Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

248. Kapitel: Des Kindleins Frage nach dem heutigen Fischfang. Des fischbegierigen Kindleins Antwort auf Josephs Zurechtweisung: "Ich bin überall zu Hause, wo man Mich liebt!" Der reiche Fischfang auf des Kindleins Geheiß. Die heilige Familie im ausgeplünderten Hause (08.07.1844)

01] Als nach ungefähr drei Stunden Jonatha mit Joseph und mit seinem Gold- und Silberfischfange zurückkam, da war in seinem Hause auch schon alles auf den Beinen und sah nach der noch stark rauchenden Stadt hin.
02] Das Kindlein allein lief mit Jakob dem sich dem Ufer nahenden Joseph und Jonatha entgegen.
03] Und als diese ans Ufer traten, da grüßte und küßte Es die beiden und fragte Jonatha, ob er wohl schon recht viele Fische gefangen habe.
04] Dieser (Jonatha) aber, das Kindlein ebenfalls mit größter Liebe umfassend, sprach:
05] »O Du mein Leben, o Du meine Liebe! Mit den Fischen hat es für heute seine geweisten Wege!
06] Aber ich habe, sicher mit Deiner allmächtigen Hilfe, ein gestrandetes Römerschiff gerettet, das einen Gesandten an Cyrenius trug.
07] Da fielen dann recht viele Gold- und Silberfische in mein Netz, und so ließ ich für heute den eigentlichen Fischfang ruhen.«
08] Und das Kindlein sagte: »Das ist schon recht und ganz gut;
09] aber da Ich Mich heute schon auf einen frischen Fisch gefreut habe, so wäre es mir lieber gewesen, du hättest statt deiner Gold- und Silberfische die rechten gebracht!«
10] Jonatha aber sprach: »O Du mein Leben! Siehe, längs des Ufers hängen ja eine Menge Fischkästen voll mit den besten Fischen, da werden wir schon ganz frische herausnehmen!«
11] Und Kindlein lächelte darauf und sprach: »Ja, wenn also, dann magst du freilich wohl deinen heutigen Gold- und Silberfischfang behalten!
12] Aber Ich bin schon recht hungrig; wird es lange dauern, bis da ein Fisch zugerichtet wird?«
13] Und Jonatha sprach: »O nein, o nein, Du mein Leben, in einer halben Stunde sitzen wir schon bei Tisch!«
14] Joseph aber sagte zum Kindlein: »Aber Du bist wohl ein rechter Bettler!
15] Siehe, hier sind wir ja nicht zu Hause; daher müssen wir auch nicht schaffen, als wären wir zu Hause!
16] Gedulde Dich nur, es wird schon etwas kommen; aber also zu betteln schickt sich ja nicht in einem fremden Hause!«
17] Das Kindlein aber sprach: »Ei was da! Ich bin überall zu Hause, wo man Mich liebt.
18] Wo aber Ich zu Hause bin also, da kann und darf Ich ja doch auch reden, was Ich möchte!
19] Damit aber Jonatha seine Kästen nicht unentschädigt leeren solle,
20] da werfe er ein Netz ins Meer, und er soll für uns alle sogleich einen hinreichenden Fang machen! - Jonatha, tue das!«
21] Jonatha warf sogleich ein großes Netz ins Meer und fing eine unerhörte Menge der edelsten Fische.
22] Darauf sagte das Kindlein zu Joseph: »Siehe, wenn das in Meiner Macht steht, da werde Ich doch Jonatha um einen guten Fisch bitten dürfen?!« - Hier wurde Joseph stille; Jonatha aber wußte sich aus lauter Dankbarkeit nicht zu helfen.


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