Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

Kapitel 31: Überlegungen Josephs zur gottgewollten Verwendung der Schätze (19.09.1843)

01] Als die drei Weisen aber völlig wieder draußen waren und sich zur Ruhe begeben hatten in ihren Zelten, da sagte Maria zu Joseph:
02] »Siehe, siehe nun, du ängstlicher, sorgenerfüllter Mann, wie herrlich und gut der Herr, unser Gott, ist, wie gar so väterlich Er für uns sorgt!
03] Wer hätte von uns sich je im Traume etwas solches können beifallen lassen? - Aus unserer großen Angst hat Er solch einen Segen für uns bewirkt und hat all unsere große Furcht und Sorge in eine so große Freude verwandelt!
04] Von denen wir befürchteten, daß sie nach dem Leben des Kindes trachten möchten, gerade von denen haben wir erlebt, daß sie Ihm nur eine Ehre dargebracht haben, wie wir sie nur immer Gott, dem Herrn, schuldig sind,
05] und haben uns noch obendrauf so reichlich beschenkt, daß wir uns um den Wert der Geschenke ein sehr ansehnliches Landgut völlig zu eigen ankaufen können und können dort für die Erziehung des göttlichen Kindes sicher nach dem Willen des Herrn bestens sorgen!
06] O Joseph! - Heute erst will ich dem allerliebevollsten Herrn danken, Ihn loben und preisen die ganze Nacht hindurch; denn Er ist nun unserer Armut auch so sehr zuvorgekommen, daß wir uns jetzt recht gütlich behelfen können! - Was sagst denn du dazu, lieber Vater Joseph?«
07] Und Joseph sprach: »Ja, Maria, unendlich gut ist Gott, der Herr, denen, die Ihn lieben über alles und alle ihre Hoffnung auf Ihn allein richten; - aber ich meine nicht uns, sondern dem Kinde gelten die Geschenke, und wir haben demnach nicht das Recht, sie zu gebrauchen nach unserm Gutdünken.
08] Das Kind aber heißt 'Jesus' und ist ein Sohn des Allerhöchsten; daher müssen wir zuerst den allerhabensten Vater fragen, was da mit diesen Schätzen geschehen soll?!
09] Und was Er damit anordnen wird, das wollen wir auch tun; ohne Seinen Willen aber will ich sie nicht anrühren mein Leben lang und will dir und mir lieber auf die beschwerlichste Art von der Welt ein gesegnetes Stückchen Brot verdienen!
10] Habe ich dich und meine Söhne doch bis jetzt durch die vom Herrn gesegnete Arbeit meiner Hände ernährt; also werde ich es mit der Hilfe des Herrn auch noch fürder zu tun vermögen!
11] Daher sehe ich nicht auf diese Geschenke, sondern allein auf den Willen des Herrn und auf Seine Gnade und Liebe.
12] Das sind die drei größten, uns allzeit mächtig segnenden Geschenke Gottes! Sein heiliger Wille ist mir der köstlichste Weihrauch, Seine Gnade das reinste und schwerste Gold und Seine Liebe die allerköstlichste Myrrhe.
13] Diese drei Schätze dürfen wir allezeit ohne Scheu verschwenderisch gebrauchen; - aber dieser Weihrauch, dieses Gold und diese Myrrhen da in den goldenen Säcken dürfen wir nicht anrühren ohne den ersten drei Hauptschätzen, die uns bis jetzt noch immer die reichlichsten Interessen abgeworfen haben.
14] Also, liebe Maria, wollen wir tun, und ich weiß, der Herr wird uns darum mit großem Wohlgefallen ansehen; Sein Wohlgefallen aber sei uns der allergrößte Schatz!
15] Was meinst du, holdeste Maria, habe ich recht oder nicht? Ist also nicht am besten mit diesen Schätzen die rechte Bestimmung getroffen?«
16] Hier wurde Maria bis zu Tränen gerührt und lobte die Weisheit Josephs. - Und der Hauptmann fiel dem Joseph um den Hals und sprach: »Ja, du bist noch ein wahrer Mensch nach dem Willen deines Gottes!« - Das Kindlein aber sah den Joseph lächelnd an, hob ein Händchen auf und tat, als segne Es den Nährvater, den frömmsten Joseph.


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