Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


KapitelinhaltMahn- und Trostworte (31.07.1841)

   01] So schreibe denn ein kurzes Mahn- und Trostwort an die Th.M.H., die da aus einer kastenmäßigen Liebe zu Mir in hohen Ehren hält die »Gefangenen im Geiste und am Leibe« Klosterbewohner), die da halten viel größere Stücke auf die Geistlichen als auf Mich und so auch manchmal mehr auf die Kalenderheiligen als auf Mich und mehr auf die heidnischen Zeremonien und Gebräuche als auf Mich und mehr auf ein lateinisches Gebetbuch, das sie nicht verstehen, als auf Mich und ehren sich untereinander und die Geistlichen so gut und noch mehr als Mich und halten die Beichte höher als die wahre Buße und die Vergebung der Sünden. Darum sie denn auch beständig beichten, aber auch nach der Beichte sogleich wieder in ihre vorigen Sünden zurückfallen. Und die da so manchen Klostertrug für unbestreitbare Wahrheit halten, die Heilige Schrift aber fliehen und es für eine große, widerspenstige Ketzerei ansehen, so jemand das Buch des Lebens und der heiligen Liebe lesen möchte. Aber ein nichtssagendes Andachtsbüchlein von einem gleisnerischen, stark pharisäischen Mönche halten sie dagegen für einen wahren Himmelsschlüssel!
   02] O der armen Blinden! - Einst wird ihnen dafür schon ein helleres Licht angezündet, wenn sie nur nicht etwa auf Grund ihrer klosterkastisch-privilegierten Heiligkeit die innere Demut hintangesetzt haben und sich nicht insgeheim für besser halten als irgendeinen andern, freien, unklösterlichen Menschen.
   03] Dies aber sei das Mahn- und Trostwort an die Th.M.H.:
   04] Suche du vor allem nur Mich durch die wahre Selbstverleugnung, innere Liebe, Geduld und Sanftmut! Denn so du Mich allein suchest, wirst du Mich auch finden. Und hast du Mich gefunden, dann hast du alles gefunden. Denn Ich allein bin der größte Schatz aller Schätze und bin mehr als alle Welten und alle Himmel!
   05] So du Mich suchest, da mußt du Mich aber bei dir und nicht bei andern suchen! Denn kann Der in der Fremde gesucht werden, der da beständig in dir zuhause ist und deiner harret!? - Wie du dein Leben nicht lebest in einem fremden Leibe, sondern in deinem eigenen, so mußt du auch Mir in dir zu leben beginnen und Mich in dir suchen! Da wirst du Mich sicher finden! Denn für dich lebe Ich nur in dir! Und wäre es nicht also, wie möchtest du leben, atmen, denken, fühlen, wahrnehmen, empfinden und dann zu Mir beten!?


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