Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

108. Kapitel: Des Cyrenius Bedenken wegen der Einsegnung der Ehe durch einen Oberpriester des Hymen. Josephs guter Rat und des Cyrenius große Freude. (04.01.1844)

01] Cyrenius, durch diese Versicherung Josephs ganz zufriedengestellt sagte darauf zu Joseph:
02] »Erhabenster Freund, nun ist jeder meiner Wünsche erfüllt, und ich habe nun nichts mehr, das ich wünschen möchte!
03] Nur ein fataler Umstand waltet noch neben meinem großen Glücke, und dieser besteht darinnen:
04] Tullia, die himmlische, ist nun zwar von Gott aus gesegnet mein rechtmäßiges Weib; aber siehe, ich bin dem Äußern nach ein Römer und muß daher auch, des Volkes wegen, mich von einem Priester zeugnisweise förmlich einsegnen lassen!
05] Eine solche Einsegnung aber kann nur von einem Oberpriester des Hymen vorgenommen werden, wodurch sie dann erst ein rechtskräftiges Bündnis wird.
06] Wie stellen wir aber hier solches an, da außer den drei Unterpriestern nicht einer mehr vorhanden ist?«
07] Und Joseph sprach zu Cyrenius: »Was kümmert dich das, an dem nichts liegt?
08] Wenn du nach Tyrus wieder zurückkehren wirst, da wirst du der Priester genug treffen, die dich ums Geld einsegnen werden, wenn du schon auf diese Einsegnung irgendein Gewicht legst.
09] So du aber bleibst, wie du nun bist, so wirst du besser tun; denn du bist ja auch ein Herr über dein eigen Gesetz!
10] Ich aber erinnere mich, einmal von einem Römer gehört zu haben daß da in Rom ein geheimes Gesetz bestehe, welches also lautet:
11] ,So ein Mann ein Mädchen erwählt in der Gegenwart eines Stummen, eines Narren oder eines unmündigen Kindes
12] ,und diese sind bei der Erwählung gutmütig und lächeln dabei, so ist die Ehe dadurch vollkommen gültig, nur muß darauf dem betreffenden Priester davon eine Anzeige gemacht werden,
13] ,wobei freilich ein kleines glänzendes Opfer nicht fehlen darf.'
14] Hat es mit diesem geheimen Gesetze seine Richtigkeit, was braucht es da mehr?
15] Laß die drei Priester kommen die da bei mir sind; diese werden dir das Zeugnis geben, daß du in der Gegenwart eines dich anlächelnden und dich sogar segnenden Kindes, das erst kaum im vierten Monate Alters ist die Tullia erwählt hast!
16] Hast du dieses ganz unschuldige Zeugnis und etwas Goldes, was braucht es da mehr fürs ganze römische Volk?!«
17] Und Cyrenius hüpfte vor Freude förmlich in die Höhe und sprach zu Joseph:
18] Fürwahr, du erhabenster Bruder hast vollkommen recht! Es besteht im Ernste ein solches Gesetz; nur konnte ich mich anfangs desselben nicht sogleich entsinnen!
19] Jetzt ist alles in der besten Ordnung; bestelle mir daher die drei Priester, und ich werde sogleich über diesen Punkt eine gehörige Rücksprache mit ihnen führen!« - Und Joseph ließ darauf sogleich die drei noch stummen Priester ins Zimmer treten.


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