Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 133


   10] Und sehet, daß sich die Sache also verhält und dieser zweite und letzte Zustand notwendig ist, könnet ihr dadurch ja deutlich erkennen, daß so jemand an dem einen Ufer ein Schiff besteigt, er doch sicher auf ein entgegengesetztes Zielufer fahren will. Dieser letzte Zustand aber ist das letzte Zielufer, welches jeder dem Apostel gleich biedere Christenbruder erreichen soll; denn wer dieses letzte Ufer nicht also erreichen wird, der wird auch nicht in Meinen Schoß dereinst aufgenommen werden. -
   11] Nun sehet, Meine lieben Töchterlein, wie schön und gewiß ordnungsmäßig diese drei verschiedenen Stellen aneinandergepaßt haben, so zwar, daß sie zur Erreichung des ewigen Lebens ewig unzertrennlich beisammenbleiben müssen, - nicht wahr, das gefällt euch wohl?
   12] Nun aber sage Ich auch euch: Passet auch ihr diese Stellen lebendig eurem Leben an, dann erst werdet ihr in der Überfülle erfahren, wie überaus gut, liebevoll und barmherzig Ich, euer wahrer, heiliger Vater es bin. Mein Segen mit euch Amen! -

Kapitelinhalt "Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen." (13.02.1842. Vormittag von 9 bis 1/2 11 Uhr)

Schreibender. Ans. H.
Der Knecht des Herrn diktiert über Johannes 3,30: "Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen."

   01] Dieser Text scheint für viele ein äußerst leicht faßlicher zu sein. Allein solches ist mitnichten der Fall. Dieser Text wird erst dann vollends begriffen, so er bei jemandem ins tätige Lebensverhältnis übergegangen ist. Dessenungeachtet aber soll hier doch das wahre Verständnis dieses Textes folgen.
   02] Um diesen Text aber gründlich zu erfassen, muß man zuerst in die Wissenschaft seines inneren Gefühles bringen, wer vorerst der Johannes oder das Ich, und wer diesem nach das eigentliche Er ist, das da wachsen solle, wie das Ich abnehmen.
   03] Johannes ist das Sinnbild des äußeren Menschen, welcher da der Buße bedarf, die an und für sich nichts anderes ist, als die lebendige Umkehrung des Menschen von der Welt hinüber zu Gott. Also hat auch Johannes die Buße gepredigt, damit die Menschen ihr Weltliches ablegen und das Geistige anziehen sollten. Er selbst war das Sinnbild der strengsten Buße.


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