Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 131


Der Knecht des Herrn diktierte hierüber folgendes:
   01] Also trägt auch manchmal, dem Auge des Menschen wie zufällig scheinend, im Herbste ein kleiner Wirbelwind das Laub von verschiedenen Bäumen zu einem Häufchen zusammen, - und ebenso auch kommen nicht selten sich ganz fremde Menschen zusammen, daß es dem Außen nach den unbezweifelten Schein des Zufalls in sich trägt; wie es auch hier den Schein des Zufalls hat, daß diese drei verschiedenen Stellen, davon jede eines bei weitem anderen Ursprungs ist, hier von euch, Meine lieben Kindlein, gewählt wurden. Aber es ist dem nicht also. - Daß diese vorbenannten Blätter verschiedener Bäume durch den Wirbelwind genötigt nun ein Häufchen bilden, die drei sich gegenseitig fremden Menschen eine wohlfreundschaftliche Gesellschaft bilden, und also auch diese drei verschiedenen Stellen dem Neuen Testamente entnommen wurden, dem liegt eine schon von Ewigkeit her von Mir wohlüberdachte und wohlgeordnete Ursache zugrunde.
   02] Was ist wohl mehr, ein tauber Sperling auf dem Dache, ein schales Haar auf dem Haupte oder drei mit ewigem Leben erfüllte Stellen aus Meinem Buche? -
   03] Wenn Ich Mich aber schon um einen tauben Sperling kümmere und die schalen Haare auf eines jeden Menschen Haupte in jedem Augenblicke genauest überzähle, damit ohne Meinen Willen auch nicht ein Sperling vom Dache fällt und auch nur ein Haar auf dem Haupte gerüttelt werde; um wieviel mehr wird es Mir daran gelegen sein, was euch frommt zum ewigen Leben! - Und so lasset uns denn sehen, inwiefern diese drei verschiedenen von euch gewählten Stellen ganz vollkommen ordentlich zusammentaugen.
   04] Sehet, da Mein Apostel ein Gefangener war und im Gefängnisse durch seinen lebendigen Glauben wie durch seine große Liebe als Gefangener Mich lobte, pries und anrief Meinen lebendigen Namen, in welchem da verborgen liegt die größte Macht, Kraft und Gewalt, da sandte Ich sobald einen Boten des Himmels zu ihm, auf daß er ihn befreien solle aus dem Kerker. Nun merket wohl, in einem ähnlichen Kerker befindet sich mehr oder weniger ein jeder gute Christ, das heißt, ein vollständiger Bekenner Meines Wortes und Meines Namens in seinem Herzen.
   05] Die Welt ist dieser Kerker, und in diesen finsteren Kerker sende Ich auch unablässig erlösende Boten aus dem Himmel. Und diese Boten haben noch bis auf diese Stunde einen und denselben Auftrag, daß sie all den Gefangenen zurufen: Gürtet euch mit der Selbstverleugnung und bindet die Sohlen der Demut an eure Füße, und leget dann an das Gewand der Unschuld und der Liebe, - und endlich: Folget Mir mutig und getrost auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte aus dem finsteren und todvollen Kerker der Welt! Diejenigen, welche da gleich dem Apostel sobald folgen in allem dem Rufe des himmlischen Boten, diese werden auch alsobald aus diesem Kerker vollends befreit werden und von ebendiesem Boten an das Ufer des großen Meeres der Erbarmung und der Gnade geleitet werden, da sie sehen werden große Wogen dieses Meeres an das Ufer schlagen, da ihrer das Schiff zur Überfahrt ins ewige Leben harret. Es wird sie freilich wohl noch eine große Furcht anwandeln, so sie sehen, wie sehr das für sie bestimmte Schiff noch wanket über den Wogen des heiligen endlosen Meeres Meiner Erbarmung und Gnade. Und der brausende Wind über den Wogen wird nicht minder ihre Herzen erfüllen mit zitternder Furcht.


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