Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 303. Kapitel: Mahals Frage an Agla nach ihrer schwersten Sünde. Aglas gute Antwort, Reue und Klage. Mahals Dank an Gott. Agla an der Brust ihres Vaters Mahal. (17.06.1844)

   01] Es fragte aber nach einer Weile der Mahal seine sich stark gebessert habende Tochter Agla, was es sei, das sie getan habe, das sie nun für ihre schwerste Sünde halte vor Gott und vor allen Menschen, - ob den anbefohlenen Brudermord, oder ob den Mord mit eigener Hand an den einundzwanzig Weibern Waltars, oder endlich die starke Teilnahme an der Verschwörung gegen die generaloberpriesterliche Macht.
   02] Und die Agla sprach: »O Vater, du weißt es hier am besten, welche von allen meinen Sünden vor Gott und den Menschen die größte ist; denn solches zu ermessen weiß ich nicht! Aber das weiß ich, daß mich jede meiner begangenen Sünden getötet hat vor Gott in meinem Geiste!
   03] Oh, hätte ich keine je begangen! Oh, hätte ich lieber nie die Tiefe gesehen, so wäre ich vor Gott noch so rein und unschuldig, wie ich es auf der Höhe stets war! Aber nun ist es geschehen, und ich kann das Geschehene nimmer ungeschehen machen! Daher meine ich, es wäre nun obendarauf eine große Torheit für mich, zu erforschen, welche von meinen Sünden nach der Erachtung meines Gewissens wohl die größte sein möchte!
   04] Ich meine, vor Gott zählt jede Sünde wider Seine heilige Ordnung gleich viel, und ihre Wirkung ist gleich, bringend nämlich den ewigen Tod dem Geiste des Menschen! Ist aber der Mensch in seinem geistigen Teile nun vollkommen tot, wie ich es nun sicher bin, da weiß ich dann ja wirklich nicht, welche Sünde mich am meisten getötet hat; denn ich meine, es kommt da wohl' kaum darauf an, ob man etwa mehr oder weniger tot ist, indem der vollkommen Tote doch nach meiner Meinung nicht noch toter werden kann!
   05] Siehe, ich habe meinen Bruder zu töten befohlen, und das hat meinen Geist getötet vollkommen! Dann lebte die Agla nicht mehr; nur ihre Leibeskräfte walteten nun aus dem Tode ihres Geistes, und so mußte dann ja auch eine jede ihrer Handlungen eine Greueltat sein vor Gott, wie vor allen geistig lebendigen Menschen! Wie konnten sie aber auch anders sein? Denn vom Tode kann ja nur wieder der Tod kommen!
   06] Also sind meine nachfolgenden Handlungen nun für mein Gewissen weniger drückend, weil sie eine Folge der ersten Handlung sind! Oh, hätte ich die gar erste Handlung wider die göttliche Ordnung nie begangen, da wären alle andern ausgeblieben!
   07] Beim ersten Tritte herab in die Tiefe hätte ich sogleich umkehren sollen, - da wäre ich noch, wie ich von meiner Geburt an war, und alle lebten noch, die ich getötet habe! Aber jetzt ist es zu spät, und mir bleibt nichts übrig als die Reue über meinen ersten Schritt in diese Tiefe herab!«
   08] Darauf fing die Rednerin an zu weinen und klagte sich bitterlich an.
   09] Der Mahal aber sprach: »O großer Gott, ich danke Dir aus allen meinen Kräften, daß Du mich diese Tochter, die verloren war, nun wieder hast finden lassen!
   10] Agla, komme nun wieder an die Brust deines Vaters; denn nun habe ich in dir wieder meine Tochter erkannt! Kehre dich aber in deinem Herzen zu Gott, und du wirst wieder Gnade finden vor Ihm, dem guten, heiligen Vater!«
   11] Hier eilte die Agla an die Brust des Mahal und erleichterte ihr Herz durch viele Tränen, die sie fallen ließ auf des Vaters treue Brust.


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