Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


KapitelinhaltGelehrtenbekehrung (14.01.1841)

   00] Bitte: O Herr, Du heiliger Vater, der du bist voll Liebe, Geduld und Erbarmung - so es Dein heiliger Wille wäre, möchtest du uns nicht allergnädigst anzeigen, ob dem Verlangen dessen, den Du wohl kennst, zu willfahren sei oder nicht? - Doch nur Dein heiliger Wille geschehe allezeit. Amen!
   01] Da sage Ich: So ihr wollt, könnt ihr es ja tun - aber es wird ein hartes Stück Arbeit werden, den, der zu seiner Rechnung sich eiserne Zahlen verfertigt hat, auf des Geistes zarte Bahn zu setzen.
   02] Denn sehet, es gibt manche Gelehrte, die da härter sind als der Stahl. Solche trauen am Ende ihren eigenen Sinnen nicht mehr und um so weniger erst den fremden, die ihnen als null und nichtig erscheinen, weil sie eben nicht auch aus der gelehrten Eisen-Rüstkammer sind, woselbst die ihrigen durch Feuer und Wasser zum Stahle gehärtet wurden.
   03] Wenn irgendeine Wand aus Wolle ist, da werden die hineingeworfenen Steine zwar wenig Lärm machen, aber steckenbleiben werden sie auch nicht, da die Wolle bei einem Zwange spannkräftig wird und alsbald wieder zurückwirft, was an sie geschleudert wurde. Da heißt es, sich dann Zeit nehmen und die Gegenstände langsam in die Wolle verwickeln, so werden sie dann wohl festgehalten, solange die Wolle Wolle bleibt - ob mit Nutzen oder Schaden, das ist dann freilich wieder eine andere Frage!
   04] Wenn aber irgendeine Wand von weichem Lehm ist, seht, da wird zwar alles darin haften bleiben, was ihr hineinwerfen mögt - aber fragt euch selbst, wozu nütze? Denn da wird der Lehm unverändert bleiben wie zuvor, und die haftenden Gegenstände ebenfalls.
   05] Und ist eine Festungswand von Eisen und Stahl, höret, da wird selbst ein anhaltendes grobes Geschütz keine bedeutenden Spuren zurücklassen. Und die Schützen werden sich wohl fein in acht zu nehmen haben, daß sie nicht schaden leiden von den oft gewaltig zurückprallenden Kugeln. Da heißt es dann, klug die rechte Fernhaltung beachten.
   06] Ganz anders verhält es sich mit einer Feuerwand, da alles angenommen und dann geläutert wird, auf daß es werde ein feuerbeständiges Ding. Wenn die Wand Feuer ist, so geht die Sache von selbst. Ist aber die Wand Eisen, höret, da muß ein tüchtig Feuer hinzukommen, damit die Wand gleich dem Feuer wird! - Daher wird auch hier viel Feuers erfordert werden, bis diese Wand flüssig wird in eine andere, beugsamere, sanftere Form!


Home  |    Inhaltsverzeichnis 'Himmelsgaben' Band 1  |   Werke Lorbers