Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 211. Kapitel: Ratlosigkeit der Oberpriester wegen des Loskaufes der Sklaven. Der Rat der zehn Kundschafter. (25.01.1844)

   01] Als der Redner von den zehn solches noch kaum ausgesprochen hatte, waren die Oberpriester auch schon bei ihm mit sehr verlegenen Gesichtern und fragten ihn folgendermaßen:
   02] »Höre uns an; denn großwichtig ist das, was wir nun von euch zu erfahren wünschen!
   03] Sehet, die Bewaffnung der Sklaven wäre schon allerdings recht; aber es sind ja alle in lasttierlicher Eigenschaft als ein erkauftes Eigentum in den Händen der Großen der Städte und des ganzen Reiches! Wir könnten sie freilich mit unserer Allmacht zurückfordern, und niemand könnte uns daran hindern; aber wir sind ja neben der Allmacht auch die Allgerechtigkeit selbst und wider die können wir so einen widerrechtlichen Gewaltstreich doch unmöglich ausüben!
   04] Ihr wisset nun, wie die Sachen stehen! Ihr seid kluge Köpfe, entwerfet einen Rat, durch den wir am leichtesten und ehesten zum Zwecke kommen! Denn das sehen wir unwiderlegbar ein, daß da die Sklaven samt und sämtlich bewaffnet werden müssen; aber wie rechtlichermaßen der Sklaven habhaft werden, - das ist eine ganz andere Frage! Auf diese eben möchten wir eine ganz kluge Antwort von euch vernehmen!«
   05] Und der Redner von den zehn erhob sich und sprach: »Hochmächtige Diener der Götter! Wir haben euch wohl verstanden; aber wir müssen euch auch auf das aufmerksam machen, was wir gleich anfangs geredet haben, nämlich: die Unternehmung wird ganz sicher große Kosten verursachen, wofür der allfällige große Gewinn noch sehr im weiten Felde ist und es sich noch sehr dabei fragen läßt, ob wir seiner habhaft werden!
   06] Es ist bei einer Macht von vier Millionen Kämpfern freilich wohl nicht leichtlich abzusehen, als solle oder könnte uns der Sieg mißglücken; aber in der Tasche haben wir darum das zu gewinnende Gold auch noch nicht und können daher auch niemanden auf den Mitgewinn darum bescheiden, so er zu dieser grandiosen Unternehmung sein Scherflein beitragen sollte.
   07] Denn so ihr zu einem oder dem andern sagen würdet: 'Überlasse uns für die vorhabende Unternehmung deine Sklaven! Glückt sie uns, da sollst du für jeden Sklaven vier Pfunde Goldes bekommen!'
   08] da wird der also Angeredete und des Mitgewinnes Versicherte sagen: Die Unternehmung ist zwar löblich; aber sie liegt in einer zu großen Ferne und in einem zu weiten und unsicheren Felde! Daher können wir da im voraus nichts riskieren! Was wir aber tun wollen, um euch an einer solchen Unternehmung nicht zu hindern, bestehe darin, daß wir euch alle Sklaven gegen einen Einsatz per Kopf von zwei Pfund Goldes oder fünfundzwanzig Pfund Silbers überlassen wollen! Kommen die Sklaven wieder zurück, so wollen wir sie euch gegen den Einsatz zurücklösen; und kommen sie nicht, so müßt ihr uns entweder frische geben in gleicher Zahl, wollet ihr den Einsatz; oder uns hat euer Einsatz ganz zu eigen zu verbleiben!'
   09] Sehet, das ist die unfehlbare Stimme aller der großen Sklaveninhaber! Machet einen Versuch, und wir wollen ins Feuer gehen, wenn sie anders ausfallen wird!
   10] Daher bleiben hier nur die zwei Wege offen, entweder die ganze Unternehmung an den Nagel zu hängen, oder im Namen aller Götter, die die Erde beherrschen, in den sauren Apfel zu beißen!«
   11] Und die Oberpriester sprachen: »Gut! Vom An-den-Nagel-Hängen dieser Unternehmung ist gar keine Rede; aber wir wollen auf morgen mehrere Große dieser Stadt vernehmen! Wehe aber euch, so sie anders reden werden, als wie nun ihr wie aus ihrem Munde uns vorgeredet habt!«
   12] Und der Redner sprach: »Wenn sie nur keine größeren Forderungen machen werden, da könnet ihr noch vom Glücke reden; aber ich meine, sie werden die Sache viel schwerer anpacken! Für uns sieht da sicher kein Wehe heraus; ob aber ihr nicht ein wenig Wehe schreien werdet, so ihr die sicher höheren Forderungen vernehmen werdet, das soll schon der morgige Tag weisen!«


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