Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

263. Kapitel: Salome lädt die Familie Josephs zum Frühstück ein. Des Jesuskindleins Leibspeise. Liebesfreuden des Kindleins und der Salome. (26.07.1844)

01] Am Morgen war in beiden Häusern schon alles sehr früh auf den Füßen, und Salome war geschäftigst in ihrer Küche und bereitete ein gutes Frühmahl, bestehend aus Honigkuchen, einer guten Fischbrühe und aus mehreren edlen Fischen,
02] darunter die Forellen wohl die ersten (besten) waren, die man dort häufig in den Gebirgsbächen fing.
03] Als das Frühstück fertig war, da eilte Salome in das Haus des Joseph und lud den Joseph und alle die Seinen zum Frühstück.
04] Und Joseph sprach: »Aber siehe du, meine liebe Freundin, warum machst du dir denn meinetwegen gar so große Unkosten?
05] Siehe, auch meine Söhne sind schon in der Küche geschäftig und bereiten ein Frühmahl;
06] darum hättest du wohl für uns nicht also sehr gastfreundlich besorgt sein sollen!«
07] Salome aber sprach: »O du mein erhabenster Freund! Verschmähe doch nicht die Arbeit deiner Magd, und komme!«
08] Darob ward Joseph sehr gerührt, berief alles in seinem Hause zusammen, und begab sich mit der Salome in ihr Haus zum Frühstück.
09] An der Türschwelle erwartete sie Kornelius und bewillkommnete sie alle auf das herzlichste.
10] Und Joseph hatte eine große Freude, als er nun beim Sonnenlichte seinen Freund Kornelius vollends wiedererkannte.
11] Darauf begaben sich alle in das schöne Speisezimmer, allwo das Frühstück der Gäste harrte.
12] Als aber das Kindlein die Fische auf dem Tische erblickte, da lächelte Es und lief zu Salome und sagte zu ihr:
13] »Aber wer hat dir denn gesagt, daß Ich die
Fische gern esse?
14] Da hast du Mir wohl eine rechte Freude gemacht; denn siehe, das ist vor allem Meine Leibspeise!
15] Ich esse wohl auch die Honigkuchen gerne, wie auch die Fischbrühe mit Weizenbrot;
16] aber die Fische sind Mir dennoch lieber als alle anderen Speisen.
17] Darum bist du nun schon recht brav, weil du so gut für Mich bedacht warst, und Ich habe dich nun gar liebgewonnen darum!«
18] Über solche kindliche Belobung war Salome schon wieder außer sich vor Freude und weinte.
19] Das Kindlein aber sprach: »Salome, siehe, du weinst ja immer, so du an etwas eine große Freude hast;
20] aber siehe, Ich bin kein Freund vom Weinen! Darum mußt du auch nicht immer weinen, so dich etwas freut, dann werde Ich dich noch lieber haben!
21] Siehe, Ich möchte recht gerne auf deinem Schoße den Fisch verzehren;
22] aber Ich getraue es Mir doch nicht, weil du da aus lauter Freude gar zu viel weinen möchtest!«
23] Da ermannte sich Salome soviel als da nur immer möglich war und sprach zum Kindlein:
24] »O Herr! Wer kann Dich schauen ohne Tränen im Auge?«
25] Und das Kindlein sprach: »Da sieh nur Meine Brüder an, die sehen Mich auch täglich und weinen dennoch nicht, wenn sie Mich sehen!«
26] Darauf ward Salome wieder ruhig, und alle begaben sich zu Tisch, und das Kindlein nahm auf dem Schoße der Salome Platz.


voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel