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Kapitelinhalt 29. Kapitel: Harmonie der Weltkörper. Beispiele der Tonkunst. Geheimnisse der Tonlehre und der Schöpfung. Übereinstimmung der unzahmen Tierwelt von Saturn und Erde.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Nachdem wir, wie ihr wißt, nur die außerordentlichen Thiere jeder Gattung sonderheitlich betrachten, so ist es euch aus dem bereits Enthüllten schon bekannt, welche außerordentlichen Thiere diesem Planeten eigen sind. Bei der Darstellung dieser außerordentlichen Thiere werdet ihr aber bemerkt haben, daß sie zu allermeist schon solcher Art sind, daß ihnen im Ganzen kein Thier sowohl euerer Erde, als irgend eines andern Planeten vollends ähnlich ist.

02] Es besteht aber zwischen einem und dem andern Planeten eine immerwährende Harmonie in Allem, ohne welche zwei Weltkörper in einer noch so unendlichen Entfernung von einander abstehend nicht bestehen könnten. - Damit ihr aber dieses so viel als möglich richtig auffasset, so muß Ich euch vorerst darauf aufmerksam machen, daß Harmonie nur ist und sein kann, wo eine und dieselbe Ursache die Wirkung hervorbringt.

03] Wenn ihr z. B. über ein flach gehobeltes Bret eine Saite spannet und schlagt dann dieselbe an, so wird die Saite allzeit einen Ton von bestimmbarer Höhe oder Tiefe geben. Spannet ihr die Saite mehr und mehr, so wird der Ton intensiver, oder wie ihr zu sagen pflegt, höher; je weniger aber die Saite gespannt wird, desto tiefer auch wird der Ton. Was ist da wohl die Ursache der tönenden Wirkung? Ihr könnt mir durchaus keine andere finden und angeben, als das Bret und die über demselben gespannte Saite; so oft ihr nun immer diese Ursache erneuert, so oft auch werdet ihr immer dieselbe Wirkung haben. Die Modifikationen der Höhe und der Tiefe machen hier durchaus keinen Unterschied; denn Ton bleibt Ton, ob er da ist ein hoher oder ein tiefer. Ihr würdet hier freilich wohl fragen: Was da eigentlich den Ton bewirkt, ob das glattgehobelte Bret, oder ob die Saite? Und Ich sage euch, weder das Bret allein für sich, noch die Saite allein für sich, sondern beide also gemeinschaftlich, daß das gehobelte Bret als ein zusammenhängendes Ganzes alle nur denkbaren Formen zur Bildung des Tones in der allzeitigen Bereitschaft hat; die über denselben sich schwingende Saite aber ruft diese Formen von einander wohl unterscheidbar hervor, und so ist das gehobelte Bret der Inhalt aller denkbaren Tonformen, die darüber gespannte Saite aber ist, um dieselben zu wecken und sie dann in die vernehmbare Erscheinlichkeit überzuführen; damit aber solches möglich ist, so muß ja zwischen dem gehobelten Brete und der Saite eine unläugbare Harmonie obwalten.


04] Wenn da etwa Jemand auch die Luft wollte als ein Mittel zur Bildung des Tones betrachten, dann muß für's Erste doch gezeigt werden, daß da bei der Hervorbringung irgend einer Wirkung nie und unmöglich je mehr denn zwei polarische Ursachen in einen gegenseitig producirenden Konflict treten können, das Medium aber kann nie als eine Ursache angesehen werden, sondern nur als ein Weg, auf welchem die von den zwei Polaritäten hervorgebrachte Wirkung zur Erscheinung kommt.

05] Nehmet z. B. das magnetische Fluidum; kann sich dieses denn nur polarisch vorfinden, wann es von irgend einer Eisenstange aufgenommen wurde, oder ist es nicht vielmehr in sich selbst polarisch freiwirkend durch die ganze Unendlichkeit da? Sehet, somit ist eine Eisenstange ja nur ein Weg, auf welchem dieses Fluidum sich euren Sinnen fühlbar äußern kann; die Stange an und für sich selbst aber kann ja doch unmöglich je als Das angesehen werden, das da hervorbringen möchte das magnetische Fluidum selbst.

06] Oder ist die Luft und der Aether zwischen der Sonne und einem Planeten dasjenige, was da bewirkt das Licht; oder ist sie nicht vielmehr nur der Weg, durch welchen das Licht von einer Sonne ausgehend zu einem Planeten gelanget, wenn der Planet also gestaltet ist, daß er fähig ist, das auf ihn überkommende Licht aufzunehmen?

07] Sonach wollen wir auf diese Weise auch die Luft bei unserer Tonbildung nicht als ein Ton bewirkendes Mittel ansehen, sondern nur als den Weg, auf welchem die Tonformen, wie jene da zwischen der Saite und dem gehobelten Brete gebildet werden, von dem Ohre wahrgenommen werden können.

08] Ihr müßt euch unter Ton überhaupt nicht den Klang denken, sondern nur eine Form, welche durch einen gewissen Grad von Schwingungen irgend einer glatten und elastischen Fläche entlocket wird. Der Klang an und für sich ist bloß nur Zeuge, daß da durch regelmäßige Schwingungen irgend eines schwingbaren Körpers die Formen eines andern ihm zu Grunde liegenden Körpers entwickelt worden sind. Ich sage euch: Obschon ihr in der Tonkunst bewandert seid, so seid ihr aber nahe in keinem Fache so schlecht bewandert, als eben in der Tonkunst; denn da versteht ihr nichts mehr, als was die Würmer verstehen, die da an der todten Rinde eines Baumes nagen. Demnach stellet ihr zwar wohl einzelne verschiedene hohe oder tiefe Töne zusammen, und ergötzet euch an dieser Musik also, wie sich die Würmer ergötzen, wenn sie die todte Rinde eines Baumes benagen. Welcher von euch aber hat es sich noch je beifallen lassen, daß der Ton eine der allerwunderbarsten Formen ist?

09] Sehet, so ihr irgend einen Ton singet, oder mit einem Klanginstrumente hervorbringet, so wißt ihr dabei nichts mehr zu sagen, als: Dieser Ton heißt entweder c oder a, und ist entweder in einer oder der andern Octave, und daß ihr noch auch dabei bestimmet, durch welches Klanginstrument irgend ein solcher Ton bewirkt worden ist. Sehet und gestehet, ob ihr von dem Tone viel mehr wisset, außer daß ihr noch die Qualität des Tones taxiret und seine Verhältnisse gegenseitig mit eurem Ohre bemesset, ob sie wohl- oder unwohlklingend sind. Habt ihr solches gethan, so seid ihr auch mit dem Tone vollkommen fertig.

10] Damit ihr aber desto gründlicher einsehet, wie am allerwenigsten ihr in der Tonkunst bewandert seid, so will Ich euch nur im Vorübergehen etwas Weniges über den Ton selbst sagen.

11] Ihr wisset, daß über ein und dasselbe Bret eine Menge Saiten gespannt werden können, und eine jede Saite wird nach dem Grade der Spannung einen verschieden hohen oder tiefen Ton von sich geben, und das Alles aus einem und demselben Brete. Wenn aber aus einem und demselben Brete alle nur denkbaren Nuancen der Töne hervorgebracht werden können, so müssen ja auch in eben und demselben Brete unendlich viele Formen vorhanden sein, damit sie durch jeden möglichen Grad der Spannung einer Saite vollkommen vernehmbar in die Erscheinlichkeit treten können.

12] Wenn ihr nun das Bret an und für sich betrachtet, was findet ihr darauf? Nichts, als einen gleichförmigen elastischen Faden, entweder aus Metall, oder aus den Gedärmen der Thiere; und so habt ihr nichts, als zwei platte Einförmigkeiten, aus denen sich nichts herabphilosophiren läßt vor euch; und dennoch liegt in diesen zwei platten Einförmigkeiten eine solche Mannigfaltigkeit, daß davon alle Tondichter von David's Zeiten her noch nicht den milliard'sten Theil in allen ihren Compositionen aufgegriffen haben, da doch diese äußeren Töne an und für sich nichts anderes sind in Hinsicht des eigentlichen wahren Tones, als was da ist die todte Rinde eines Baumes gegen dessen inneres unsichtbares geistiges Leben.

13] Was also demnach ist der Ton? Der Ton ist nichts anderes, als ein sich Kundgeben der endlos vielen harmonischen geistigen Formen, wie da dieselben innewohnen der Materie oder wenigstens in dieselbe hineinragen. Demnach ist das resonirende Bret eines Klanginstrumentes eine unendliche Welt voll geistiger Formen; und wann ihr z. B. einen Ton unter dem Namen c oder a angeschlagen habt, so hat sich durch den einfachen Klang nichts mehr oder weniger als eine ganze Schöpfung mit einer ewig unzählbaren Zahl der Wesen aller Art für euer Ohr einförmig vernehmbar gemeldet.

14] Ihr klebet dann nur an dem, was ihr vernehmt, was aber hinter dem Vernommenen steckt, das beachtet ihr nicht; und wenn euch bei mehreren nach einander folgenden harmonischen Klängen auch eine große Ahnung ergreifet, und euch die geistig lebendigen Formen förmlich am Genicke packen, so seid ihr noch blind, und naget dafür an der Rinde, ohne bei jedem einfachen Tone zu bedenken, daß eben durch den vernehmbaren Ton eines alleinigen Wortes alle Dinge, welche da erfüllen die ganze Unendlichkeit, hervorgegangen sind. Nun alsdann könnt ihr wohl euch einen kleinen Begriff machen, was da ist ein Ton, und wie unterschieden seine große Bedeutung vom einförmigen Klange, den ihr Ton nennet, ist.

15] Da wir aber zuvor von den harmonischen Verhältnissen ausgegangen sind, und dargethan haben, wie da zwischen einem glatten Brete und einer darübergespannten Saite eine stetige Harmonie obwaltet, und daß eben aus dieser Harmonie dem Aeußern nach dieselben Wirkungen entstammen, also können wir auch unserem ersten Satze dadurch volle Geltung verschaffen, in welchem Satze da gesagt wird, daß zwischen zwei sich noch so entfernten Weltkörpern die stetige Harmonie sich vorfinden muß.

16] Warum denn? Denket euch die Sonne als das resonirende Bret, die Planeten aber als Saiten über das Bret gespannt. Wenn nun diese um das resonirende Bret der Sonne schwebenden Planetensaiten durch das ausgehende Licht von der Sonne angeschlagen werden, so nehmen sie auf diese Weise alle die in der Sonne schon zu Grunde liegenden Formen auf, nachdem sie dieselben früher auf dem Wege des Lichtes überkommen haben, und setzen sie dann in die äußere formelle Erscheinlichkeit.

17] Wenn ihr nun darauf einen Blick machet, daß die Saite des Saturnusplaneten über dieselbe Sonne gespannt ist, als die Saite der Erde, die ihr bewohnet, so muß es euch ja auch anderseits einleuchtend sein, daß dieselbe Ursache, welche auf eurer Erde wirkt, und ihre Formen aus derselben in die Erscheinlichkeit treten läßt, auch als ebendieselbe Ursache im Saturnus ebendasselbe bewirken wird.

18] Wann ihr z. B. nehmen möchtet ein nahe siebenoctaviges und zugleich ein fünfoctaviges Clavier, so wird da Niemand in Abrede stellen, daß das mehroctavige Clavier sicher noch tiefere und höhere Töne haben wird, denn das fünfoctavige. Wann aber das mehroctavige Clavier mit seiner Scala da eintritt, wo des fünfoctavigen Instrumentes tiefster oder höchster Ton liegt, so wird es hernach mit demselben gleichtönend so lange die Scala harmonisch fortsteigen oder fallen lassen, wie das fünfoctavige; nur werden natürlich die Töne des größeren Instruments sicher stärker, größer und ausgebildeter klingen, denn auf dem kleineren Instrumente.

19] Nun sehet, jetzt haben wir eigentlich schon Alles. Ich sagte gleich Anfangs, daß wir zuvor noch einen allgemeinen Ueberblick über das sämmtliche unzahme Saturnusthiervolk werfen wollen, bevor wir noch zur sonderheitlichen Darstellung des zahmen Gethiers übergehen werden, und Ich sage euch, einen solchen allgemeinen Ueberblick haben wir nun schon gemacht; denn diese anatomische Darstellung der produktiven Kraft der Sonne war zuvor nothwendig, damit das noch zu Sagende nicht als eine Faselei, oder als eine nöthigende Darstellung der Dinge in diesem Planeten erscheint also, als wäre Demjenigen, der solches kund giebt, der Phantasiefaden ausgegangen, dem zu Folge er dann zu dem die Zuflucht nehmen müßte, was da die Erde als Planet an formellen Erscheinlichkeiten bietet und sagen: Alles Gethier der Erde findet sich auch in diesem Planeten mit weniger Abweichung vor; nur daß es im Verhältnisse ist größer und stärker, und zu Folge des schon mehr getheilten Lichtes der Sonne auch buntfarbiger.

20] Da aber solches anatomisch zergliederte Darstellen der harmonischen Verhältnisse vorangegangen ist, so wird da Niemand, der gläubigen Herzens ist, darüber etwas einzuwenden haben, so Ich da nun sage: Von eurem größten Urelephanten angefangen bis zur allerkleinsten Maus hat auch der Saturnus alle diese Thiere vollständig auf seiner Oberfläche, nur sind sie im Verhältnisse größer und stärker, und wechseln ihre Farben zwischen blau, grün, roth, weiß und schwarz, während die Farben der Thiere eures Erdkörpers darum nur selten vollkommen ausgebildet sind, weil die Strahlen der Sonne noch zu intensiv, und daher wenig gesondert auf den Boden fallen. Die Färbung ist ja allzeit eine Folge des Lichts; eure Blumen sind zwar ebenfalls mit allerlei vollkommenen Farben gefärbt, aber es geht der Farbe dennoch der gewisse lebendige Glanz ab, durch welchen eben alle die Blumen unseres Saturnus also lebendig werden, und sonach auch alle anderen Färbungen sowohl der Thiere, wie auch der Menschen dieses Planeten.

21] Dieses genügt somit für den allgemeinen Ueberblick der vierfüßigen und auch anderen Thierwelt dieses Planeten; demnach werden wir auch von den zahmen Thieren nur diejenigen wenigen einer kurzen näheren Betrachtung unterziehen, welche das fünfoctavige Erdklavier nicht enthält.

01] Da wir, wie ihr wißt, nur die außerordentlichen Tiere jeder Gattung sonderheitlich betrachten, so ist es euch aus dem bereits Enthüllten schon bekannt, welche eigenartigen Tiere alle diesem Planeten eigen sind. Bei der Darstellung dieser Tiere werdet ihr bemerkt haben, daß sie zuallermeist von solcher Art sind, daß ihnen im ganzen kein Tier sowohl eurer Erde als irgendeines andern Planeten völlig ähnlich ist.


02] Es besteht aber zwischen einem und dem andern Planeten eine immerwährende Harmonie in allem, ohne welche zwei Weltkörper, in einer noch so unendlichen Entfernung voneinander befindlich, nicht bestehen könnten. Damit ihr dieses so viel als möglich richtig auffasset, muß Ich euch vorerst darauf aufmerksam machen, daß Harmonie nur da ist und sein kann, wo eine und dieselbe Ursache die Wirkung hervorbringt.


03] Wenn ihr z.B. über ein flach gehobeltes Brett eine Saite spannt und schlagt dieselbe an, so wird die Saite allzeit einen Ton von bestimmbarer Höhe oder Tiefe geben. Spannt ihr die Saite mehr und mehr, so wird der Ton intensiver oder, wie ihr zu sagen pflegt, höher. Je weniger aber die Saite gespannt wird, desto tiefer wird auch der Ton. Was ist da wohl die Ursache der tönenden Wirkung? Ihr könnt durchaus keine andere finden und angeben, als das Brett und die über demselben gespannte Saite. So oft ihr nun diese Ursache erneuert, so oft auch werdet ihr immer dieselbe Wirkung haben. Die Änderungen in der Höhe und der Tiefe machen hier durchaus keinen Unterschied. Denn Ton bleibt Ton, ob er ein hoher oder ein tiefer ist. Ihr werdet hier freilich wohl fragen, was da eigentlich den Ton bewirkt ob das glattgehobelte Brett oder ob die Saite? Und Ich sage euch, weder das Brett allein für sich, noch die Saite allein für sich, sondern beide also gemeinschaftlich, daß das gehobelte Brett als ein zusammenhängendes Ganzes alle nur denkbaren Formen zur Bildung des Tones in der allzeitigen Bereitschaft hat. Die über demselben sich schwingende Saite aber ruft diese Formen voneinander wohl unterscheidbar hervor. Und so ist das gehobelte Brett der Inhalt aller denkbaren Tonformen. Die darüber gespannte Saite aber ist da, um dieselben zu wecken und sie dann in die vernehmbare Erscheinlichkeit überzuführen. Damit aber solches möglich ist, muß zwischen dem gehobelten Brett und der Saite eine unleugbare Harmonie obwalten.


04] Wenn etwa jemand auch die Luft als ein Mittel zur Bildung des Tones betrachten wollte, dann muß gezeigt werden, daß bei der Hervorbringung irgendeiner Wirkung nie und unmöglich mehr denn zwei polarische Ursachen in eine gegenseitig hervorgebrachte Verbindung treten können. Das Mittel aber kann nie als eine Ursache angesehen werden, sondern nur als ein Weg, auf welchem die von den zwei Polaritäten hervorgebrachte Wirkung zur Erscheinung kommt.

05] Nehmet z.B. das magnetische Fludium! Kann sich dieses denn nur, wenn es von irgendeiner Eisenstange aufgenommen wurde, polarisch vorfinden, oder ist es nicht vielmehr in sich selbst polarisch freiwirkend durch die ganze Unendlichkeit da? Sehet, somit ist eine Eisenstange nur ein Weg, auf welchem dieses Fluidum sich euren Sinnen fühlbar äußern kann. Die Stange an und für sich aber kann doch unmöglich als das angesehen werden, welches das magnetische Fluidum selbst hervorbringt.

06] Oder sind die Luft und der Äther zwischen der Sonne und einem Planeten dasjenige, was das Licht bewirkt? Sind sie nicht vielmehr nur der Weg, durch welchen das Licht, von einer Sonne ausgehend, zu einem Planeten gelangt, wenn der Planet so gestaltet ist, daß er fähig ist, das auf ihn überkommende Licht aufzunehmen?


07] Sonach wollen wir auf diese Weise auch die Luft bei unserer Tonbildung nicht als ein tonbewirkendes Mittel ansehen, sondern nur als den Weg, auf welchem die Tonformen, wie sie zwischen der Saite und dem gehobelten Brett gebildet werden, von dem Ohre wahrgenommen werden können.

08] Ihr müßt euch unter »Ton« überhaupt nicht den Klang denken, sondern nur eine Form, welche durch einen gewissen Grad von Schwingungen irgendeiner glatten und elastischen Fläche entlockt wird. Der Klang an und für sich ist nur ein Zeuge, daß da durch regelmäßige Schwingungen irgendeines schwingbaren Körpers die Formen eines andern ihm zugrundeliegenden Körpers entwickelt worden sind. Ich sage: Obschon ihr euch in der Tonkunst bewandert glaubt, so seid ihr aber nahe in keinem Fache so schlecht bewandert als eben in der Tonkunst. Denn da versteht ihr nichts mehr, als was die Würmer verstehen, die an der toten Rinde eines Baumes nagen. Demnach stellt ihr zwar wohl einzelne verschiedene hohe oder tiefe Töne zusammen und ergötzt euch an dieser Musik also, wie sich die Würmer ergötzen, wenn sie die tote Rinde eines Baumes benagen. Welcher von euch aber hat es sich noch je beifallen lassen, daß der Ton eine der allerwunderbarsten Formen ist?


09] Sehet, so ihr irgendeinen Ton singt oder mit einem Klanginstrument hervorbringt, so wißt ihr dabei nichts mehr zu sagen als: Dieser Ton heißt entweder c oder a und ist entweder in einer oder der andern Oktave, und daß ihr dabei auch noch bestimmt, durch welches Klanginstrument irgendein solcher Ton, bewirkt worden ist. Gestehet, ob ihr von dem Ton viel mehr wisset außer daß ihr noch die Qualität des Tones bewertet und seine Verhältnisse gegenseitig mit eurem Ohr bemesset, so seid ihr auch mit dem Ton vollkommen fertig.

10] Damit ihr aber desto gründlicher einsehet, wie wenig ihr in der Tonkunst bewandert seid, so will Ich euch nur im Vorübergehen etwas Weniges über den Ton selbst sagen.

11] Ihr wisset, daß über ein und dasselbe Brett eine Menge Saiten gespannt werden können, und eine jede Saite wird nach dem Grad der Spannung einen verschieden hohen oder tiefen Ton von sich geben, und das alles auf einem und demselben Brett. Wenn aber auf einem und demselben Brett alle nur denkbaren Unterschiede der Töne hervorgebracht werden können, so müssen ja auch in eben und demselben Brett unendlich viele Formen vorhanden sein, damit sie durch jeden möglichen Grad der Spannung einer Saite vollkommen vernehmbar in die Erscheinlichkeit treten können.

12] Wenn ihr nun das Brett an und für sich betrachtet, was findet ihr daran? Nichts als ein leeres, gehobeltes Brett! Und wenn ihr darauf die eine oder andere Saite betrachtet, was findet ihr an ihr? Nichts als einen gleichförmig elastischen Faden, entweder aus Metall oder aus den Gedärmen der Tiere. Und so habt ihr nichts als zwei platte einförmigkeiten, aus denen sich nichts herabphilosophieren läßt vor euch. Und dennoch liegt in diesen zwei platten Einförmigkeiten eine solche Mannigfaltigkeit, daß davon alle Tondichter von Davids Zeiten her noch nicht den milliardsten Teil in allen ihren Kompositionen aufgegriffen haben da doch diese äußeren Töne in Hinsicht des eigentlichen wahren Tones an und für sich nichts anderes sind, als was da ist die tote Rinde eines Baumes gegen dessen inneres, unsichtbares geistiges Leben.

13] Was ist also demnach der Ton? Der Ton ist nichts anderes als ein Sichkundgeben der endlos vielen harmonischen geistigen Formen, wie dieselben der Materie innewohnen oder wenigstens in diese hineinragen. Und demnach ist das mitschwingende Brett eines Klanginstrumentes eine unendliche Welt voll geistiger Formen. Und wenn ihr z.B. einen Ton unter dem Namen c oder a angeschlagen habt, so hat sich durch den einfachen Klang nichts mehr oder weniger als eine ganze Schöpfung mit einer ewig unzählbaren Zahl der Wesen aller Art für euer Ohr einförmig vernehmbar gemeldet.

14] Ihr klebt dann nur an dem, was ihr vernehmet. Was aber hinter dem Vernommenen steckt, das beachtet ihr nicht. Und wenn euch bei mehreren nacheinander folgenden harmonischen Klängen auch eine große Ahnung ergreift und euch die geistig lebendigen Formen förmlich am Genick parken, so seid ihr doch blind und naget an der Rinde, ohne bei jedem einfachen Ton zu bedenken, daß eben durch den vernehmbaren Ton eines alleinigen Wortes alle Dinge, welche die ganze Unendlichkeit erfüllen, hervorgegangen sind. Nun könnt ihr euch wohl einen kleinen Begriff machen, was ein Ton ist und wie unterschieden seine große Bedeutung ist vom einförmigen Klang, den ihr Ton nennt.

15] Da wir aber zuvor von den harmonischen Verhältnissen ausgegangen sind und dargetan haben, wie zwischen einem glatten Brett und einer darüber gespannten Saite eine stetige Harmonie obwaltet und daß eben aus dieser Harmonie dem Äußern nach dieselben Wirkungen entstammen, so können wir auch unserem ersten Satz volle Geltung verschaffen, in welchem gesagt wird, daß zwischen zwei noch so entfernten Weltkörpern eine stetige Harmonie sich vorfinden muß.

16] Warum denn? Denket euch die Sonne als das mitschwingende Brett, die Planeten aber als Saiten über das Brett gespannt. Wenn nun diese um das mitschwingende Brett der Sonne schwebenden Planetensaiten durch das ausgehende Licht von der Sonne angeschlagen werden, so nehmen sie auf diese Weise alle die in der Sonne schon zugrunde liegenden Formen auf, nachdem sie dieselben auf dem Weg des Lichtes überkommen haben, und setzen sie dann in die äußere Erscheinlichkeit.

17] Wenn ihr nun darauf einen Blick richtet, daß die Saite des Saturnplaneten über dieselbe Sonne gespannt ist, wie die Saite der Erde, die ihr bewohnt, so muß es euch ja auch einleuchtend sein, daß dieselbe Ursache, welche auf eurer Erde wirkt und ihre Formen auf derselben in die Erscheinlichkeit treten läßt, auch auf dem Saturn dasselbe bewirken wird.

18] Wenn ihr z.B. ein siebenoktaviges und zugleich ein fünfoktaviges Klavier nehmen möchtet, so wird da niemand in Abrede stellen, daß das mehroktavige Klavier noch tiefere und höhere Töne haben wird als das fünfoktavige. Wenn aber das mehroktavige Klavier mit seiner Skala da eintritt, wo des fünfoktavigen Instrumentes tiefster oder höchster Ton liegt, so wird es hernach mit demselben gleichtönend die Skala so lange harmonisch fortsteigen oder fallen lassen, wie das fünfoktavige; nur werden natürlich die Töne des größeren Instruments sicher stärker, größer und ausgebildeter klingen als die auf dem kleineren Instrument.

19] Nun sehet, jetzt haben wir eigentlich schon alles. Ich sagte gleich anfangs, daß wir zuvor noch einen allgemeinen Überblick über das sämtliche unzahme Saturntiervolk werfen wollen, bevor wir zur sonderheitlichen Darstellung des zahmen Getiers übergehen werden. Und Ich sage euch, einen solchen allgemeinen Überblick haben wir nun schon gemacht. Denn diese Darstellung der produktiven Kraft der Sonne war zuvor notwendig, damit das noch zu Sagende nicht als eine Faselei oder als eine nötigende Darstellung der Dinge auf diesem Planeten so erscheint, als wäre demjenigen, der solches kundgibt, der Phantasiefaden ausgegangen und er demzufolge zu dem die Zuflucht nehmen müßte, was die Erde als Planet an formellen Erscheinlichkeiten bietet. Daß er sagen müßte: Alles Getier der Erde findet sich auch auf diesem Planeten mit wenigen Abweichungen vor; nur daß es im Verhältnis größer und stärker ist und zufolge des schon mehr geteilten Lichtes der Sonne auch buntfarbiger.

20] Da aber solche anatomisch zergliederte Darstellung der harmonischen Verhältnisse vorangegangen ist, so wird niemand, der gläubigen Herzens ist, dagegen etwas einzuwenden haben, so Ich nun sage: Von eurem größten Urelefanten angefangen bis zur allerkleinsten Maus hat auch der Saturn alle diese Tiere der Erde vollständig auf seiner Oberfläche, nur sind sie im Verhältnis größer und stärker und wechseln ihre Farben zwischen blau, grün, rot, weiß und schwarz, während die Farben der Tiere eures Erdkörpers darum nur selten vollkommen ausgebildet sind, weil die Strahlen der Sonne noch zu intensiv und daher wenig gesondert auf den Boden fallen Die Färbung ist ja allezeit eine Folge des Lichts. Eure Blumen sind zwar ebenfalls mit allerlei vollkommenen Farben gefärbt, aber es geht der Farbe dennoch der gewisse lebendige Glanz ab, durch welchen alle Blumen unseres Saturn so lebendig werden, und auch alle anderen Färbungen sowohl der Tiere als auch der Menschen dieses Planeten.

21] Dieses genügt somit für den allgemeinen Überblick der vierfüßigen und auch der anderen Tierwelt dieses Planeten. Demnach werden wir auch von den zahmen Tieren nur diejenigen wenigen einer kurzen näheren Betrachtung unterziehen, welche das fünfoktavige Erdklavier nicht enthält.

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