Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Brustkatarrh - Mahnung zur Geduld (07.05.1848)

   01] Du möchtest wohl schon gern gesund sein, Meine Tochter?! Aber siehe, es kann nicht alles so geschwind gehen, wie so manches Herz es wünschet! Denn siehe, auch Ich habe so manche Wünsche für die freien Menschen auf der Erde übrig; aber die Menschen wollen solchen Meinen besten Wünschen auch nicht nachkommen.
   02] Ich selbst leide schon seit sehr vielen Jahren in der Brust, die da übervoll ist von Liebe zu euch Menschen. Aber die berufenen Säuglinge wollen nicht kommen und Meine Vaterbrust von der Überbürde Meiner Liebe zu euch, Meinen Säuglingen, entlasten! Nichts bleibt Mir übrig als die Geduld! - Werde also (auch darin) Meine Nachfolgerin, willst du Meine rechte Tochter sein!
   03] Betrachte einen Fruchtbaum! Siehe, die Kinder betrachten ihn, ob er bald schon reife Früchte tragen möchte. Und so sich an einem Kirschbaum einige Kirschbeeren nur ein wenig zu röten anfangen, da meinen die Kinder, sie seien schon reif und völlig gut zu essen. - Aber da sagt der Gärtner den Kindern: »Nur Geduld, meine kleinen Freunde! Noch drei Wochen, und die Kirschen werden vollreif sein!«
   04] Eine Mutter gibt sich alle Mühe mit ihrem Säuglinge. Sie lernt ihn gehen; sie legt ihm leicht aussprechbare Wörtlein in den Mund; sie mißt ihn und hat eine Freude, so ihr Liebling auch nur um einige Linien gewachsen ist. Und sehnsüchtig harrt sie jener Zeit entgegen, in der sie ihn als einen vollreifen Jüngling vor sich erblicken wird. Aber trotz aller Sehnsucht läßt sich die Zeit nimmer übers Knie brechen. Und es kommt da schon wieder alles auf die Geduld an.
   05] In dieser Sturmzeit (inmitten der politischen Unruhen des Jahres 1848), in der alle Menschheit wie eine Hölle gärt, hat manch friedlich Herz ganz unschuldig eine mächtige Wunde erhalten und wünscht sehnsüchtig nichts so sehr als einer guten Ordnung baldigste und vollkommenste Herstellung. Aber kein Gebäude kann so schnell wieder erbaut werden, wie geschwinde man ein früheres niederriß. Daher heißt es da denn nun auch hier wieder - sehr viel Geduld haben!
   06] Und so mußt du, Meine liebe Tochter, auch noch recht viel Geduld haben, mußt des Sommers bessere Tage voll Wärme abwarten! Diese werden deine Geschwulst schon ganz ausheilen.


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