Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 277. Kapitel: Fungar-Hellans Verlangen nach beiden Schwestern der Agla. Tauschhandel Fungar-Hellans mit Drohuit. Drohuit als König; Agla als Weib Drohuits. (11.05.1844)

   01] Nach dem Frühstück erhob sich der Fungar-Hellan und sprach zur Agla: »Agla, du Zierde der Schönheit aller Weiber der Erde! Außer dir sind nur deine beiden Schwestern in deiner Schönheit! Mir gefällt die Gella ebensogut wie die Pira, und wahrlich, es wird mir hier die Wahl schwer!
   02] Wenn ich aber so ganz vom Herzen aufrichtig sprechen soll, da sage ich: Ich möchte lieber alle zwei zu meinen festen Weibern, als nur eine von' den zweien mir nehmen! Möchte sich der Drohuit dazu bekennen, da würde er sich an mir einen gar mächtigen Freund bilden; aber es soll das seinem freien guten Willen bloßgestellt sein!«
   03] Als die Agla solches von Fungar-Hellan vernommen hatte, da wandte sie sich sogleich an den Drohuit und sagte geheim zu ihm: »Mein geliebter Drohuit, hast du den Wunsch des Fungar-Hellan vernommen? Was sagst du dazu?«
   04] Und der Drohuit sprach: »Leider! Was aber wird hier zu machen sein? Nichts, als aus lauter Politik dem eigenen Herzen Fesseln anzulegen, in den sauren Apfel zu beißen und zum bösen Spiele eine gute Miene zu machen! Nur der Gedanke, der mich deiner Liebe, himmlische Agla, versichert, kann mich für solchen Verlust trösten; sonst müßte ich nun aus lauter Gram zugrunde gehen!''
   05] Als die Agla aber solche ihr sehr angenehme Rede von ihrem Hauptmanne vernommen hatte, da sprach sie zu ihm: »Ja, Drohuit, in meinem Herzen sollst du den tausendfachen Ersatz finden! Gehe aber nun zum Fungar-Hellan, und gewähre ihm, was er wünscht, - und es wird dann alles gut gehen!«
   06] Und der Drohuit erhob sich und ging hin zum General und sprach zu ihm: »Freund, du verlangst zwar einen schweren Preis von mir, ja einen Preis, für den ich sonst selbst eine ganze Welt gäbe; aber um dir zu zeigen, daß auch du mir mehr bist als eine ganze Welt, so will ich dir als meinem größten, innigsten und mächtigsten Freunde wohl dieses Opfer bringen! Und somit trete ich dir aus der ganzen Tiefe meines Herzens meine Gewählte ab, und segne dich damit und dadurch mit aller meiner schon ganz sicher gemeinten künftigen Seligkeit!«
   07] Hier umarmte Fungar-Hellan den Drohuit, gab ihm einen Kuß und sagte dann zu ihm: »Drohuit, so wahr ich Fungar-Hellan heiße und alle Macht in meinen Händen habe, so wahr auch soll dir dieses Opfer Interessen tragen, von denen bis jetzt der Welt noch nichts geträumt hat!
   08] Vorderhand sage ich dir nichts anderes als: Drohuit, du bist König und der Gurat nichts als ein eitler Figurant! Die Agla ist somit dein, und du kannst den Gurat, der sehr dumm geworden ist und schwach, dabei recht gut leben und figurieren lassen des Volkes wegen; was aber die Macht betrifft, so liegt diese in meinen und deinen Händen.
   09] Siehe, das ist meine Vorauszahlung; was aber auf diese erst nachträglich folgen wird, davon wird dich die Zukunft unterweisen!«
   10] Nach diesen Worten küßten sich die beiden Freunde wieder, und der Drohuit war nun mit solchem Gewinne für sein Opfer vollkommen zufrieden und ging sogleich zur Agla hin und zeigte ihr solches an.
   11] Und die Agla ergriff sogleich die Hand Drohuits, drückte sie an ihre Brust und sprach: »Nun ist mein Wunsch erfüllt! Du bist nun mein!«
   12] Was weiter, - in der Folge!


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