Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 316. Kapitel: Armeemarsch gegen den Wassertempel. Schwierigkeiten bei seiner Einnahme. (05.07.1844)

   01] Als nach einem mehrtägigen Marsche die ganze, große Armee bei dem großen See anlangte, da lagerte sie sich an den weitgedehnten Ufern und Gestaden dieses Sees, in dessen Mitte sich die Insel befand, auf welcher des Wassergottes Tempel errichtet war.
   02] Nach einer dreitägigen Rast erst erteilte der Fungar-Hellan die näheren Befehle zum Angriffe dieses von Natur so überaus wohlbefestigten Tempels und Ortes, auf dem der Tempel stand.
   03] Fungar wollte anfangs den ganzen, viele Meilen im Umfange habenden See mit einer einfachen Kriegerlinie umfangen lassen; allein er stieß bald auf unbesiegbare Terrainschwierigkeiten, die solchen seinen Plan rein unausführbar machten. Denn der See endete auf manchen Stellen mit weithin gedehnten schroffen Steinwänden; auf manchen Stellen verlor er sich in unabsehbar weitgedehnte Sümpfe und Moräste.
   04] Da somit solcher Plan notwendig aufgegeben werden mußte, so ward alsbald ein anderer entworfen, und dieser bestand darin, daß der Fungar-Hellan im Verlaufe von sechs Wochen zwanzigtausend Seeplätten (flache Boote, Flöße) errichten ließ, von denen eine jede für hundert Mann bequem Platz hatte. Die Plätten wurden aus den schönsten Zedern gemacht, wovon ein jeder Baum zwölf Klafter lang war, auf daß dann auch die ganze Plätte die gleiche Länge, dabei aber auch eine Breite von sechs Klaftern hatte.
   05] Als diese Plätten fertig und versehen waren mit den nötigen Rudern, Geländern, Bänken und ehernen Kochherden und Speisekästen und anderen kleinen Magazinen für allerlei Kriegsgerätschaften, da wurden sie bemannt und also befehligt, daß sie die ganze Insel zu umfangen haben und streng darauf zu achten haben, daß sich ja kein Mensch weder von der Insel entferne, noch jemand sich dieser Insel nahe.
   06] Würden die Belagerer gefragt von den belagerten Inselbewohnern, was das zu bedeuten habe, dann sollten sie ganz glattweg den Willen des Generals kundtun und sagen: »Werdet ihr euch dem Willen des Generals unbedingt unterwerfen, so werdet ihr zu seinen Freunden werden; im Gegenteile aber seid ihr seine größten Feinde, die er mit dem Schwerte vertilgen wird!«
   07] Mit solcher Weisung versehen, begaben sich die Plättenfahrer hin zur ziemlich ferne gelegenen Insel und belagerten sie mit ihren Plätten ganz und gar, so daß da niemand weder aus- noch eingehen konnte.
   08] Die Belagerung aber dauerte keinen Tag, als die Priester schon erfuhren, was es damit für eine Bewandtnis habe. Sie sandten daher sogleich eine Deputation an die Belagerer und ließen bitten, daß sie ja nur sogleich des großen Fungar-Hellan Willen vollziehen möchten; denn sonst könnte der Gott der Wässer leicht gar sehr erzürnet werden.
   09] Als die Belagerer solches von der Deputation vernommen hatten, da waren sie sehr erfreut, und sogleich fuhren zehntausend Mann zur Insel und begaben sich da auf dieselbe. Als sie aber bis an die Stelle des Tempels kamen, da fanden sie keine Spur mehr von einem Tempel, wohl aber überall nur recht artige Landhäuser, in denen ganz gewöhnliche Landleute wohnten.
   10] Als die zehntausend solches ersahen bei Durchsuchung der ganzen Insel, da sprachen sie: »Was sollen wir hier nun? Hier gibt es nichts zu zerstören; daher kehren wir nun nur wieder zurück und zeigen das alles dem General an!«
   11] Gesagt und getan; und als der Fungar solches erfuhr, da wunderte er sich überhoch und wußte nicht, was er tun sollte.
   12] Nächstens das Weitere!


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