Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Welt-, Tempel- und Gottesdienst (05.07.1847)

   01]Machen auch wir einige »Aphorismen« - aber natürlich ganz eigener Art! - Und so schreibe:
   02] Es dehnen sich Häuser, es blühen die Städte, und eiserne Straßen befahren dem Wasser entfesselte Geister und treiben mit Flügeln der Winde gar mächtige Lasten die ehernen Bahnen entlang.
   03] O dafür aber greulich verkümmern die Herzen der Menschen, die einzig alleinigen Wohnungen Gottes auf Erden! Und nimmer will jemand die Mühe sich nehmen, zum Baue der einzigen, heiligen »Gottesstadt« einige gute Bausteine, bestehend aus christlichen Werken der Liebe zum Nächsten, beizuschaffen und ebensowenig die Wege, die lange Ich Selbsten gebahnet, mit leichtester Mühe ein wenig nur aufrechtzuerhalten, auf daß denn doch einige bessere Wanderer zum ewigen Leben am Wege nicht möchten ersticken im endlosen Kote der Welt.
   04] Es wird wohl die Industrie dieser Welt fleißigst betrieben, um schneller den Geist zu ertöten und möglicherweise auch ganz zu vernichten die ohnehin kärgliche Aussaat des Samens zum ewigen Leben! - Vom Gegenteil hört man nichts; keine Industrie will sich erheben, in welcher man eigene »Manufakturen« errichten wohl möchte, Ich meine »Fabriken«, in denen nur Werke der christlichen Liebe, der Demut und lieblichsten Sanftmut erzeugt werden möchten und nimmer die Werke der Hölle, des Todes, des Satans.
   05] Es reisen jetzt Künstler, Gelehrte und allerlei Forscher zu Land und zu Wasser. Sie reisen zu Haufen auf allen nur möglichen Wegen und Stegen. - Was wird wohl der Zweck ihrer Mühe doch sein? - O der ist gar nicht schwer zu erraten! - Was reimt sich auf »Welt«? - Siehe, »Geld«! - Ja, das Geld, das verruchte, bewegt nun alle die Künstler, Gelehrte und allerlei sonstige Forscher zu Land und zu Wasser. Und keiner von all den Genannten bereist die Erde aus höheren Gründen: aus Liebe zu Mir und aus Liebe zum Nächsten.
   06] Die weltliche Ehre, ob welcher in früheren Zeiten auch manche gar seltene Taten verübten, ist nun auch dem Tode verfallen. Es ist zwar kein Schade um sie, denn gar oft hat sie Brüder gegen Brüder entzündet, und zahllose Kaine erschlugen die Abel. Doch diese Triebfeder zu greulichen Taten ist nun beinahe gänzlich verschwunden. Das Geld hat nun die Stelle der Ehre übernommen; wer dieses besitzt, dem wird alles zuteil! - Ob's ewige Leben auch?! - Dieses wird einstens sich zeigen! - Wohl möglich bei manchen - unmöglich bei vielen.


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