Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


KapitelinhaltVon den Eingeweidewürmern - Erzieherische Seelenheilwinke (09.12.1840)

   01] Was die heute von euch erwähnten Eingeweidewürmer betrifft, so sage Ich euch vor der Hand nichts als das:
   02] Es war da ein Landmann. Dieser Landmann untersuchte alle seine Scheuern, Kästen und Mehltruhen und fand eine Menge Mäuse und Ratten, und dies Geschmeiß machte ihm viel Schaden an seiner Habe. Da beschloß er denn bei sich selbst, so viele Katzen zu halten, als ihm nur möglich war. Und was er beschlossen hatte, das tat er denn auch. Und es währte nicht lange, so war in all seinen Scheuern, Kästen und Truhen keine Maus und keine Ratte mehr zu finden.
   03] Als er aber auf diese Weise sein Haus gereinigt hatte, so dachte er: Wozu jetzt ferner noch die Katzen? Denn da diese keine Mäuse und Ratten mehr finden, so machen sie sich über meine Speisekammer und verzehren da dreimal so viel, als was wir früher die Mäuse und Ratten verzehrten. Daher will ich die Katzen nun auch vertilgen. - Und sehet, alsbald nach der Vertilgung der Katzen kamen wieder Mäuse und Ratten herbei und taten ihr Unwesen wie zuvor.
   04] Nun ging der Landmann nicht mehr zu den Katzen um Hilfe, sondern er dachte bei sich: Wartet nur, ich werde euch alles vergiften, und da wird euch der Appetit in meinen Scheuern, Kästen und Truhen wohl vergehen.
   05] Als er aber solches tun wollte, da sagte ihm ein Freund: »Siehe, so du das tust, womit wirst du dich denn am Ende sättigen, um nicht selbst umzukommen an dem Gifte, womit du umbringen möchtest all die Mäuse und Ratten?« - Und es sagte ihm dieser Freund ferner: »Verschließe lieber alle deine guten Früchte in eiserne Kammern, daß sich keine solche Maus oder Ratte durchbeißen kann, so wird sie der eigene Hunger am Ende von deinem Hause treiben.«
   06] Solchen Rat befolgte dieser sonst vermögliche Landmann, und er sah bald die guten Früchte dieses guten Rates. Denn ohne Mühe und Kosten kann der Mensch zu nichts Wertvollem und Tüchtigem gelangen.
   07] Sehet, so ihr dieses Gleichnis betrachtet, da werdet ihr freilich sagen: Wer dieses Gleichnis versteht, wie es mit den Würmern in den Eingeweiden übereinstimmt, der muß mehr verstehen können, als was ein gewöhnlicher Menschenverstand zu verstehen imstande ist.


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