Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

123. Kapitel: Der Zug nach dem heiligen Berge. Die Begegnung mit den wilden Tieren. Die Zähmung der Bestien durch die zwei himmlischen Jünglinge. (23.01.1844)

01] Cyrenius mit seinem Gefolge, Maronius mit den drei Priestern und Joseph mit der Maria und mit dem Kindlein, die zwei Jünglinge und die Eudokia bildeten den Zug.
02] Maria und die Eudokia saßen auf den zwei Eseln, die die beiden Jünglinge leiteten.
03] Die anderen Jünglinge blieben mit den Söhnen Josephs daheim und halfen ihnen das Haus bestellen und bereiten ein gutes Brot und Mittagsmahl, welches aber freilich erst am Abende verzehrt ward.
04] Außer (außerhalb) der Stadt befand sich aber ein Berg, der ganz mit Zedern bewachsen war und bei vierhundert Klafter Höhe maß.
05] Dieser Berg ward von den Heiden als ein Heiligtum verehrt, daher auch auf ihm kein Baum gefällt ward.
06] Nur ein Weg, den die Priester angelegt hatten, führte bis zur Vollhöhe, auf der ein offener Tempel errichtet war, von dem man nach allen Seiten hin eine weite und reizende Aussicht hatte.
07] Wegen der dichten Bewaldung dieses ziemlich weitgedehnten Berges aber hielten sich auch fortwährend eine Menge reißender Bestien in den dichten Waldungen dieses Berges auf, die die Besteigung desselben unsicher und gefährlich machten.
08] Die drei Priester aber wußten wohl von dieser Eigenschaft des Berges; daher traten sie auch hin zum Cyrenius, als er schon den Fuß des Berges erreicht hatte, und zeigten ihm solches an.
09] Und Cyrenius sprach: »Sehet ihr denn nicht, daß ich keine Furcht habe?!
10] Warum sollte ich auch diese haben?! Ist ja doch der Herr aller Himmel und aller Welten mitten unter uns und zwei von Seinen allmächtigen Dienern!«
11] Die Priester ermannten sich bei den Worten des Cyrenius und traten wieder zurück, und der Zug ging rasch bergan.
12] Als aber die ganze Gesellschaft sich etwa eine gute halbe Stunde tief im Gebirgswalde befand, da sprangen plötzlich drei mächtige Löwen aus des Waldes Dickicht hervor und verrammten dem Cyrenius den Weg.
13] Cyrenius erschrak darob nicht wenig und schrie um Hilfe.
14] Und sogleich traten die zwei Jünglinge hervor, bedrohten die drei Bestien, und diese verließen im Augenblicke brüllend die Stelle;
15] aber sie flohen nicht ins Dickicht zurück, sondern begleiteten die Gesellschaft am Rande des Weges und taten niemandem etwas Leids an.
16] Als aber die Gesellschaft wieder eine halbe Stunde weiter kam, da kam ihr eine ganze Karawane von Löwen und Panthern und Tigern entgegen.
17] Als aber diese unheimliche Karawane der beiden Jünglinge ansichtig ward, da teilte sie sich zu beiden Seiten des Weges und machte also unserer Gesellschaft Platz.
18] Vielen in der Gesellschaft im Gefolge des Cyrenius aber war diese Begegnung (so) Ehrfurcht und allen Respekt einflößend, daß sie sich darob kaum zu atmen getrauten.
19] Als sie aber bemerkten, wie die Bestien in der Nähe des Kindleins niedersanken und bebten, da ging den furchtsamen Heiden ein Licht auf, und sie fingen an zu ahnen, wer im Kinde zu Hause war.


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