obwohl die divergierende Berichterstattung bereits der hl. Ambrosius, Bischof von Mailand im 4. Jahrhundert, in seinen Kommentaren zu den Evangelien besprochen hat.

Sind die Evangelien wegen 'Inspiration durch den Hl. Geist' irrtumsfrei?

Hier seien nur einige Beispiele angeführt, die zur Genüge beweisen, daß das Evangelium nicht auf irrtumsloser Verbalinspiration durch den Heiligen Geist beruhen kann.
Der Todestag Jesu wird von den Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas) einerseits und von Johannes andererseits verschieden angegeben. Die Synoptiker berichten, daß Jesus an einem Samstag gekreuzigt worden sei, was ganz undenkbar ist, da dieser Tag auf einen hohen Feiertag fiel. Nach Angaben des Johannesevangeliums starb Jesus an einem Freitag.
Bezüglich der Tageszeit der Kreuzigung heißt es bei Markus (mk.15,25): "Es war die dritte Stunde (9 Uhr), als sie ihn kreuzigten." Nach Angaben des Zeugen Johannes (joh.19,14) fand die Verurteilung Jesu durch Pilatus aber erst um die sechste Stunde (12 Uhr) statt.
Die Zeitangaben über den Aufbruch der Frauen zum Grab am Ostertag sind ebenfalls völlig widersprachlich. Johannes schreibt: "Als es noch dunkel war" (joh.20,01; Markus dagegen: "Als die Sonne aufgegangen war" (mk.16,02).
Nach Matthäus sahen die Frauen einen Engel auf dem weggewälzten Stein vor dem Grab sitzen (mt.28,22). Markus berichtet, daß die Frauen den Engel erst im Innern des Grabes sahen (mk.16,05).
Aus den Aufzeichnungen des Lukas ist zu schließen, daß Jesus während seiner Lehrtätigkeit nur einmal in Jerusalem war, während er nach dem Johannesevangelium - in Übereinstimmung mit der NO - im Laufe von drei Jahren mehrfach dort war.
Matthäus (mt.27,44) und Markus (mk.15,32) berichten, die beiden Mitgekreuzigten hätten Jesus geschmäht. Lukas sagt das Gegenteil. Nur einer habe Jesus gelästert, was der andere ihm verwies.
Nach Lukas (lk.24,50-51) fand die Himmelfahrt Jesu bei Bethanien statt, laut der Apostelgeschichte (apg.01,11-12) auf dem Ölberg bei Jerusalem.
Die abweichenden Aussagen über dieselben Ereignisse bestätigen das in der NO Gesagte, daß die Evangelisten nicht immer an zuverlässige Gewährsleute geraten sind.

Seit wann dürfen auch kath. Bibelforscher die NO-Angaben über nachträgliche Text-Abänderungen zugestehen?

Auch über die am Evangelium vorgenommenen Interpolationen und Abänderungen, wie sie von der NO geschildert werden, sind sich die Fachgelehrten schon lange einig. Das ist nicht neu, nur wurden diese Tatbestände dem Kirchenvolk verheimlicht. Schon der berühmte Bibelgelehrte Origenes (250 n. Chr.) war zu der Auffassung gelangt, daß manche biblischen Berichte erfunden wurden. 17
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil konnten endlich auch die katholischen Gelehrten der Wahrheit die Ehre geben und das öffentlich aussprechen, was sie längstens schon wußten. Bis dahin machte ihnen das die Enzyklika Leos XIII. (gest. 1903) und die übrigen Dekrete der katholischen Kirche unmöglich. Die erwähnte Antimodernisten-Enzyklika Leos XIII. 'Providentissimus Deus' lehrte, daß die Evangelien "mit unfehlbarer Wahrheit alles (!) aussprechen, was Gott ihnen (den Evangelisten) zu schreiben befahl, und zwar nur das, was er ihnen befahl" 18. Albert Schweitzer stellt zu diesen Methoden in lapidarer Kürze fest: "Statt der Wahrheit ihr Recht zu lassen,... wurde ihr ausgewichen, sie umgebogen oder zugedeckt." 19
Noch im Jahre 1962 mußte Prof. Karl Rahner S. J. in Berücksichtigung der Lehren Leos XIII., Benedikts XV. und Pius' XII. in theologischen Lexiken schreiben, daß die Inspiration sich auf alle Teile der Schrift, und zwar auch auf diejenigen Aussagen, die nicht die Heilslehre, sondern naturkundliche Aussagen betreffen, erstrecke. (!) Das alles sei von Gott ausgesagt und irrtumsfrei! 20 Natürlich wußten die Experten Rahner, Brinkmann usw., daß in den Schriften des Neuen Testaments zahlreiche Widersprüche und Irrtümer enthalten sind. Diese Probleme mußten sie auf sophistische Weise lösen.
Nach harten Kämpfen mit der Kurie kam dann nach langen Jahrhunderten auf dem letzten Konzil die Wende. Zahlreiche Bischöfe erklärten, daß die bisherigen Behauptungen aufgrund der wissenschaftlichen Forschungen unhaltbar geworden seien. So trug u. a. Kardinal König (Wien) auf dem Konzil eine ganze Reihe von historischen Fehlern vor, welche die Bibel enthält.21 Nachdem unbestritten war, daß nicht alle Texte zuverlässig sind, wurden dann die katholischen Exegeten in der Konstitution aufgefordert, vor allem im Alten Testament die Schilderungen historischer zu betrachten. Nun durften die katholischen Gelehrten offen sagen, was sie bisher wußten und gegen ihre Überzeugung in katholischen Lexiken anders darstellen mußten. In dem im Jahre 1972 herausgegebenen 'Herders theologischen Taschenlexikon' konnte Rahner nun schreiben: "Die Textkritik (niedere Kritik) bemüht sich, den ursprünglichen Wortlaut der biblischen Bücher auf Grund der handschriftlichen Überlieferung so genau wie möglich festzustellen. Dies ist notwendig, weil der Text beim Abschreiben zahllose Änderungen, sei es durch Fehler oder durch absichtliche Korrekturen erfahren hat." 22
In der Neuauflage des Katholischen Bibellexikons, hrg. von H. Haus S. J., Einsiedeln 1968, fehlt nun der in den früheren Ausgaben enthaltene Satz: "Die Integrität der Evangelien steht in der Hauptsache fest."
Prof Geiselmann erklärt jetzt unumwunden, daß die heutige Fassung des Evangeliums mehrfach redigiert worden ist.23
"Das alles muß weg", sagte der Herr zu Lorber."Lassen wir der Wissenschaft ihren Spielraum, denn sie ist nun ein wirksames Feginstrument, um den Unrat aus der Welt zu schaffen..." (jl.ev11.279,02 f.)
Fast hundert Jahre dauerte es, bis dieses Wort der Neuoffenbarung in der katholischen Kirche gegen den heftigen Widerstand der römischen Integralisten wahr wurde und es den katholischen Wissenschaftlern erlaubt wurde, bibel-kritische Forschungen zu betreiben und ihre Ergebnisse zu veröffentlichen.

Wie mißbrauchte die kath. Kirche die Bibel zu Machtzwecken?

Obwohl die Hierarchie um die Widersprüche und die am Evangelium vorgenommenen Manipulationen Bescheid wußte, forderte sie zwingend unter Androhung von ewigen Höllenstrafen, zu glauben, daß jedes Wort irrtumsfrei vom Heiligen Geist eingegeben worden sei und die Evangelien uneingeschränkt Irrtumslosigkeit beanspruchen. Durch die Fälschungen war aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft geworden. Der Gott der unendlichen Liebe wurde zum alttestamentarischen Rachegott, der wegen Verletzung kirchlicher Vorschriften ewige Höllenstrafen verhängt.
Um zu verhindern, daß dem Volke Gottes beim Lesen der Bibel Zweifel kommen, verbot die Kirche jahrhundertelang das Lesen der Heiligen Schrift. In Spanien stand auf dem Besitz der Bibel sogar die Todesstrafe.24
Dieser der Forschung bekannte Tatbestand ist bereits vor mehr als hundert Jahren Lorber in die Feder diktiert worden: "Das ganze Evangelium, wie auch die Bücher der Juden, hat Rom dem Volke auf das strengste verboten zu lesen und die Übertreter dieses Gebotes sogar mit dem Tode bestraft." (jl.ev11.282,01)
Um Nachforschungen anhand der griechischen Kodizes des Neuen Testamentes zu verhindern, verbot die Universität Paris (Sorbonne) sogar das Studium des Griechischen. Dies wurde als Ketzerei angesehen und mit dem Tode bestraft.25 Die Verbote des Bibellesens wurden bis in das 19. Jahrhundert immer wieder eingeschärft.
Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es nach einer Aussage des Jesuiten L. Billot (später Kardinal) im Jahre 1902 für Theologiestudenten kein Problem in der Bibelwissenschaft, weil es eine derartige Wissenschaft (in der katholischen Kirche, d. Vf.) gar nicht gab und nicht geben durfte. "Seit zwanzig Jahren", schreibt Billot, "lehre ich. Meine Studenten wissen überhaupt nicht, daß es eine biblische Frage gibt". 26

Wie verhinderte die kath. Kirche Bibelkenntnisse bei Laien und Theologiestudenten?

Eine weitere bemerkenswerte Bestätigung für den Geist der Regeln für die Ausbildung des Priesternachwuchses gibt eine Darstellung des während seiner Studienzeit im Priesterseminar mit dem späteren Papst Johannes XXIII. befreundet gewesenen Ernesto Buonaiuti. Er berichtet, daß keiner der Theologiestudenten das Neue Testament besitzen durfte. Es gelangte erst in ihre Hände, wenn ein wohlwollender Präfekt es ihnen beim Empfang der niederen Weihen schenkte.27
Das Wort des Kirchenlehrers hl. Hieronymus (4. Jh.) "Wer die Heilige Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht", durfte lange Zeit bis zum 20. Jahrhundert nicht zitiert werden. Heute dürfen auch Katholiken wissen, daß die Bibel Gottes- und Menschenwort zugleich ist. Um die ältere Generation nicht zu beunruhigen, wird darüber allerdings nicht oft und nicht besonders instruktiv geredet und geschrieben. Der Bruch im System wird von den meisten Gläubigen auch noch gar nicht wahrgenommen. Die dogmatische Konstitution 'Dei Verbum', die nach heftigen Kämpfen mit der Kurie schließlich als Kompromißformel zustande kam, hat sich in vorsichtigen Wendungen von der bisherigen Lehre abgesetzt. Prof. Hans Küngs Feststellung: "Lang ist in der Tat die Liste der Punkte, in denen Häretiker nachträglich recht bekommen haben"28, wird durch diesen durch die Zeitläufe erzwungenen Wandel wieder einmal mehr bestätigt.

Welche Auswirkungen haben die repress. kath. Praktiken für ihre Wahrheitsglaubwürdigkeit?

Der Schaden ist aber wohl irreparabel geworden. Die junge Generation - insbesondere die akademische Jugend - erkennt die fundamentale Bedeutung dieses Vorgangs, der die Frage der Wahrhaftigkeit der kath. Kirche ins Scheinwerferlicht stellt.
Folgen anderer Art waren aber durch die Rechthaberei und den Gewissenszwang schon viel früher eingetreten. Die in der Zeit der Aufklärung (17.-18. Jh.) entstandenen Schriften stellten weitgehend eine Reaktion auf die Verabreichung des apologetischen Schlaftrunkes durch die Kirche dar. "Der Feind", sagt Amos N. Wilder, "sollte mit Verdummung, Aberglaube, Unwissenheit, Dogmatismus, mit allen Tyrannen der Seele und des Geistes gleichgesetzt werden."29 Demzufolge wurden die Arbeiten vom Rationalismus beherrscht und die Folgen sind bis in unsere Tage sichtbar geworden.

re. Hand mehr über Bibel- und Wahrheitsverfälschungen durch Weltkirche


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