Jesus Christus: 'Himmelsgaben', Band 3, S. 338


Kapitelinhalt III. Jesus vierzig Tage in der Wüste (20.03.1864)

   01] Fortsetzung der Erklärung jener Verse, die schon seit lange her allen Gelehrten und auch vielen Theosophen vom besten Schrot und Korn ein Stein des Anstoßes waren. {Mt.04,01; Mk.01,02-11; Mk.01,12-13; Lk.04,02-13)
   02] Unter diese Verse, deren es besonders im Matthäus- und Lukas-Evangelium eine Menge gibt, gehören auch diejenigen, in denen die Rede ist, wie Ich vom Geiste in die Wüste geführt wurde, daselbst vierzig volle Tage und Nächte fastete und Mich endlich vom Teufel dreimal versuchen ließ, da es Mich schon sehr gehungert habe.
   03] In naturmäßiger Hinsicht ist diese Erzählung ganz natürlich ein barster Unsinn, denn als ein purer Mensch kann niemand so lange ohne Speise und Trank verbleiben, da ein Viertel von solcher Zeit für jeden Menschen hinreichend wäre, das physische Leben einzubüßen. Ferner wird wohl jeder einsehen, ob man in einer wirklichen Wüste auch nur für den äußersten Notfall etwas zu essen und zu trinken bekommen könne! Man müßte sich höchstens mit hie und da vorkommendem dürrem Moose, verdorrten Distelstauden und dergleichen mehr begnügen und stundenlang gehen, bis man irgend ein faules Wasser anträfe, um sich den Durst zu stillen.
   04] Es ist daraus ersichtlich, daß ein solches Fasten in natürlicher Hinsicht höchstens nur bei jenen Tieren stattfinden kann, die dem Winterschlafe unterworfen sind, nie aber bei Menschen, von denen niemand über acht Tage hinaus ohne Speise und Trank das physische Leben erhalten kann.
   05] Man wird aber hier von einer gewissen zelotischen Seite her die Einwendung machen: Ich war aber nicht nur purer Mensch, sondern auch Gott zugleich, und die Gottheit in Mir habe Meinen Leib vollkommen gut vierzig Tage und Nächte ohne Speise und Trank am Leben erhalten können. - Ich aber sage dagegen: Wenn das der Fall war, so habe Ich nicht gefastet; denn die natürliche Speise hat auch nur von Gott aus verordnet die Kraft, den menschlichen Leib zu ernähren und zu erhalten. Ist das demnach nicht alles eins, ob jemand mittelbar oder unmittelbar durch die göttliche Kraft und Macht ernährt, erhalten und gekräftigt wird?! -


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