Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 294. Kapitel: Fungar-Hellans neckende Rede an die im Käfig befindliche und um Freilassung bittende Agla. (04.06.1844)

   01] Da sich aber der Fungar-Hellan während der zehntägigen Zeit des Brandes zumeist in der Burg des Königs aufhielt und von da aus mit dem Könige seine Geschäfte schlichtete, und das im selben Gemache, in dem sich die beiden Käfigbewohner befanden, so geschah es denn auch öfter, daß ihn ganz besonders die Agla bat, daß er sie aus diesem allerschmählichsten Arreste befreien oder doch töten solle; denn darinnen zu schmachten sei zu unerträglich.
   02] Und der General erwiderte ihr immer mit der sanftesten Stimme: »Du bist wohl ein gar wundersam schönes Vögelein, - aber dabei doch sehr schlimm und böse; daher will ich dich nicht töten, weil du so wundersam schön bist. Aber weil du so schlimm und böse bist, so will ich dich in diesem kostbaren Käfige halten, wie man sonst die schönen Vöglein zu halten pflegt die auch nicht selten schlimm und böse sind, wenn sie sich in der Freiheit befinden; sind sie aber in den Käfigen, dann werden sie recht sanft, zahm und gut. Wer weiß, ob dieser schöne Käfig bei dir nicht auch die gleiche Wirkung hervorbringen wird
   03] Siehe, wie du im herrlichsten Leben von der Welt frei warst, da dachtest du an nichts als an die Vertilgung dir nicht zu Gesichte stehender Menschen! Weil ich dir auch nicht zu Gesichte stand, so hast du alles Mögliche versucht, mich aus der Welt zu befördern; aber der wahre Gott muß denn doch nicht gewollt haben, daß dir, du schönes Vögelchen, deine böse List an mir gelingen solle! Und siehe, ich bin noch, was ich war; du aber bist nun nicht mehr, was du warst, sondern unterdessen bloß mein liebes, schönes Vögelein!
   04] Siehe, ich könnte dir jetzt sehr leicht dein schönes Köpferl (Köpfchen) abschneiden lassen, oder dich mit einer vergifteten Nadel ein wenig an deinem schönen, zartesten Leibe kitzeln! Aber ich bin nicht so schlimm und böse wie du; darum tue ich das auch nicht und werde es wohl nie tun! Aber freilassen kann ich dich wohl nicht eher, als bis ich völlig überzeugt sein werde, daß du ganz sanft und zahm werden wirst!
   05] Es soll dir aber darum doch nichts abgehen in diesem schönen Lusthäuschen! Zu essen und zu trinken sollst du genug haben! Für deine Notdurft ist der kleine Seitenkasten, der täglich dreimal gereinigt werden muß und wohl zu verschließen ist, daß kein übler Geruch in deine Nüstern gelangen kann. Ebenso hast du auch ein weiches Lager darinnen und ein recht bequemes Lotterbettchen. Für die Not kannst du in diesem Häuschen auch eine kleine Promenade machen. Was willst du da mehr? Bleibe daher nur schön ruhig darinnen; es wird dir nichts abgehen!
   06] Der Drohuit ist freilich nicht so bequem daran wie du; aber im Grunde fehlt auch ihm nichts!«
   07] Sooft die Agla den General bat, daß er sie freiließe, so oft auch bekam sie immer die gleiche Antwort und ärgerte sich darob heimlich gewaltig; aber sie verbarg ihren Ärger, um den Fungar-Hellan zu täuschen. Aber Fungar-Hellan war nun sehr vorsichtig und horchte allezeit auf das, was ihm der alte Mahal riet.


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