Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

79. Kapitel: Der geringe Schaden im Hafen. Die Umkehr nach Hause. Maria in der Sänfte. Der absichtliche Umweg nach Hause. Gute Lehren im Hause Josephs (28.11.1843)

01] Am Ufer des Meeres angelangt, allwo der Hafen für die Schiffe teils von der Natur und teils durch die Kunst der Menschen errichtet war, erstaunte Cyrenius ebenfalls nicht wenig.
02] Denn es war nirgends ein Schaden zu entdecken, außer daß am prachtvollsten Schiffe des Cyrenius alle sogenannten mythologischen Verzierungen möglichst vernichtet waren.
03] Cyrenius sprach daher zu Joseph: »Mein allerachtbarster Freund, bei obwaltenden Umständen werden deine Söhne wenig zu tun bekommen!
04] Siehe, nicht ein Fahrzeug hat irgendeinen sonstigen Schaden erlitten, außer daß da - mir sehr willkommen - besonders auf meinem Schiffe, die Götzen wahrscheinlich haben das Meerwasser zum Verkosten bekommen,
05] was mir eben seht lieb ist; denn ich werde sicher keine mehr irgend auf meinem Schiffe anbringen lassen!
06] Deinem Gott sei alles Lob und alle Ehre dafür!
07] Deine Söhne aber werde ich dessenungeachtet für allfällige kleine Reparaturen, die sich hier und da an den Schiffen als vonnöten zeigen werden, schon also belohnen, als ob sie was Großes getan hätten!«
08] Und Joseph sprach zu Cyrenius: »O Freund und Bruder, sorge dich nicht zu sehr um den Verdienst meiner Kinder!
09] Siehe, nicht des Verdienstes wegen, sondern um dir einen guten Dienst erweisen zu können, wäre ich dir gerne mit meinen Söhnen in solcher baulichen Hinsicht zu Hilfe gekommen; es hat dir aber der Herr geholfen, und so ist es besser, und du kannst meine Hilfe nun leidlich entbehren.
10] Wir aber haben nun bereits alles gesehen; daher meine ich, dabei der Gelegenheit schon so ziemlich spät nachmittags geworden ist, wir sollten uns nun wieder nach Hause begeben und allenfalls das etwa noch Übrige morgen in Augenschein nehmen!«
11] Und Cyrenius sprach: »Der Meinung bin ich auch; denn mich dauert die arme Mutter schon ganz über die Maßen. Daher müssen wir nun trachten, sobald als möglich nach Hause zu kommen!
12] Ich werde aber für sie sogleich eine Sänfte bringen lassen, auf daß sie nach Hause getragen wird mit dem Kindlein!«
13] Und das Kindlein meldete sich sogleich hinter dem Cyrenius und sprach zu ihm:
14] »Das tue du sicher; denn diese Mutter ist schon sehr müde geworden, indem sie an Mir sehr schwer zu tragen hat.
15] Im Nachhauseziehen aber darfst du deinem Vorhaben zufolge nicht über den gewissen Priesterplatz den Weg nehmen!
16] Denn so Ich mit der Mutter vorübergetragen würde, da (wo) nun schon bei hundert Verschüttete auf den Matten liegen,
17] so würden sie plötzlich alle lebendig, und das gäbe dir und allem Volke ein Gericht, das da jedem sehr übel bekäme!
18] Also aber werden sie durch menschliche Hilfe unter Meiner geheimen Einwirkung die Nacht hindurch erweckt werden!
19] Dadurch wird der Schein des Wunderbaren vermieden, und du und alles Volk bleibet verschont von einem den Geist ewig tötenden Gerichte!«
20] Cyrenius befolgte genau diesen Rat, hocherfreut in seinem Herzen; die Sänfte ward augenblicklich herbeigeschafft, und Maria mit dem Kindlein begab sich in dieselbe.
21] Und Cyrenius bestimmte einen andern Weg, auf welchem die ganze Gesellschaft, die drei Priester mitgerechnet, gar bald und ganz bequem die Villa Josephs erreichte.


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