Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1, Seite 38


KapitelinhaltPoesie des Himmels (09.06.1840)

   00] Da K.G.L. (Karl Gottfried Ritter von Leitner, Ständesekretär in Graz, Freund und späterer Biograph Jakob Lorbers) auch ein Dichter ist nach der besten menschlichen Weise und ein wohlbereitetes Herz hat und ein Mann ist voll guten Willens gegen Mich und Freude hat an Meiner Liebe, auch ein großer Freund ist Meiner Weisheit und sehr fröhlich ist, so er hört Mein neues Wort und liest Mein altes - so will Ich ihm zeigen die Poesie des Himmels, welche ist eine Umgangssprache daselbst und lautet wie da folgt als ein kleines Beispiel:

   02] In der Himmel reinen, weiten Kreisen,
nach der Engel liebevollen Weisen
singen alle übersel'gen Brüder
reine, Mir allein geweihte Lieder.

Erstens singen sie von Meiner Liebe,
aus des Herzens reinstem, heil'gem Triebe;
dann erbrennen sie in höchster Wonne,
so sie sehen Mich als Gnadensonne.

Und wenn deren reinste Lichtesfülle
ganz durchleuchtet ihres Geistes Hülle,
dann durchschauen sie in schönsten Normen
zahllos Meiner Liebe Wunderformen.

Wonne drängt da Wonne in die Herzen,
reich an wohlbekannten süßen Schmerzen,
welche sind des Himmels höchste Gaben,
da sie wonnemüde Engel laben.

Wenn dann überselig sie geworden,
sammeln sie sich in verklärten Horden;
dann ertönt ein Lied aus aller Munde,
das Ich hier euch sag zur treuen Kunde.

»Vater!« singen sie ganz liebetrunken,
»Vater!« singen sie in Mich versunken,
»Vater!« ist das Wort auf jeder Zunge,
»Vater!« ist der Hauch aus jeder Lunge.


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