Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

278. Kapitel: Zweijährige Wunderpause des Kindleins. Jonathas Ankunft in Ägypten. Große Freude darob im Hause Josephs und des Kindleins Rat an Jonatha. Jonatha als Fischer am Galiläischen Meere. (13.08.1844)

01] Also vergingen zwei Jahre, und es ereignete sich nichts Auffallendes mehr im Hause Josephs.
02] Cyrenius erhielt wohl sobald die Nachricht von der Übersiedelung des Joseph, konnte ihn aber da dennoch nicht besuchen, weil er gerade in dieser Zeit mit Staatsgeschäften aus Rom überhäuft war.
03] Und nicht um vieles besser erging es auch dem Kornelius;
04] denn auch er bekam so oft die dringendsten Geschäfte, sooft er sich eine Vakanz machen wollte, um seine Salome und den Freund Joseph zu besuchen.
05] Es hatte dies alles schon der Herr also vorgesehen, auf daß das Kindlein in Nazareth in einer desto größeren Unbeachtsamkeit wachsen konnte.
06] Also war man auch in Nazareth über das Wesen des Kindes in einer vollen Unkenntnis.
07] Nur der schon bekannte Arzt zog infolge seiner Wunderkuren eine allgemeine Aufmerksamkeit auf sich.
08] Und es ist förmlich zum Sprichworte geworden, daß man zu den Kranken sagte:
09] »Wenn dich Nazareth nicht heilt, so heilt dich auch die ganze Welt nicht, und Siloha nicht!«
10] Salome aber war dennoch stets sehr bemüht, dem Hause Josephs nach Möglichkeit zu dienen, und das Kindlein hielt Sich viel im Hause der Salome auf.
11] Nach zwei Jahren aber kam endlich Jonatha aus Ägypten dem Joseph nach und besuchte ihn.
12] Und Joseph hatte eine übergroße Freude, seinen Freund wiederzusehen, und das Kindlein hüpfte auch vor Freude um Seinen großen Fischer.
13] Als Jonatha ganz allein bei drei Wochen im Hause Josephs zugebracht hatte, da ihm alle die Seinen in Ägypten an einer ausgebrochenen Seuche (Gelbfieber) gestorben sind,
14] da hat er den Joseph, ob er ihm nicht hier bei Nazareth zu irgendeinem Fischergewerbe verhelfen könnte.
15] Da stand einmal wieder das Kindlein auf und sagte zu Jonatha:
16] »Weißt du, lieber Jonatha, hier sind die Menschen zumeist böse und sehr eigennützig,
17] da wird für dich nicht viel zu machen sein! Aber gehe du ans Galiläische Meer, das eben nicht weit von hier ist, da ist die Fischerei noch frei!
18] Dort wirst du bald ein gutes Plätzchen finden und wirst stets die besten Fische leichtlich bekommen.
19] Mit diesen Fischen komme dann öfters zum Markte nach Nazareth, und du wirst einen guten Absatz finden!«
20] Jonatha folgte sogleich diesem Rate, und siehe, er fand da alsbald eine Witwe, die am Meere Galiläas ein Häuschen hatte.
21] Und diese Witwe fand sogleich ein großes Wohlgefallen an Jonatha, nahm ihn in ihr Haus und reichte ihm auch bald die Hand.
22] Und so ward Jonatha nun abermals ein ausgezeichneter Fischer im Galiläischen Meere und machte ob seiner allerbilligsten Fischpreise allenthalben die besten Geschäfte,
23] wobei er aber auch stets auf das eifrigste bemüht war, allwöchentlich den Joseph und die Salome mit einer besten Ladung von den edelsten Fischen zu regalieren (beschenken).
24] Und dieses Ereignis war seit zwei Jahren das allein denkwürdige, sonst ist aber bis dahin nichts geschehen, das da einer Aufzeichnung wert gewesen wäre.


voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel