Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

27. Kapitel: Rückkehr in die Geburtshöhle nach Bethlehem; herzlicher Empfang (01.09.1843)


01] Abends, noch eine Stunde vor der Untergange der Sonne, erreichten die hohen Reisenden Bethlehem wieder und zogen ein in die schon bekannte Höhle.
02] Die beiden zurückgebliebenen Söhne, die Salome und der Hauptmann kamen ihnen mit offenen Armen entgegen und fragten die Zurückkehrenden sorglichst, wie es ihnen ergangen sei auf der Reise?
03] Und Joseph erzählte alles, was ihnen begegnet war, bekannte aber auch zuletzt, daß er an diesem Tag noch völlig nüchtern sei samt allen den Mitreisenden; denn der höchst geringe Vorrat hatte kaum für die schwache Maria hingereicht!
04] Als der Hauptmann solches von Joseph vernommen hatte, da ging er sogleich in den Hintergrund der Höhle und brachte eine Menge den Juden erlaubter Speisen hervor und sprach dann zu Joseph:
05] »Hier segne es dir dein Gott, und segne es du nach deiner Sitte, und stärket und sättiget euch alle daran!«
06] Und Joseph dankte Gott und segnete die Speise und aß dann ganz wohlgemut mit Maria uns seinen Söhnen und mit der Wehmutter
07] Es war aber der Maria das Kindlein den ganzen Tag hindurch schon schwer geworden, darum sie denn auch zum Joseph sagte:
08] »Joseph, siehe, wenn ich nur neben mir ein Plätzlein hätte, das Kindlein niederzulegen, um meinen Armen eine kleine Ruhe zu gönnen, da wäre ich für alles versorgt, und das Kindlein Selbst könnte Sich ruhiger im Schlafe stärken!«
09] Als der Hauptmann solchen Wunsch Mariens noch kaum gemerkt hatte, da sprang er sogleich in den Hintergrund der Höhle zurück und brachte eilends eine kleine Futterkrippe hervor, welche für Schafe bestimmt war (und also aussah wie heutzutage die Futtertröge vor den Gasthöfen am Lande).
10] Die Salome aber nahm sogleich schönstes Stroh und frisches Heu, belegte das a Kripplein damit, deckte dann ein frisches Tuch darüber und machte also ein weiches Bettchen für's Kindlein. (a Lukas.02,12)
11] Maria aber a wickelte das Kindlein in frische Linnen, drückte es an ihre Brust, küßte Es und gab Es dann dem Joseph zu küssen und dann auch allen Anwesenden und legte Es dann in das wohl sehr ärmliche Bettchen für den Herrn Himmels und der Erde! (a Lukas.02,12)
12] Gar ruhig schlief das Kindlein, und Maria konnte nun ruhig essen und sich stärken am Mahle, welches ihnen der überaus gutherzige Hauptmann bereitet hatte.
13] Nach der Mahlzeit aber sprach wieder Maria zu Joseph: »Joseph, laß mir mein Lager zurechtmachen,denn ich hin gewaltig müde von der Reise und möchte mich darum zur Ruhe begeben!«
14] Salome aber sprach: »O Mutter meines Herrn, siehe, dafür ist schon lange bestens gesorgt; komm und siehe!«
15] Und Maria erhob sich, nahm wieder das Kindlein und ließ sich auch das Kripplein in ihr Zelt tragen und begab sich also zur Ruhe, und das war die erste völlige Schlafnacht für Maria nach der Geburt.
16] Der Hauptmann aber ließ ja fleißig heizen auf dem Herde und weiße Steine wärmen und mit selben das Zelt Marias umstellen, auf daß sie mit dem Kindlein ja keine Kälte leiden solle; denn es war dies eine kalte Nacht, in der das Wasser im Freien zu festem Eise ward.


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