Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 217. Kapitel: Abdankung der 4000 oberpriesterlichen Exerziermeister. Zwist der zehn Heerführer mit den Oberpriestern. Auszug des Riesenheeres mit 200000 Kamelen und 800000 Eseln. (03.02.1844)

   01] Darauf wurden die ehemaligen Sklaven noch drei Monate hindurch exerziert und erreichten dadurch eine große Gewandtheit in der Führung der Waffen.
   02] Da aber die zehn sahen, daß die Sklaven nun ebenso geschickt die Waffen führen konnten wie die viertausend Exerziermeister selbst, da verabschiedeten sie diese und setzten aus den Sklaven selbst Hauptleute und Oberste ein und regulierten also die ganze große Armee.
   03] Die Oberpriester aber waren damit nicht ganz zufrieden, daß die zehn ihre vertrauten viertausend Mann abgedankt hatten; sie ließen daher die zehn fragen um den Grund, warum sie solches getan hätten.
   04] Die zehn aber erwiderten: »Weil wir nicht mit Menschen, die ihr hier bei eurer Armee notwendig brauchet, in die weite Welt ziehen wollen, was da wider unsern Plan wäre!
   05] Zudem haben die viertausend Mann auch den eigentlichen Geist nicht und sind zu sehr ans Wohlleben gewöhnt; das alles aber verträgt sich mit unserer Unternehmung nicht.
   06] Daher haben wir sie denn auch abgedankt und sandten sie wieder zu ihrer Armee zurück. Wir glauben dadurch recht gehandelt zu haben, wie wir solches noch allzeit taten; sollte euch aber das etwa schon wieder anstößig vorkommen, so macht es anders!
   07] Gebet uns selbst einen Plan, nach dem wir handeln sollen, und die Folge wird euch dann ja wohl belehren, welche Früchte euch euer Plan bringen wird! Habt ihr nicht auch nach eurer Einsicht gleichzeitig mit uns vor fünf Jahren nach allen Seiten Kundschafter ausgesandt?! Warum kommen sie denn nimmer zurück und bringen euch gleich uns Schätze? - Weil sie keine Liebe und Treue zu euch haben!
   08] Wir aber, die wir euch allzeit die größte Treue trotz all der Kalamitäten noch bewiesen haben, dürfen uns nur rühren, so findet ihr schon wieder neuen Grund, uns zu verdächtigen! Wenn wir zehn noch einmal einen solchen Schritt von eurer Seite vernehmen, so lassen wir alles im Stiche, und ihr könnet dann machen, was ihr wollet!«
   09] Diese Antwort hatte die Oberpriester sehr angestochen, und sie wußten nicht, wie sie sich darüber rächen sollten; denn zu sagen getrauten sie sich nichts weiter, indem sie sich fürchteten, die Eroberung der Goldberge zu verlieren.
   10] Aber gestraft sollte solch eine arrogante Antwort denn doch sein! Wie aber? - Darüber wurde unter den Oberpriestern ein dreitägiger Rat gehalten. Aber er führte zu keinem Resultate; denn überall könnte es auf eine Beleidigung der zehn ausgehen und damit aber auch auf den Verlust der Goldberge. Und so mußten am Ende die Oberpriester die Antwort hinabschlucken, wollten sie - oder wollten sie nicht!
   11] Sie sprachen freilich: »Aber ganz geschenkt bleibt es ihnen nicht; aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wenn sie von der Unternehmungsreise zurückkehren werden, sollen sie darum schon ein wenig die Hölle verkosten!«
   12] Es wurde aber solches den zehn von einem ihnen sehr befreundeten Unterpriester gesteckt, und die zehn sprachen bei sich: »Lassen wir diese Sache nur ganz gut sein und ignorieren sie! Morgen aber geschieht die Anzeige, daß wir übermorgen mit der ganzen Macht aufbrechen werden, und dann wird es sich in Kürze entscheiden, wer von uns zuerst die Hölle verkosten wird!«
   13] Am nächsten Tage ward die Anzeige gemacht, mit der die Oberpriester sehr einverstanden waren, und am dritten Tage schon um Mitternacht begann der Auszug und dauerte bis gegen Abend; denn bei viereinhalb Millionen Menschen machen einen langen Zug, besonders wenn dabei noch der zweimal hunderttausend Kamele und der viermal soviel Esel gedacht wird, die da samt den Kamelen zur Tragung von allerlei Gerätschaften und Eßwaren bestimmt waren.


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