Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 270. Kapitel: Drohuits und Gurats Bericht an ihre Kebsweiber. Die vereitelte Flucht. Drohuits und Gurats erfolgreiche Zuflucht zu List und Heuchelei. Die Versöhnung. (03.05.1844):

   01] Als die beiden, der Gurat und der Drohuit nämlich, zu Hause im Königspalaste angelangt waren, da kamen ihnen bald ihre anderen Kebsweiber entgegen und befragten sie, wie die Sache mit der entsetzlichen Agla abgelaufen sei.
   02] Und der Drohuit antwortete und sprach: »Geliebte Weiber, schlecht, überschlecht für uns alle! Denn die Agla zerbrach das Gattenband zwischen sich und unserm gnädigen Könige und gab ihr Herz und ihre Hand, als wäre sie ledig gewesen, von neuem dem Fungar-Hellan! Und dieser so ganz eigentliche Meuterer an den geheiligten Rechten des Königs hat dadurch seinen langersehnten Wunsch erreicht. Möge dieser von ihm heute erworbene Gewinn ihm solche Interessen tragen, wie er sie unserm guten Könige getragen hat! Sonst habe ich keinen Wunsch für ihn!
   03] Ich aber war ein ungeheurer Esel, daß ich so fast mein Leben für diese Höllenbestie gewagt habe! Hätte ich sie gegen Fungar-Hellan recht verschwärzt, so lebte sie sicher nimmer; allein ich war dumm genug, sie zu verschönern und so unschuldig und gerecht als möglich zu machen vor dem General!
   04] Und das ist nun mein und des Königs Lohn, daß sie uns den Rücken zugewendet hat, und daß wir alle höchstwahrscheinlich in kurzer Zeit die Ehre haben werden, entweder durch einen ganz unschuldigen Giftnadeltupfer eben auch ganz bescheiden und unschuldig ins Gras zu beißen; oder wir werden mit sanften Worten genötigt werden, die Stadt Hanoch auf immer zu verlassen, um dann irgendeine Wohnstätte unter den Tigern, Hyänen und Bären zu suchen - Was meinst du, Gurat, - habe ich recht oder nicht?«
   05] Und der Gurat sprach: »Mein Freund, wenn es auf mich ankäme, da wäre ich der Meinung, wir sollten unsere Schätze heute noch so hübsch zusammenbringen und bei Nacht und Nebel uns aus dem Staube machen denn morgen, halte ich wenigstens dafür, dürfte es schon zu spät sein!
   06] Daher bestelle du sogleich meine gesamte Dienerschaft, und gib ihr unter dem strengsten Siegel der Verschwiegenheit unseres und ihres eigenen Wohles wegen diese Weisung! Hundert Kamele sollen tragen unsere Schätze, hundert den Mundbedarf und hundert uns selbst mit allem unserm Gefolge in irgendeine entlegene Gegend der Erde; denn von nun an wird es in diesem großen Weltreiche nimmer zu bestehen sein!
   07] Das Volk ist bis auf den höchsten Grad verdummt, und die Besseren sind aus lauter Trug, List, Heuchelei und Politik zusammengesetzt; der eigentliche Herrscher ist aber ohnehin unser Feind und wird es nun um so mehr sein, da er sicher streng nach der Pfeife der Agla tanzen wird, die uns nun sicher hassen wird, da wir ob ihrem Verluste nicht sogleich über alle Maßen aus lauter Verzweiflung haben zu rasen angefangen!«
   08] Hier sah Drohuit zum Fenster hinaus und erblickte zu seinem großen Erstaunen die Agla mit Fungar-Hellan sich dem Palaste nahen und zeigte solches dem König an.
   09] Als der König solches bemerkte, da schrie er: »Um alle Geister, - da sind wir verloren!«
   10] Der Drohuit aber, da er alle Weiber weggeschafft hatte, sagte zum Gurat: »Freund, nun heißt es: List gegen Grausamkeit! Nur geschwinde unsere Kleider zerrissen, dann sich auf den Boden geworfen und geheult und ganz entsetzlich getrauert, - und es wird alles wieder gut werden!«
   11] Gurat und Drohuit taten das sogleich, und als sie kaum ein paar Minuten also geheult hatten, da kam auch schon die Agla mit dem General zur Türe herein und ging ganz gerührt zu den beiden, und zwar zuerst zum Gurat und fragte ihn, was ihm denn fehle.
   12] Und dieser, sich leicht ermannend, schrie: »O Agla, Agla, du Himmlische! Du fehlst mir; dieser Schmerz verzehrt mich! Ich mußte dich wohl äußerlich von mir lassen; aber ach, mein Herz, mein Herz, das kann sich nimmer von dir trennen!«
   13] Hier vertröstete die Agla den König und sprach: »So weine doch nicht so sehr! Siehe, ich bin ja wieder bei dir und werde bei dir bleiben und dich lieben mit aller Zärtlichkeit; und Fungar-Hellan bleibt auch unser innigster Freund!«
   14] Hier erhob sich Gurat wieder und fiel der Agla wie dem Fungar-Hellan um den Hals. Und dann ward auch der Drohuit aufgerichtet.
   15] Nächstens die Folge!

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