Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


   18] So Ich aber sage, daß diese Worte nicht aus Meinem Gerichte, sondern aus Meiner Liebe zu euch gerichtet sind, so denkt auch, daß sie über alles Zeitliche ewig hinausragen werden! - So ihr also könnt und wollt, so tut das Gesagte so bald als möglich! Denn es ist der allzeit euch mehr und mehr beseligende Wunsch eures großen, heiligen Vaters, der in allem ist die ewige Liebe und Weisheit Selbst. Amen!

KapitelinhaltGeburtstag-Gratulation (30.11.1840)

   01] Das Folgende lasse Ich durch den Knecht dir, Meinem sehr willigen Freunde, Andr.H.-»Willig« sagen, da Ich deinen Willen als bewährt gefunden habe!
   02] Die Menschen wünschen sich zwar gegenseitig vielfach allerlei Glück, aber es bleibt auch gewöhnlich bei dem Wunsche nach der Weltmode, weil ihm kein wahres Wollen der Liebe, sondern nur eine blinde, weltliche Gewohnheit zugrunde liegt.
   03] Da wünscht oft einer dem andern (wenn es noch gut geht) alles ordentliche »Beste« - in der sicheren Überzeugung, daß von all dem Gewunschenen nichts in Erfüllung geben wird. Und es ist bei all seinen Wünschereien oft auch nicht ein Sonnenstäubchen ernster, der wahren Liebe entstiegener Wille - derjenigen hofsittlichen Gratulationen nicht zu gedenken, die vermittelst der gedruckten Papierchen, die ihr »Visitenkarten« nennet, geschehen.
   04] Fragst du, warum bei solchen Wünschen nie etwas Erfolgliches herauskommt, so sage Ich: Darum, weil der willenlose Wunsch nichts als eine heuchelnde, schmeichelnde Höflichkeit des kalten Weltverstandes und somit eine bare Lüge und absurde Narrheit ist.
   05] Wie ist doch der Mensch ein großer Tor, der da zu einem Stein spricht: »Werde Gold!«! - Und siehe, doch wäre ein solcher Tor nur klein zu nennen gegen einen Gratulanten, der seinem Wünschling »tausend Lebensjahre« wünscht, während er ihm das Leben auch nicht für eine Terzie verlängern kann und, fürs zweite, ihn oft schon am nächsten Tage unter der Erde wissen möchte, um dadurch etwas zu gewinnen. Und so ist mancher, der da wünscht »Glück und Segen«, und in seinem Herzen ist er voll Ärgers - oder der da wünscht »Gesundheit und heitere Lebenstage« und kennt oft den alleinigen Geber solcher Dinge kaum dem Namen nach. Oder ist da endlich noch einer, der spricht: »Ich wünsche Ihnen, was Sie sich selbst wünschen!« - Weiß dieser Gratulant denn auch, ob das alles gut ist, was sich die Menschen in ihrer Eigenliebe wünschen!? - Und so gratuliert die Welt sich denn beständig Unsinniges in ihrer finsteren Leerheit!


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