Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


KapitelinhaltFriedhofseelen - Vision Lorbers als Zugabe zum »Kulm« (25.05.1841)

   01] Nachdem die Sonne untergegangen war, und zwar in der Zeit, als ihr bei der Rückfahrt den ersten Stern am Himmel erblicktet und auch zugleich des Friedhofes ansichtig wurdet, auf dessen oberster Stelle eine unausgebaute Kapelle sich befindet - in derselben Zeit wurde dem Knechte auf einige Minuten das Auge der Seele geöffnet, damit er einen Blick machen sollte dahin, wo die Verstorbenen verwesen und die Unsterblichen nach und nach auferstehen.
   02] Wie sah denn der Knecht diese Erscheinung? - Damit ihr euch von dem Gesichte einen anschaulichen Begriff machen könnet, so stellt euch ein Glas mit Wasser gefüllt vor, in welchem einige Bröckchen Zuckers liegen. Beachtet, wie allda aus dem Zucker immerwährend Bläschen aufsteigen und kleine Klümpchen Zuckers mitheben, welche sich unterm Wege zum Teile auflösen und dadurch einen sternschnuppenartigen Schweif hinter sich lassen, der unaufgelöste Teil aber dann, sobald das Bläschen die Oberfläche des Wassers erreicht hat, sich wieder vom Bläschen trennt und in die Tiefe sinkt und dort sich entweder viel langsamer auflöst oder sich aber auch öfters an ein neues Bläschen anklebt und mit demselben eine neue »Auferstehung« beginnt.
   03] Ebenso auch müsst ihr euch vorstellen die Seelen, deren Herz sehr stark an der Welt gehangen ist! Diese hängen noch gar lange nach dem Hinscheiden an der materiellen Erde und namentlich vorzugsweise gerne an dem Orte, wo ihr Leib verweset. Und manche verweilen so lange auf den Friedhöfen über den Gräbern ihrer Leiber, bis nicht ein Atom mehr von ihrem Leibe durch den Akt der Verwesung übrigbleibt.


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