Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Mißfällige Weltlust (10.05.1844)

   01] Was forderst du immer Dinge von Mir?! - Warte doch, bis Ich sie dir aus freien Stücken geben werde. Du wirst doch nicht besser wissen wollen als Ich, wann Ich jemandem etwas geben will und kann zu seinem Besten?!
   02] Du hast zwar heute schon etwas getan, das Mir gefiel; und so würde Ich dir schon darum etwas geben, so es hier an der Zeit wäre, die Mir gefiele. Aber diese »Zeit« bei der, für die du etwas möchtest, gefällt Mir nicht. Darum gebe Ich dir auch nichts. Denn Meine Tröstung - und weltliche Lach- und Plauschgratulationen taugen nicht zusammen auf einem Tische!
   03] Sage aber deiner »Klientin«, daß es, um sich Meines Wohlgefallens zu versichern, nicht genug ist, wenn man Meine Worte nur gerne und beifällig liest und hört, sondern man muß sich auch lebendig im Herzen darnach kehren!
   04] Der aber kehrt sich nicht darnach, dem weltliche Verlustigungen und Erheiterungen dann und wann recht sehr am Herzen liegen!
   05] Genug! Mehr sage Ich nicht. - Wer dies Kleine ehrt, sei des Größeren wert! - Das sagt der Herr! - Amen.

Religion und Offenbarung (21.05.1844)

   01] Also schreibe ein rechtes »Kriterium« über Religion und Offenbarung!
   02] Die Religion ist eine Wiederverbindung des Menschen mit Gott, der ihn aus Sich frei erschaffen und wie außer Sich in die materielle Welt gestellt hat, zur Probung und Ausbildung der Freiheit, die allein das Leben des Geistes bedingt, weil sie in sich die Liebe, als das Grundurwesen alles Seins, ist!
   03] Man sagt, Gott könnte ja durch Seine Allmacht die Menschen so gestalten und halten, daß sie ihrem (göttlichen) Berufe allezeit vollkommen entsprechen könnten. - Wozu da dann eine geoffenbarte Religion? - Wozu das Geschöpf frei wandeln lassen unter Geschöpfen und Wesen, die es so wenig wie sich selbst erkennt?
   04] Das könnte Gott wohl (mit seiner Allmacht gestalten und leiten), aber dann wäre der Mensch nicht Mensch, sondern nur ein Tier. Er wäre gerichtet gleich dem Tiere und müßte sich notwendigerweise in den engen Schranken des ewigen Muß bewegen! - Hätte aber dann der Mensch nach der Absicht des Schöpfers wohl auch ein selbständiges, freies Leben?


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