Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

93. Kapitel: Die allseitig gute Wirkung dieser Belehrung. Die heilige Familie im häuslichen Leben. Die blinde Bettlerin und ihr Traum. Die Heilung der Blinden durch das Badewasser des Kindes. (14.12.1843)

01] Nach solcher bezeigten Höchstachtung kehrten die drei Priester wieder in ihr angewiesenes Gemach zurück und verblieben in demselben bis zum Untergange der Sonne.
02] Sie redeten nichts, sondern ein jeder von ihnen dachte über die Worte des wunderbar redenden Kindes nach.
03] Joseph aber gab Gott die Ehre in seinem Herzen und dankte inbrünstig für die endlos große Gnade, daß er der Nährvater des Sohnes Gottes ward.
04] Als er also mit Maria und seinen Söhnen Gott die Ehre und das Lob gegeben hatte und die Maria das Kindlein ebenfalls versorgt hatte,
05] da ward das Kindlein wieder dem Jakob übergeben, und Joseph ließ sich von der Maria das zerrissene Kleid zusammenheften und ging dann mit seinen vier Söhnen wieder hinaus auf den Acker und bestellte ihn.
06] Maria aber reinigte unterdessen das Zimmergeräte des Hauses, damit es rein sei zum Empfange der Gäste, die da nachmittags wiederzukommen versprochen hatten.
07] Als sie mit der Reinigung zu Ende war, da sah sie wieder beim Kinde nach ob Ihm nichts fehle.
08] Das Kindlein aber begehrte die Brust und dann ein Bad, und das mit reinem, kalten Wasser.
09] Maria tat das alles sogleich; und als sie das Kindlein gebadet hatte, kam ein blindes Weib ins Zimmer zur Maria und klagte viel über sein Elend.
10] Maria aber sprach zu diesem blinden Weibe: »Ich sehe wohl, daß du sehr elend bist; aber was kann ich dir da wohl tun, daß dir damit geholfen wäre?«
11] Und das Weib sprach: »Höre mich an! In dieser Nacht hat es mir geträumt gar wunderbar.
12] Ich sah, wie du ein gar mächtig leuchtendes Kind hattest; dieses Kind begehrte von dir Brust und Bad.
13] Das Bad war ein frisches Wasser; und als du das Kind darinnen gebadet hattest, da ward das Wasser voll leuchtender Sterne.
14] Da erinnerte ich mich, daß ich blind bin, und wunderte mich nicht wenig, wie ich solches alles zu sehen vermöchte.
15] Du aber hattest daneben zu mir geredet: ,Weib, so nimm denn dieses Wasser, und wasche dir die Augen, - und du wirst sehend!'
16] Da wollte ich sogleich nach dem Wasser greifen und mir die Augen waschen; aber ich ward alsbald wach - und bin noch blind geblieben!
17] Heute am Morgen aber sprach jemand zu mir: ,Gehe hinaus, und suche! Du wirst das Weib mit dem Kinde treffen; denn du wirst eher in kein Haus kommen als in das allein!'
18] Hier bin ich nun am sicheren Ziele meiner großen Mühe, Angst und Gefahr!«
19] Hier reichte Maria dem blinden Weibe das Badewasser, und das Weib wusch sich damit das Gesicht und ward im Augenblicke sehend.
20] Das Weib aber wußte sich vor lauter Dank nicht zu helfen und wollte das sogleich in ganz Ostrazine ausposaunen; Maria aber verbot dem Weibe solches auf das nachdrücklichste.


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