Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 351. Kapitel: Mahals Flucht auf einen hohen Felsen und in die Grotte Adams. Mahals Selbstgespräch. Gottes gnädiges Wort an Mahal. Anbruch der Finsternis und Mahals Umherirren. (22.08.1844)

   01] Es ließ aber der Noah den Mahal suchen; aber der Herr wollte es nicht, daß dieser je wieder von Noah sollte gefunden werden auf Erden.
   02] Mahal selbst aber bestieg einen hohen Felsen und nahm mit sich genießbare Wurzeln, Brot und Käse für zwanzig Tage; und da der Felsen eine Quelle hatte, so war er für die Kost, also mit Speise und Trank, versorgt.
   03] Auf diesem Felsen brachte er sieben Tage zu. Als sich aber der Himmel stets mehr und mehr verdüsterte von Tag zu Tag, da erhob sich der Mahal auch von seinem Felsen, nahm seine Viktualien und ging damit in die berühmte Grotte Adams.
   04] Als er mühselig da anlangte, da sprach er zu sich: »Ich bin alt und mühselig geworden, und der Herr hat mir alle Stütze genommen; sollte Er etwa auch dafür wollen gedankt, gerühmt und gepriesen werden?
   05] Ja, Herr! Jetzt, da ich durch Deinen Drang ein Sünder vor Dir geworden bin, jetzt erst will ich Dich rühmen, loben und preisen! Denn da Du mich getreten hast, da tat es mir weh, und ich bäumte und krümmte mich wie ein Wurm vor Dir; nun aber hat ein zu großer Schmerz mich gefühllos gemacht! Ich empfinde weder Schmerz noch Trauer und also auch keinen Ärger und Zorn mehr; daher kann ich Dich, Herr, ja wieder rühmen, loben und preisen!
   06] Und so sei denn gerühmt, gelobt und gepriesen, Du mein Gott und Herr und Du mein allmächtiger, heiliger Schöpfer und Vater! Ich habe gerechtet mit Dir, da ich Schmerz hatte; jetzt aber will und werde ich nimmer rechten mit Dir, denn ich habe ja keinen Schmerz mehr!
   07] Solange ich bei Dir im Himmel des Noah war, da hatte ich auch keinen Schmerz, und ich konnte gerecht sein vor Dir, Herr, zu jeder Zeit und konnte Dich allzeit loben, rühmen und preisen; da Du mich aber zur Hölle gehen ließest, da ward ich voll Ingrimms und voll Schmerzes, und ich mußte in einen Streit wider Dich geraten! Nun aber bin ich wieder ohne Schmerz; daher kann ich Dich nun auch wieder rühmen, loben und preisen!
   08] Darum laß mich ja nimmer wieder zur Hölle, allwo Dich niemand rühmen, loben und preisen kann; denn da ist nur ein Feuer, ein Zorn, ein Fluch und ein Schmerz!
   09] Da ich Dich, Herr, aber nun schon also rühme, lobe und preise, so bitte ich Dich aber auch, nimm mich nun auch von der Welt, und laß mich nicht Zeuge sein von der gerechten Flut Deines Zornes über alle Deine Kreatur! Dein Wille allezeit geschehe! Amen.«
   10] Auf diese Anrede Mahals ertönte aus den inneren Räumen der Grotte wie ein Echo: »Mahal, Ich habe Mich gedämpft in Meinem Zorne gegen dich, weil du dich gedämpft hast, da Ich dir gewaltige Streiche ob deiner Härte gegen Mich gab; aber dennoch mußt du büßen auf der Erde deine mannigfache Torheit ehedem, bis Ich dich annehmen werde, - denn dein Frevel gegen Mich war groß!
   11] Sei aber geduldig in allem, was da über dich kommen wird, und harre auf Mich, und Ich will dich nicht von der Flut ersticken lassen; aber deine Fußsohlen sollen dennoch ehedem von der Flut bespült werden, bis Ich dich deines Fleisches entheben werde! Also geschehe es!«
   12] Mahal aber erkannte wohl in diesem Echo des Herrn Stimme und ergab sich nun in den Willen des Herrn.
   13] Als er aber sieben Tage in der sonst hellen Grotte zugebracht hatte da wollte es nimmer Tag werden; denn das Firmament war schon so dicht mit kohlschwarzen Wolken angestopft, daß da kein Sonnenstrahl mehr durchdringen konnte.
   14] Daher verließ Mahal auch seine Grotte und ging, wo er ein Licht finden möchte; aber er irrte vergeblich hin und her. Er konnte keinen Weg mehr finden vor lauter Finsternis; dennoch aber murrte er nicht, sondern wartete nun geduldig ab, was da kommen werde über die Erde.
   15] Das war aber auch schon die Zeit, wo der Herr den Noah mit den Seinen behieß in die Arche zu gehen.
   16] Wie aber? Das steht im ersten Buche Mosis, 7. Kapitel, zwar schon ausführlich, - dennoch aber soll es nächstens noch näher beschrieben werden!


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