Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


KapitelinhaltFahrt nach Haberbach (01.12.1840)

   01] Ihr werdet schon dann und wann bemerkt haben, daß Ich euch manches mit ganz gewöhnlichen Worten und manches wieder mit Worten voll Kraft und Inhaltsschwere geoffenbart habe. - Es geschah das aus dieser folgenden Ursache: Je nachdem der Gegenstand und die Verfassung eurer Empfänglichkeit geartet war, darnach wurde auch das zu offenbarende Wort gerichtet - entweder hoch oder nieder.
   02] So ihr aber auf einen Berg gehet, so seid ihr nach eurer Ansicht höher gekommen, als wenn ihr in der Ebene euch befunden hättet. Und es ist somit für euch wohl ein Unterschied, ob auf einem Berge oder im Tale. Denn von dem Berge blicken eure Augen weithin nach allen Richtungen. Und je höher der Berg, desto weiter der Gesichtskreis. Allein im Tale könnt ihr nur diejenigen Gegenstände anschauen, welche das Tal umschließen. Und so ihr in einen Brunnen steigen würdet, wie klein wäre da euer Gesichtskreis!
   03] Aber sehet, nicht also ist es bei Mir! Denn für Mich gibt es weder irgend etwas Hohes, noch etwas Niederes und ebensowenig auch etwas Enges. Daher ist auch alles, was Ich euch offenbare (ob mit hohen oder niederen Worten), gleich hoch und über alle Maßen erhaben. Gleich hoch darum, weil es derselben Quelle entspringt; und gleich erhaben darum, weil Ich, der Geber, im allergrößten wie im allerkleinsten gleich erhaben bin. So wird und kann Mein geringstes Wort in seiner Erhabenheit von den erhabensten Gesängen der allervollkommensten Engel in Ewigkeit nicht im geringsten erreicht werden. Und so ist es auch einerlei, ob Ich in großartigen Sätzen oder in einer gewöhnlichen Alltagssprache etwas mitteile.
   04] Denn so ihr glaubt in euren Herzen, daß Ich es bin, der euch solche Dinge offenbaret, so wird euch wenig an der Form der Mitteilung, sondern alles an der Mitteilung selbst gelegen sein, da ihr wisset, daß nur Ich es bin, dem alle Wesen innerlich und äußerlich, ja bis ins Unendliche, wohl bekannt sind.
   05] Aber das einzige könnt ihr vom Unterschiede der Sprache euch merken: So Ich in hoher Sprache rede, so rede Ich mehr aus der Weisheit, und die Liebe ist dann nur das Postulat; so Ich aber rede in eurer Alltagssprache, so rede Ich vorzugsweise aus der Liebe, und dann ist die Weisheit das Postulat.


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