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Kapitelinhalt 23. Kapitel: Die wichtigsten Landtiere. - Deren größtes, das Mud. Lehren der Weisen über das Mud. Sein Schöpfungszweck.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Auch bei den Landthieren wollen wir ihrer gattungsmäßigen und artenweisen Vielheit wegen nur diejenigen betrachten, welche in diesem Planeten vorkommen.

02] Mud, also heißt das größte lebende Landthier dieses Planeten; findet sich aber jedoch nur in wenigen Saturnuswelttheilen vor, und daselbst nicht häufig, so daß auf dem ganzen großen Planeten kaum 10.000 solcher Thiere zusammengenommen sich vorfinden dürften. Diejenigen Länder, wo dieses Thier zu Hause ist, sind sehr wenig bevölkert; denn wegen der Größe und starken Gefräßigkeit dieses Thieres haben nicht viel andere Wesen neben demselben Platz, und um dieselben mit diesem Riesenthiere zu kämpfen, - dazu besitzt kein Saturnusbewohner den Muth. Daher überlassen die Saturnusbewohner dasjenige Land, welches von solchen Thieren bewohnt wird, auch ohne weiteres Bedenken ganz demselben, und nennen es daher ein unbewohnbares Mudland. Auf den Hauptcontinenten kommt es zwar nicht vor, aber es giebt noch neben diesen Hauptcontinentländern sowohl südlich als nördlich andere große Eilande, und diese Länder sind auch zumeist allerlei Gattungen solcher und anderer Thiere überlassen; jedoch keines wird von den Saturnusbewohnern also sorgfältig vermieden, als eben ein solches Mudland.

03] Wie sieht denn aber demnach dieses Thier aus? Giebt es etwas Aehnliches auf dieser Erde? Ja, es giebt auch hier ein ähnliches Thier; jedoch auf der Erde bildet dieses Thier eine sehr untergeordnete Rolle, während es in diesem Planeten den ersten und fürchterlichsten Rang in jeder Hinsicht einnimmt, sowohl was dessen Riesengröße, wie auch seine Wildheit und Gefräßigkeit betrifft.

04] Welchem Thiere auf eurer Erde sieht denn demnach dieses Thier ähnlich? - Einem euch sehr wohlbekannten, nämlich einem Schweine. Aber was dessen Größe betrifft, so wäre euer Erdschwein kaum groß genug dazu, um ein Schmarotzerthier auf dieses Saturnusschweines Leibe zu machen. Ja selbst die großen Saturnusmenschen kommen sich selbst im Anblicke dieses Riesenthieres wie kleinwinzige Zwerglein vor. Ich sage euch, wenn dieses Thier auf der Erde hinter einer hohen Alpe stünde, so müßtet ihr wie zum Beispiele von der euch schon bekannten Choralpe, eure Blicke noch ziemlich auswärts tragen, um den Scheitel des Rückens dieses Thieres zu erschauen.

05] Dieses ungeheuer große Thier, d. h. für eure Begriffe, ist eben also gefräßig, wie euer kleines Schwein, und hält durchaus nichts auf Leckereien, sondern was ihm zunächst unterkommt, sei es Gras, oder auch so manche Bäume, oder Thiere anderer Art, oder auch Menschen, wie auch Wasserthiere verzehrt es alsogleich mit einem und demselben Appetite.

06] Weil aber dieses Thier mit seiner Größe auch eine verhältnißmäßige Kraft besitzt, so ist es auch vergeblich, sich mit demselben in irgend einen Kampf einzulassen. es haben schon wirklich einmal einige kühne Saturnusbewohner einen Versuch gemacht, mittelst sehr langer scharfer Spitzen, die sie auf über 100 Klaftern langen Stangen befestiget haben, eines oder des andern solcher Thiere Meister zu werden, und strengten dabei ihre volle Willenskraft an; sind aber dabei ganz übel zugerichtet worden. Das Thier wurde zwar auf manchen Stellen verwundet; da aber diese Verwundung ihm nicht das Leben nehmen konnte, so wurde das Thier durch den Schmerz der Wunden wild und wüthend, und stürzte sobald in einen sehr breiten Fluß, um daselbst seine Wunden zu kühlen. Als daselbst dessen Schmerz etwas gelindert wurde, so stand das Thier sobald wieder auf in dem Flusse, schöpfte aus diesem in seinen weiten Rachen eine übergroße Menge Wassers, und mitunter auch ganz riesig große Steine aus dem Grunde des Flusses, und überspie sobald mit diesem Inhalte seines großen Rachens seine schon siegesfrohen Verfolger, daß diese durch solche wiederholte Manoeuvres also übel zugerichtet wurden, daß davon nur Wenige wieder in ihre Heimath zurückgelangen konnten. Einige Getödtete aber wurden vom Thiere, welches dann bald wieder an's Land stieg, auch sogleich mit wenig Bissen beim letzten Beinchen, wie ihr zu sagen pflegt, aufgezehrt.

07] Damit ihr euch aber einen kleinen Begriff machen könnet, wie viel ein solcher Rachen faßt, so sage Ich euch, wenn es daselbst Nüsse gäbe, die noch etwas größer wären, denn euer Schloßberg, so wäre eine solche Nuß eben für einen Zahn dieses Thieres nicht zu groß, um mit derselben mit einem Drucke fertig zu werden. Wenn dieses Thier demnach einen vollen Rachen Wasser und Steine nimmt, und speit dieselben auf's Land, wahrlich, so es solches thäte auf der Erde in eures Vaterlandes oberem Theile, so würde ein solcher einmaliger Ausspeier für den unteren Theil eures Vaterlandes eine solche Ueberschwemmung verursachen, die sogar ihre Wellen über die höchsten Thürme eurer Stadt treiben würde.

08] Wenn ihr das also ein wenig beachtet, so wird euch die Antwort auf die Frage: ob die Saturnusbewohner einen solchen Kampf wiederholen, von selbst in der allergediegensten Verneinung kund werden. Ja, aus diesem Grunde sind von den Saturnusbewohnern, seit allen Zeiten der Zeiten nur drei solche allzeit verunglückte Versuche gemacht worden; für jetzt aber ist ihnen alle Unternehmungslust vergangen, und ihre Weisen sagen auch:

09] Der Mensch kann mit seiner Kraft sehr viel vermögen, allein die Monde, den großen lichten Kreis, die Ströme, die Stürme des Meeres, den großen Fisch und das Mud kann der Mensch mit seiner Kraft nicht bändigen. Darum wolle er seine Kraft da anwenden, wozu sie gemessen ist, Anderes aber solle der Mensch nicht versuchen mit seiner gemessenen Kraft.

10] Und noch eine andere Lehre der Weisen dieses Planeten lautet also: „Höret ihr Menschen! der große Geist hat uns gegeben zu bewohnen eine große Welt, und wir kennen nicht, wo sie anfängt, und wo sie endet; in dem Lande aber, wo wir geboren sind, kennen wir die Dinge, wie sie sind im Wasser, am Lande und in der Luft, und wir wissen und haben es allezeit erfahren, daß sie unserer Kraft nach Maß und Verhältniß zu Diensten stehen; wir wissen aber, daß das Mud derselben gespottet hat mit großer Leichtigkeit, da wir dasselbe uns unterthänig machen wollten, also ist es ja so helle und klar, wie die Sonne, die uns scheinet den Tag hindurch, daß der große Geist außer uns noch andere Kräfte gesetzt hat, die unserer Kraft nicht dienen sollen, und wir sollen sie uns nicht zinsbar machen; daher bleiben wir in den angewiesenen Grenzen unserer Kraft und lassen andere große Kräfte walten daselbst, allwo sie der große Geist hingesetzt hat. Ferne sei daher von uns, wissen zu wollen, was der lichte große Kreis über uns ist, und was die Monde sind, und ein Mudland bleibe von uns aus für alle Zeiten der Zeiten unbetreten."

11] Wenn ihr diesen Weisheitsspruch ein wenig beachtet, so wird es euch sicher noch einleuchtender werden, welch ein Bewandtniß es da mit der riesigen Größe und der großen Kraft dieses Thieres hat. es wäre unnöthig, euch weiter die Gestalt dieses Thieres zu beschreiben, sondern eines Jedweden eigener Phantasie und Einbildung sei es überlassen, sich dieses besagte Thier, so gut es nur immer geht, vorzustellen.

12] Wird dieses Thier von den Saturnusbewohnern zu öfteren Malen gesehen? O nein, solches geschieht äußerst selten, und wann es geschieht, so geschieht es nur also, daß es von den Saturnusbewohnern entweder bei der Gelegenheit einer weiten Schifffahrt, oder von irgend einem, solchem Mudlande nicht gar zu ferne gelegenen Vorgebirge eines Hauptcontinentlandes aus gesehen wird; denn gar zu sehr einem Ufer eines solchen Mudlandes zu nahe zu kommen, ist eben nicht sehr rathsam, denn dieses Thier, wenn es eben nicht zu ferne von seinem Lande etwas auf dem Wasserspiegel schwimmend ersieht, macht sobald einige Riesenschritte in das Meer hinein, und wenn dasselbe eben nicht gar zu tief ist, so gelingt es ihm auch, mit wenigen Schritten so etwas auf dem Meere Schwimmendes einzuholen, und es zu begrüßen.

13] Etwas ganz für den Saturnusbewohner eigenthümlich Abschreckendes und Schauerliches ist das Gegrunze dieses Thieres; davon könnet ihr euch wahrlich keinen Begriff machen. Ich kann euch davon nur so viel sagen, daß, so sich dieses Thier z. B. im tiefen Ungarlande befinden würde, richtete da seinen Rachen gegen euer Land heraus, und möchte also einige Male grunzen, so würde durch ein solches Grunzen die Erde bis zu euch und noch ziemlich weiter in eine solche Mitbebung versetzt werden, daß nicht nur kein Gebäude eurer Stadt vor lauter Erdbeben stehen bleiben möchte, sondern es würden auch einige benachAus dieser kleinen Schilderung kann euch schon ein wenig klar sein, warum die Saturnusbewohner eben nicht die größten Freunde dieses sehr stark rührenden Gesanges von Seiten des besagten Thieres sind.

14] Uebrigens hat dieses Thier trotz seiner immensen Größe sehr scharfe Sinne; vorzugsweise aber ist der Geruchs- und Gehörssinn dieses Thieres scharf, daher es auch schon von weiter Ferne empfindet, ob sich auf dem Wasserspiegel etwas für seinen Rachen Taugliches nähert. Im übrigen aber ist es bei weitem nicht so unreinlich, als das Erdschwein; besonders was den Unrath von sich lassen betrifft, da übertrifft es an Reinlichkeit fast jedes euch bekannte Thier auf der Erde; denn bevor es seinen Unrath von sich läßt, wühlt es in das Erdreich ein sehr tiefes Loch, oder nach euren Begriffen ungefähr einen Krater im Umfange von einer kleinen halben Stunde, und nicht selten mehrere hundert Klaftern tief; ist nun ein solches Loch gegraben, da kehret es seinen After an dieses Loch, läßt da seinen Unrath hinein, welcher aber nicht vom angenehmsten Geruche ist, und scharrt dann über denselben alsogleich wieder die vorher aufgegrabene Erde; dadurch reinigt für's Erste dieses Thier sein ihm eigenthümliches Land, und düngt es auch ganz zweckmäßig für einen folgenden Graswuchs, welcher gewöhnlich in diesen Mudländern beiweitem mehr sagen will, als die dichtesten Urwälder auf eurer Erde.

15] Nun bleibt uns nur noch eine kleine Frage übrig, nämlich, wozu ein so kolossales Thier auf diesem oder auch auf einem andern Planeten wohl nütze? Die Antwort auf diese Frage werdet ihr schon bei der Erklärung des großen Fisches finden; wie jener da bildet einen allgemeinen Uebergang des Wassergethiers zum Luftgethier, also bildet auch dieses Thier einen ähnlichen allgemeinen Uebergang aus allen Thieren- und Pflanzenstufen in eine edlere dem Menschen näher stehende Thiergattung. Nun wißt ihr Alles, was dieses Thier betrifft. Nächstens aber wollen wir erst in kürzerem Durchfluge unsere Betrachtungen über die Landthiere weiter ausdehnen.

01] Auch bei den Landtieren wollen wir ihrer gattungsmäßigen und artenmäßigen Vielheit wegen nur diejenigen betrachten, welche besonders bemerkenswert sind und nirgend anders als nur auf diesem Planeten vorkommen.

02] Das größte lebende Landtier dieses Planeten heißt Mud. Es findet sich jedoch nur in wenigen Saturnweltteilen vor, und da nicht häufig, so daß zusammengenommen auf dem ganzen großen Planeten kaum zehntausend solcher Tiere vorhanden sein dürften. Die Länder, wo dieses Tier zu Hause ist, sind sehr wenig bevölkert. Denn wegen der Größe und starken Gefräßigkeit des Mud haben nicht viele andere Wesen neben demselben Platz. Und um mit diesem Riesentier zu kämpfen dazu besitzt kein Saturnbewohner den Mut. Daher überlassen sie das Land, welches von solchen Tieren bewohnt wird, auch ohne weiteres Bedenken denselben ganz und nennen es ein unbewohnbares »Mudland«. Auf den Hauptkontinnenten kommt es zwar nicht vor; aber es gibt sowohl südlich wie nördlich von diesen Hauptkontinentländern noch andere große Eilande, und diese Länder sind zumeist allerlei Gattungen solcher und anderer Tiere überlassen. Jedoch keines wird von den Saturnbewohnern so sorgfältig gemieden wie eben ein solches »Mudland"«.


03] Wie sieht denn dieses Tier aus? Gibt es etwas ähnliches auf dieser Erde? Ja, es gibt auch hier ein ähnliches Tier; jedoch auf der Erde spielt dieses Tier eine sehr untergeordnete Rolle, während es auf diesem Planeten den ersten und fürchterlichsten Rang in jeder Hinsicht einnimmt, sowohl was seine Riesengröße wie auch seine Wildheit und Gefräßigkeit betrifft.

04] Welchem Tier auf eurer Erde sieht denn dieses große Tier ähnlich? Einem euch sehr wohlbekannten, nämlich einem Schwein. Aber was die Größe betrifft, so wäre euer Erdschwein kaum groß genug, um auf dieses Saturnschweines Leib ein Schmarotzertier zu machen. Ja selbst die großen Saturnmenschen kommen sich beim Anblick dieses Riesentieres wie kleinwinzige Zwerglein vor. Ich sage euch, wenn das Mud auf der Erde hinter einer hohen Alpe stünde, zum Beispiel hinter der euch schon bekannten Choralpe, so müßtet ihr eure Blicke noch ziemlich aufwärts richten, um den Scheitel des Rückens dieses Tieres zu erschauen.


05] Dieses für eure Begriffe ungeheuer große Tier ist ebenso gefräßig wie euer kleines Schwein und hält durchaus nichts auf Leckereien, sondern was ihm zunächst unterkommt, sei es Gras oder auch so manche Bäume oder Tiere anderer Art oder auch Menschen wie auch Wassertiere, verzehrt es alsogleich mit demselben Appetit.


06] Weil aber dieses Tier mit seiner Größe auch eine verhältnismäßige Kraft besitzt, so ist vergeblich, sich mit demselben in irgendeinen Kampf einzulassen. Es haben schon wirklich einmal einige kühne Saturnbewohner einen Versuch gemacht, mittels sehr langer, scharfer Spitzen, die sie auf über hundert Klafter langen Stangen befestigt hatten, eines oder das andere solcher Tiere zu bemeistern und strengten dabei ihre volle Willenskraft an. Allein sie sind ganz übel zugerichtet worden. Das Mud war zwar an manchen Stellen verwundet, es wurde aber durch den Schmerz der Wunden wild und wütend und stürzte alsbald in einen sehr breiten Fluß, um daselbst seine Wunden zu kühlen. Als sein Schmerz dort etwas gelindert war, stand das Tier in dem Flusse wieder auf, schöpfte in seinen weiten Rachen eine übergroße Menge Wassers und mitunter auch riesig große Steine aus dem Grunde des Flusses und überspie mit diesem Inhalt seines großen Rachens seine schon siegesfrohen Verfolger so, daß diese übel zugerichtet wurden und nur wenige wieder in ihre Heimat zurückgelangen konnten. Einige Getötete aber wurden von dem Tier, welches dann bald wieder ans Land stieg, mit wenigen Bissen aufgezehrt.




07] Damit ihr euch aber einen kleinen Begriff machen könnt, wieviel ein solcher Rachen faßt, so sage Ich euch: Wenn es daselbst Nüsse gäbe, die noch etwas größer wären als euer Schloßberg, so wäre eine solche Nuß eben für einen Zahn dieses Tieres nicht zu groß, um mit derselben mit einem Druck fertig zu werden. Wenn das Mud demnach einen vollen Rachen Wasser und Steine nimmt und speite den Inhalt auf der Erde in eures Vaterlandes oberem Teil aus, so würde ein solcher einmaliger Ausspeier für den unteren Teil eures Vaterlandes eine Überschwemmung verursachen, die ihre Wellen über die höchsten Türme eurer Stadt treiben würde.


08] Wenn ihr das ein wenig beachtet, wird euch die Antwort auf die Frage, ob die Saturnbewohner einen solchen Kampf wiederholen, von selbst klar werden. Ja, aus diesem Grunde sind von den Saturnbewohnern seit allen Zeiten nur drei solche verunglückte Versuche gemacht worden. Für jetzt aber ist ihnen alle Unternehmungslust vergangen. Und ihre Weisen sagen auch:


09] »Der Mensch kann mit seiner Kraft sehr viel vermögen, allein die Monde, den großen lichten Ring, die Ströme, die Stürme des Meeres, den großen Fisch und das Mud kann der Mensch mit seiner Kraft nicht bändigen. Darum wolle er seine Kraft da anwenden, wozu sie angemessen ist. Übermächtiges aber soll der Mensch nicht versuchen mit seiner begrenzten Kraft.«

10] Und noch eine andere Lehre der Weisen dieses Planeten lautet also: »Höret, ihr Menschen! Der Große Geist hat uns eine große Welt zu bewohnen gegeben, und wir wissen nicht, wo sie anfängt und wo sie endet. In dem Lande aber, wo wir geboren sind, kennen wir die Dinge, wie sie sind im Wasser, auf dem Lande und in der Luft, und wir wissen und haben es allezeit erfahren, daß sie unserer Kraft untertan sind. Hätte der Große Geist das Mud für uns bestimmt, so müßte es auch unserer Kraft gehorchen. Wir wissen aber, daß es derselben mit großer Leichtigkeit gespottet hat, da wir dasselbe uns untertänig machen wollten. Also ist es ja so hell und klar wie die Sonne, die uns scheint den Tag hindurch, daß der Große Geist außer uns noch andere Kräfte gesetzt hat, die unserer Kraft nicht dienen sollen. Und wir sollen sie uns nicht dienstbar machen. Daher bleiben wir in den gewiesenen Grenzen unserer Kraft und lassen andere große Kräfte walten daselbst, wo sie der Große Geist hingesetzt hat. Ferne sei daher von uns, wissen zu wollen, was der große lichte Kreis über uns ist und was die Monde sind. Und ein Mudland bleibe von uns für alle Zeiten der Zeiten unbetreten!«

11] Wenn ihr diesen Weisheitsspruch ein wenig beachtet, wird es euch sicher noch einleuchtender werden, welch eine Bewandtnis es mit der riesigen Größe und großen Kraft dieses Tieres hat. Es wäre unnötig, euch weiter die Gestalt desselben zu beschreiben, sondern eines jedweden eigener Phantasie und Einbildung sei es überlassen, sich dieses besagte Tier, so gut es nur immer geht, vorzustellen.

12] Wird das Mud von den Saturnbewohnern zu öfteren Malen beobachtet? O nein, solches geschieht äußerst selten. Und wenn je, dann nur so, daß es entweder bei der Gelegenheit einer weiten Schiffahrt oder von irgendeinem, solchem Mudlande nicht dar zu ferne gelegenen Vorgebirge eines Hauptkontinentlandes aus gesehen wird. Denn gar zu sehr dem Ufer eines solchen Mudlandes nahezukommen, ist nicht ratsam. Wenn dieses Tier eben nicht zu ferne von seinem Land etwas auf dem Wasserspiegel Schwimmendes ersieht, macht es einige Riesenschritte in das Meer hinein, und wenn dasselbe nicht gar zu tief ist, gelingt es ihm auch, mit wenigen Schritten so etwas auf dem Meere Schwimmendes einzuholen und es mit seinem ungeheuren Rachen zu begrüßen.

13] Etwas für den Saturnbewohner ganz eigentümlich Abschreckendes und Schauerliches ist das Gegrunze dieses Tieres; davon könnet ihr euch wahrlich keinen Begriff machen. Ich kann euch davon nur so viel sagen, daß, so sich dieses Tier z.B. im tiefen Ungarland befinden würde, richtete da seinen Rachen gegen euer Land herauf und möchte einige Male grunzen, so würde dadurch die Erde bis zu euch und noch ziemlich weiter in eine Mitbebung versetzt werden. Vor lauter Erdbeben möchte nicht nur kein Gebäude eurer Stadt stehen bleiben, sondern es würden auch einige benachbarte Alpen ihre nur einigermaßen lockeren Felsenspitzen einbüßen. Aus dieser kleinen Schilderung kann auch schon ein wenig klar sein, warum die Saturnbewohner eben nicht die größten Freunde dieses sehr stark »bewegenden« Gesanges von seiten des besagten Tieres sind.

14] Übrigens hat dieses Tier trotz seiner ungeheuren Größe sehr scharfe Sinne. Vorzugsweise ist sein Geruch- und Gehörsinn scharf, daher es auch schon von weiter Ferne empfindet, ob sich auf dem Wasserspiegel etwas für seinen Rachen Taugliches nähert. Im übrigen aber ist es bei weitem nicht so unreinlich wie das Erdschwein. Besonders was das Unrat-von-sich-Lassen betrifft, da übertrifft das Mud an Reinlichkeit fast jedes euch bekannte Tier der Erde. Bevor es seinen Unrat von sich läßt, wühlt es in das Erdreich ein sehr tiefes Loch oder, nach euren Begriffen, einen Krater ungefähr im Umfang von einer kleinen Stunde und nicht selten mehrere hundert Klafter tief. Ist ein solches Loch gegraben, kehrt er sich an dieses Loch, läßt seinen Unrat hinein, und scharrt dann sogleich wieder die vorher aufgegrabene Erde über denselben. Dadurch hält dieses Tier sein von ihm bewohntes Land rein und düngt es auch ganz zweckmäßig für einen folgenden Graswuchs, welcher gewöhnlich in diesen Mudländern weit dichter und größer ist als die dichtesten Urwälder auf eurer Erde.


15] Nun bleibt uns nur noch eine kleine Frage übrig, nämlich: wozu ein so kolossales Tier auf diesem oder auch auf einem andern Planeten wohl nütze? Die Antwort auf diese Frage werdet ihr schon bei der Erklärung des großen Fisches finden. Wie jener einen allgemeinen Übergang des Wassertiers zum Luftgetier bildet, so bildet auch das Mud einen ähnlichen allgemeinen Übergang aus allen Tier- und Pflanzenstufen in eine edlere, dem Menschen näherstehende Tiergattung. Nun wißt ihr alles, was dieses Tier betrifft. Nächstens wollen wir in kürzerem Durchflug unsere Betrachtungen über die Landtiere weiter ausdehnen.

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