Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 155. Kapitel: Gottes Worte an die zehn Boten und deren Ultimatum an die 100 zurückgebliebenen Räte. Die Räte in der Enge. (06.11.1843)

   01] Der Herr aber sprach zu den zehn Boten: »Gehet nun hin zu den noch übrigen hundert Räten, vernehmet sie und stellt ihnen dann Meine Sache vor!
   02] Stellet ihnen einen Termin von sieben Tagen und sagt zu ihnen: 'Wo ihr nicht binnen dieser Zeit des Herrn Willen erfüllen werdet, so möget ihr dem Beispiele eurer Vorgänger folgen; werdet ihr aber des Herrn Willen erfüllen, so soll euch unsere Faust decken!"'
   03] Also sprach der Herr zu den zehn, und diese begaben sich eilends hin zu den noch übrigen hundert Räten.
   04] Als diese die zehn Schreckensmänner erschauten, erschraken sie so sehr, daß sie bebten, als stünden sie schon am Rande des ewigen Abgrundes.
   05] Die zehn aber sprachen: »Der Friede von oben sei mit euch! Fürchtet euch nicht zu sehr vor uns; denn wir sind ja keine Unglücksboten an euch, sondern wir sind von Gott erwählte Überbringer Seines Willens an euch alle nur.
   06] Euer zeitliches und ewiges Wohl führt unsere ewig wahre Gesandtschaft im Schilde; daher ermahnen wir euch, zu tun, was ihr jüngsthin von uns vernommen habet, und setzen euch zu diesem Behufe einen Termin, laut dem ihr sieben Tage noch Bedenkzeit habet, zu tun oder nicht zu tun des Herrn Wort an euch!
   07] Werdet ihr es nicht tun, da könnet ihr alsbald folgen euren Vorgängern, oder euch sollen eure Fäuste und die Fäuste eurer Genossen decken; werdet ihr aber das Wort des Herrn erfüllen, da sollet ihr von unseren Fäusten gedeckt werden!
   08] Also lautet des Herrn Wille, also des Herrn Wort!
   09] Erfüllet es frei, so sollet ihr auch frei werden; erfüllt ihr es als Knechte, so sollt ihr auch als Knechte verbleiben; erfüllet ihr es gezwungen, so sollet ihr fortan unter dem Zwange stehen wie das Getier der Wälder, und die Freiheit soll nimmer euer Los sein! Fliehet ihr aber, so sollet ihr Flüchtlinge verbleiben bis ans Ende aller Zeiten!
   10] Wehe aber einem jeden Lügner aus euch; denn wer da lügt, den wird der Herr züchtigen mit flammender Rute! Amen.
   11] Hier verließen die zehn wieder die Räte; als sie aber hinweg waren, stand alsbald einer von den noch hundert Räten auf und sprach:
   12] »Freunde, Brüder! Nun stehen und sitzen wir von allen Seiten fest vernagelt hier und da!
   13] Sieben Tage Termin! Tun wir was wir nur immer wollen, so sind entweder Fäuste, oder ewige Flucht, oder ewige Knechtschaft, steter Zwang, oder gar flammende Ruten über uns!
   14] Wir haben demnach hier nichts zu tun, als aus allen den angebotenen Übeln das kleinste zu wählen, und das ist nach meiner Meinung offenbar die Flucht! Lasset aber doch auch ihr eure Meinung vernehmen, auf daß wir im besten Teile einig werden!«
   15] Hier fingen die Räte an, untereinander sich zu beraten drei Tage lang; die Folge aber wird es zeigen, zu welchem Entschlusse sie am Ende gekommen sind.


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