Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 224. Kapitel: Begegnung der Gesandtschaft aus Hanoch mit den zehn Führern des Hochlandvolkes. Mißerfolg und Rückkehr der Gesandtschaft nach Hanoch ohne ihren Führer. (13.02.1844)

   01] Als der eine mit seiner Gesellschaft vor die zehn geführt ward, wurde er von ihnen sehr freundlich empfangen und mit der größten Höflichkeit gefragt, was seine Mission im Schilde führe.
   02] Er aber zeigte den zehn durch ein Fenster die reich beladenen Kamele und sprach:
   03] »Liebe Brüder! Ich bin als ein Friedensbote von der Oberpriesterschaft zu euch gesandt; diese möchten mit euch eine gewisse Freundschaft anknüpfen, wie somit auch das ganze Volk Hanochs!
   04] Die Oberpriester haben darum Freundschaftsgeschenke an euch gesandt, die ihr annehmen möchtet als ein Zeichen ihrer Freundschaft, die sie mit euch anbinden möchten!
   05] Sie wollen ganz vergessen, daß ihr an ihnen verräterisch gesündigt habt; nur möchtet ihr ihnen wieder Freunde werden und gar nach Hanoch kommen, allwo sie euch dann alle erdenklichen Ehren antun möchten!«
   06] Bei diesem Vortrage aber gab er durch allerlei Augenverdrehereien den zehn zu verstehen, daß er nur in der Gegenwart seiner Gefährten also reden müsse, aber sehr gerne anders reden möchte, so er allein wäre.
   07] Die zehn aber verstanden seine Augensprache und sagten darauf: »Ihr habt gesehen, daß wir durchaus nicht nötig haben, Geschenke von den Oberpriestern aus Hanoch anzunehmen; denn die Besitzer von Goldbergen verachten das Gold, welches mit blutigen Händen gesammelt und aus den Armen durch allerlei Lug, Trug und Druck gepreßt wurde.
   08] Daher nehmen wir fürs erste das Gold, das Silber, wie die Edelsteine gar nicht an; und fürs zweite, was da ihre angebotene Freundschaft betrifft, so sagt ihnen, daß wir diese anzunehmen ebensowenig geneigt sind als ihre Geschenke! Denn wir sind keine einjährigen Hasen, daß wir nicht verstünden, was die Oberpriester im Schilde führen! Daher gehen wir in gar keinen Vorschlag der Oberpriester ein!
   09] Wollen die Oberpriester unsere Freundschaft gewinnen, da müssen sie zuerst aufhören, Oberpriester zu sein, und müssen den einen, der aus der Höhe zu ihnen gesandt ward, zum alleinigen König und Oberpriester über sich und über alles Volk der Tiefe salben und krönen! Solange das nicht geschehen wird, dürfen sie nicht von ferne je auf unsere Freundschaft rechnen; denn mit Teufeln pflegen wir nimmer eine Freundschaft zu schließen.
   10] Wir raten daher auch den Oberpriestern durchaus nicht, sich auf was immer für eine Art uns zu nahen; denn jede Annäherung von ihrer Seite wird auf das allerschärfste gezüchtigt werden.
   11] Ziehet daher nur wieder mit euren Schätzen nach Hanoch, und gebet solche Nachricht den Hohenpriestern und den barsten Teufeln von Oberpriestern von uns!
   12] Du einer, der du zur gewissen Zeit unserer Gesinnung warst, aber verbleibst hier; denn du hast weder Weib noch Kind, und wir können dich hier brauchen! Also geschehe es!«
   13] Der eine ward voll Freude; die dreißig aber kehrten mit langen Gesichtern wieder zu ihren Kamelen zurück und begaben sich unverrichteterdinge wieder nach Hanoch.
   14] Was über diese Erscheinung die Oberpriester für ein Gesicht machten, das wollen wir in der Folge mit einigen Blicken betrachten und daraus erkennen, daß es (das Gericht) damals auch nahe vor der Tür war.


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