Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 144. Kapitel: Abermalige Berufung der zwei weisen Räte. Die verweltlichenden Reformideen des Tausendrates. Widerstand der zwei Weisen und ihre Rückkehr auf die Höhe. (21.10.1843)

   01] Ein ganzes Jahr verstrich über diesem gegenseitigen Streite, ohne daß die Streitenden sich dadurch hätten vergleichen mögen; es blieb ihnen sonach nichts übrig, als wieder die zwei Miträte zu Rate zu ziehen, was da im allgemein annehmbarsten Falle geschehen solle.
   02] Denn die Streitenden waren darin wohl übereingekommen, daß die Erkenntnis eines Gottes, im Notfalle auch mehrerer Götter, zur Aufrechterhaltung der Ordnung dem Volke nötig ist; aber nur müßte eine solche Erkenntnis nicht durch ein auf den blinden Glauben gestütztes leeres Predigergewäsche im Volke erzielt werden, wenn sie je Stich halten solle, sondern auf die reine Wissenschaft, also durch Naturforschung, durch die Mathematik, durch Philosophie und gotteswürdige Kunstdarstellungen!
   03] Dadurch würde das Volk etwas Haltbares und Festes und Überzeugendes anstatt des finstern, auf den alleinigen Blindglauben berechneten, fürs Dasein Gottes zeugenden Mystizismus überkommen, in dem es für sich allein gerade so lange wieder bleiben würde, als da die mystischen Lehrer leben. Müßten aber diese, von ihrer Natur genötigt, einmal selbst ins Gras beißen, da beiße auch ihre ganze Lehre mit ihnen ins Gras, und das Volk stehe dann um seinen Gott rein betrogen da. Und würden Völker zu öfteren Malen also mit einem mystischen Gott geprellt, so seien sie dann zu gar keiner Erkenntnis Gottes mehr zu bringen.
   04] Also in diesem Sinne wurden unsere tausend Räte in bedeutender Überzahl miteinander so ziemlich gleich; nur wußten sie nicht, wie sie diesen Entschluß auf die klügste Weise ins Werk setzen sollten, und darum wandten sie sich so ganz eigentlich zu den zweien.
   05] Die beiden aber sprachen: »Hohe Räte der großen Stadt Hanoch! - Wir haben euch vor einem Jahre den rechten Plan gezeigt; ihr aber habt ihn verworfen! Was sollen wir da nun noch mehr tun?
   06] Jede Sache hat aber nur einen Plan, der da ist allein gut und wahr, und so ist es auch mit der Verkündigung Gottes!
   07] Diesen Plan aber haben wir euch gezeigt; allein ihr habt ihn verworfen und habt nun einen andern, nach eurer Meinung haltbareren, aufgestellt. Also setzet ihn denn auch ins Werk nach eurer Einsicht, und lasset euch von den Folgen unterweisen, was Gutes ihr dadurch ans Tageslicht gefördert habt!
   08] Wir aber wollen keinen Teil daran haben und wollen euch an der Ausführung eures Planes auch nicht im geringsten irgend hinderlich sein.
   09] Machet es mit Hanoch also bezüglich der Gotteslehre, wie ihr es mit den Lehensfürsten gemacht habet, da ihr einem jeden eine andere Gotteslehre mitgegeben habet, um sie nach solcher verschiedenartiger Lehre leicht zu unterscheiden und so von ihnen leichter auch den Miettribut einzutreiben, so werdet ihr bald in Hanoch sicher dieselben Ergebnisse erleben, die ihr mit den Vasallen erlebt habt!
   10] Ihr habt euch bis jetzt von allem überzeugt, daß alles, wozu wir euch den Rat erteilt haben, fürs erste sehr leicht ausführbar war, und daß es fürs zweite den entschiedensten Nutzen hatte für die ganze große Stadt.
   11] Wir haben euch in nichts getäuscht, sondern es allzeit redlichst zu eurem Besten mit euch gemeint, und haben zu unserem eigenen Wohle nie (etwas) mit einer Silbe zu euch erwähnt.
   12] Also war auch der von uns vor einem Jahre ausgesprochene Plan zur Erkenntnis und Ehrung Gottes zu unser aller Bestem dargestellt; ihr aber habt euch schon gleich im Anfange daran gestoßen, habt euch dann dar über ein ganzes Jahr hin und her gebalgt, bis ihr am Ende doch im Allerverwerflichsten übereingekommen seid!
   13] Zur Ausführung dieses eures Planes aber kennen wir keinen Weg und können euch daher auch keinen Weg zur Ausführung raten.
   14] Tuet demnach, was euch gut dünkt; wir aber haben in eurer Mitte ausgeredet und ausgedient! Wir verlassen euch nun darum und fordern keinen Lohn von euch, auf daß ihr erkennen möchtet, daß wir stets um euer Wohl besorgt waren.
   15] Wer aber mit uns von dannen ziehen will, der tue es, bevor es zu spät wird!«
   16] Darauf verließen die beiden den großen Ratssaal, nahmen ihre Dienerschaft und begaben sich wieder auf die Höhe.
   17] Was aber dann in Hanoch alles bewerkstelligt ward, wird die Folge zeigen.


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