Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 241. Kapitel: Geistliche Politik des Generaloberpriesters und seine Rede vor dem Priesterrat. (9.03.1844)

   01] Nach dieser Expedition und nach der neuen Einsetzung der Unterpriester aber berief der Gurat einen Priesterrat zusammen, in dem da bestimmt werden sollte, wie die neue Gotteslehre fürs Volk aussehen solle.
   02] Als der Rat in der Burg des Königs beisammen war, da erhob sich alsbald der Generaloberpriester und sprach: »Mein König und mein Herr, laß mich sprechen in dieser wichtigen Sache, von der einzig und allein deine und unser aller Wohlfahrt abhängt! Denn stellen wir die Gottlehre plump auf und verleihen ihr nicht den größten Pomp und Prunk, so ist sie so gut, als wäre sie gar nicht!
   03] Aus diesem Grunde müssen die dem Volke bekannten Götter beibehalten und noch eine Menge hinzugestellt werden, aber mit der wichtigen Abänderung, daß wir ihnen an verschiedenen, unheimlich aussehenden Orten große Tempel von sehr mystischer Gestalt erbauen und in selben die Gottheit in möglich kolossalster Größe formen; denn alles Kolossale übt auf den beschauenden Menschen einen mächtigen Eindruck aus und erschüttert sein Gemüt.
   04] Für jede Gottheit müssen wir auch Priester kreieren, die aber mit allen Salben der geistlichen Politik gesalbt und imstande sein müssen, auf dem Wege der natürlichen Zauberei ihre Gottheit die entsprechenden Wunder wirken zu lassen. Mechanik und Chemie müssen solchem Priester eigen sein, und je pfiffiger er die Wunder erzeugen wird, desto besser soll er stehen!
   05] Denn es sei ja ferne von uns, solche Priester etwa von der Staatskasse aus zu besolden; sondern jedem werde gesagt: Siehe, der Tempel ist ein Fettstock! Du wirst als Katze hingestellt; willst du fressen, so wisse den Fettstock anzupacken!', und wir können im voraus überzeugt sein, in wenigen Jahren wird unser Reich strotzen von den tiefsinnigsten Wundern aller erdenklichen Art, und das Volk wird sich vor lauter Andacht und Ergebung ordentlich nicht zu helfen wissen!
   06] Vor allem aber muß darauf gesehen werden, daß da ein jeder Priester eines Tempels mit der bestimmten Gottheit die größte Verschwiegenheit beachte, daß er bei Todesstrafe allzeit nüchtern sei gegenüber einem jeden Menschen aus dem Volke, daß er ferner schwer zu sprechen sein muß; und wenn er schon mit jemandem redet, daß er da so unverständlich als möglich rede, - denn was der gemeine Vernunftmensch versteht, hält er nicht für göttlich!
   07] Bei jedem Tempel aber muß dann auch ein Volksredner von guter Zunge angestellt sein, der es gehörig versteht, des Tempels und der Gottheit Wunder taten im selben dem Volke anzupreisen; zur Befähigung solcher Priester und Redner aber sollen nur hier in Hanoch die Schulen sein!
   08] Ich meine, wenn dieser mein Vorschlag in Anwendung gebracht wird, so haben wir dadurch für alle Zeiten der Zeiten gesorgt und brauchen dem Volke nicht einmal direkte Steuern aufzuerlegen; denn die Tempel mit den Göttern und Priestern werden ihm die Schätze schon ohnehin auf die unschuldigste Art von der Welt herauskitzeln, und die Regierung wird das Aussehen haben, als wäre sie eine Tauben- und Lämmerregierung. Daß die Welt aber betrogen werden will, das ist eine alt bekannte Sache; also sei sie denn auch betrogen!
   09] Nun aber noch eins! Du, König, sollst die Oberherrlichkeit der Hochländer anerkennen? - Das sehe ich nicht ein, wozu diese gut sein sollte! Ich meine, wir stehen auf dem Grunde und sollen daher fester sein als die Hochländer!
   10] Weißt du, König, was wir da tun? - Siehe, wir nehmen die Treppe hinweg, und die Hohen sollen dann sehen, wie sie zu uns herabkommen mögen, das heißt, wir skarpieren alle die möglichen Zugänge ins Hochland um hundert Mannshöhen, und die Hohen mögen sich da Flügel wachsen lassen, wenn sie zu uns herab wollen!
   11] Mehr sage ich vorderhand nicht und lasse das Weitere dir, König, über!«
   12] Der König und alle waren mit diesem Rate über die Maßen zufrieden, und dieser Rat wurde auch allerschleunigst und tätigst ins Werk gesetzt. Schon am nächsten Tage wurden alle Architekten, Bildner und Mineure zusammenberufen.


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