Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 341. Kapitel: Mahals Besprechung mit Waltar über den Grund der Unsichtbarkeit Gottes. Mahals Selbsterkenntnis und Reue. Gottes vergebende Worte aus der lichten Wolke. (09.08.1844)

   01] Mahal aber, da er den Herrn nicht mehr ersah, fragte den Waltar, was denn nun mit dem Herrn geschehen sei, da er Ihn nimmer erschauen könne unter den vielen Boten aus den Himmeln.
   02] Und der Waltar sprach: »O Mahal, siehe, daß Er vor dir Sich verbarg, das ist wieder Seine endlose Güte und Liebe! Denn wäre Er nun noch sichtbar vor dir, da wärest du schon gerichtet durch die Macht Seiner sichtbaren Gegenwart, die dich nun gefangen und mit unbeschreiblicher Gewalt an den Herrn gezogen hätte! In diesem gewaltsamen Zuge aber hättest du alle deine Freiheit eingebüßt, und dein Geist hätte den Tod erlitten!
   03] Siehe, das sah der Herr gar wohl; darum verschwand Er dir aus den Augen! Denn es ist ein unendlicher Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf und verhält sich wie Tag und Nacht, oder wie Leben und Tod!
   04] Die Sonne belebt mit ihrem Lichte ja auch die ganze Erde; denn aus ihr steigen die Lebensgeister in die organische Schöpfung dieser Erde und beleben alle die toten Geister zu einer freieren Tätigkeit in ihren Organen, und du ersiehst dann bald den Erdboden grünen und erblühen in allerlei lieblichen Gestaltungen, die da ein Werk sind der neu belebten Geister in den Organen dieser Erde!
   05] Wenn aber die Sonne fortwährend leuchtete am Mittagshimmel, und es käme keine aller Tätigkeit die notwendige Ruhe bringende Nacht dazwischen, was wohl würde da sehr bald mit allen Dingen auf dem Erdboden werden? Siehe, sie würden verdorren und endlich gar verbrennen! Das wäre aber doch sicher der barste Tod der Dinge!
   06] Siehe, noch viel ärger aber wäre die beständige sichtbare Gegenwart des Herrn; denn in der könnte kein Wesen das Leben erhalten!
   07] O siehe, auch wir, die wir im Reiche des ewigen Lichtes Gottes leben im Geiste, missen meistens des Herrn sichtbare Gegenwart! Wir sehen wohl Sein Licht, in dem Er wohnt, aber Ihn sehen wir nicht; also wie du auch nur das Licht der Sonne siehst, aber nicht die eigentliche Sonne selbst, die in der dir allein sichtbaren Lichtumhüllung zu Hause ist!
   08] Das alles aber zeugt von der endlosen Güte und Liebe des Herrn, der fortbeständig mit aller Seiner endlosen Weisheit und Allmacht bemüht ist, Seine Kinder so zu gestalten und frei zu festen, daß sie dereinst auch Seine sichtbare Gegenwart für ewig ertragen sollen ohne die geringste Beeinträchtigung ihrer Freiheit. - O sage. mir, bist du mit solcher Einrichtung des Herrn nicht zufrieden?!'
   09] Hier fiel dem Mahal wie eine Decke von den Augen, und er ersah so sehr sein großes Unrecht, das er an dem Herrn verübt hatte, daß er darob laut zu weinen anfing und dabei ausrief: »O Du ewig guter Vater, wirst Du mir wohl ewig je meine gröbste Anmaßung gegen Dich vergeben können?«
   10] Und eine Stimme sprach aus einer nahen lichten Wolke: »Mein Sohn, Ich habe dir schon lange eher vergeben, als du gesündigt hast; daher sei ruhig, und liebe Mich, deinen heiligen Vater!«
   11] Darauf zog sich die lichte Wolke gen Morgen und ward dort unsichtbar. Alle Engel und Menschen aber beteten an auf der Höhe die große Herrlichkeit Gottes!
   12] Was weiter, - in der Folge!


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