Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 314. Kapitel: Die entlarvten Hartbüßer. Mahals Rat an den erzürnten Fungar-Hellan. Sprengung der Grotte. Geständnis der Hartbüßer und ihre Begnadigung. (03.07.1844)

   01] Als der Fungar-Hellan aber ersah, wie solche seine Frage bei den Hartbüßern eine gar mächtig niederschlagende Wirkung hervorgebracht hatte, und als er auch das gewisserart unwillkürliche: Wir sind verloren!« vernommen hatte, da sprach er zum Mahal:
   01] »Höre, du mein achtbarster Bruder und Freund! Ich meine, man sollte hier mit diesen tausend Hartbüßern einen ganz kurzen Prozeß machen! Ihr Frevel ist so gut als vollkommen erwiesen; was brauchen wir da mehr?
   03] Diese Kerle lasse ich gleich zusammenhauen; sodann lasse ich zwei hundert Säcke Sprengkörner in diese Kunstgrotte stecken und dann anzünden, auf daß diese ganze Masse zerschleudert werde, und wir werden auf diese Weise am ehesten hinter die Geheimnisse dieser Hauptspitzbuben kommen! Was meinst du, habe ich recht oder nicht recht?«
   04] Und der Mahal sprach: »Lieber Freund, du hast allerdings recht; aber solange wir die Sache ohne Blutvergießen abmachen können, da lassen wir das Schwert in der Scheide und handeln ohne dasselbe! Die Grotte aber laß auf jeden Fall also, wie du es bestimmt hast, zerstören; da wirst du auf so manche Geheimnisse stoßen, die von ziemlich großem Belange sein werden!«
   05] Als der Fungar-Hellan solches vom Mahal vernommen hatte, da kommandierte er sogleich selbst die Minengräber; und diese schafften sogleich zweihundert Säcke von den mächtigst wirkenden Sprengkörnern, die sie hatten, in das schwarze Gemach, legten dann die Brandfäden an, die sie, als sich alles in eine rechte Entfernung zurückgezogen hatte, anzündeten, und flüchteten sich dann natürlich auch in eine rechte Entfernung zurück. Warum? Das wird etwa doch klar sein auch ohne Erklärung.
   06] In einer kleinen halben Stunde erreichte das Lauffeuer die Säcke; ein alles betäubender Knall geschah, und ein ganzer Berg lag in Trümmern umher zerschleudert.
   07] Nach der Explosion erst ging man auf eine neue Untersuchung aus, fand aber eben nichts besonders Erhebliches unter dem Bergschutte. Einige Goldklumpen und mehrere zerrissene Menschen, das war aber auch alles, was man finden konnte.
   08] Nach solcher bei drei Tage währenden Untersuchung ließ der General die Hartbüßer wieder vorkommen und sprach zu ihnen: »Wahrlich, ich will euch noch jetzt das Leben schenken und euch geben die Freiheit, so ihr mir den Grund sagt, warum ihr an mir fortwährend als Betrüger gehandelt habt, während ich euch doch so viele Vorteile bereitet habe von jeher! Warum habt ihr diese Grotte gemacht und warum das Gold darinnen verborgen?«
   09] Hier trat einer vor und sprach: »Herr, Herr, das taten wir aus zu großer Furcht vor dir! Denn wir hatten schon lange eine starke Ahnung gehabt, daß du bald so etwas tun werdest; und da wollten wir uns einen Zehrpfennig zurücklegen für die Tage, da unser Amt aufhören würde und wir keinen Verdienst mehr hätten.
   10] Siehe, das ist aber auch das Ganze schon und der Grund zu dieser Kunstgrotte! Die Menschen aber, die du aus der dir verdächtigen Hochöffnung vernommen hast, waren unsere Brüder! Sie liegen nun begraben; ich wollte, wir wären es mit ihnen schon! Nun weißt du alles; bedenke aber, daß auch wir Menschen sind!«
   11] Da der General solches vernommen, da hielt er auch sein Versprechen; er schenkte ihnen das Leben und gab ihnen die nötige Freiheit.


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