Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 141. Kapitel: Rede der zwei Boten an die versammelten Räte. (17. Oktober 1843)

   01] Nach sieben Tagen aber stellten die tausend Herren wieder den Rat zusammen, und die zwei Boten, nun als hohe Miträte, erschienen in der Mitte der Tausend und sprachen einer in des andern Wort also:
   02] »Wir haben alles reiflich überlegt und abgewogen und haben unwiderlegbar gefunden, daß es sich mit der gegenwärtigen Staatsverfassung auf keinen Fall mehr tut; was zu viel ist, ist zu viel!
   03] Unsere Stadt Hanoch hat eine zu ungeheuer große Ausdehnung erhalten; schon zur Zeit des Königs Uraniel war sie zu groß, und wäre um sie nicht die unglückseligst projektierte Ringmauer gezogen worden, so stünde Hanoch noch als eine blühende Stadt da!
   04] Daß sie aber jetzt ihrem völligen Untergange nahe ist, diese älteste der Städte der Erde, das könnet ihr so gut wie wir an den Fingern nachweisen!
   05] Bedenket, wir sind nun gleichsam, tausend Könige! Ein jeder führt für sich einen Hofstaat mit tausend Menschen beiderlei Geschlechts zu seiner Amtsverherrlichung und Amtsversicherung, das gibt, mit uns selbst eingerechnet, zehnmal hundertundeintausend Menschen. Diese legen samt uns ihre Hände nicht auf den Erdboden, wollen aber dennoch gut leben!
   06] Frage: Wer soll, wer kann für eine solche Unzahl von Müßiggängern das Brot erarbeiten?
   07] Gehen wir aber weiter! In einer jeden der zehn Vorstädte sitzen nun auch hunderttausend Beamte, Waffenmänner und müßige Dienerschaft höher gestellter Beamten und der vielen Altedeln.
   08] Alle diese haben auch mit dem Boden der Erde nichts zu tun, aber dennoch wollen sie ausgezeichnet gut leben! Das Leben wäre ja recht; aber woher nehmen, was der Erde Boden nicht bringt?!
   09] Aber nur weiter! Wir zählen nun in unserer großen Stadt zehn Weiberverschönerungsanstalten. Eine jede ist gestrotzt voll und faßt nicht selten bei zehn- bis zwanzigtausend Weiber und daneben gut ein Drittel soviel Professoren und anderer Diener. Diese alle wollen und müssen überaus gut fressen und kennen den Boden der Erde, auf dem das Brot wächst, kaum dem Namen nach!
   10] Aber nur weiter! In dieser großen Stadt Hanoch leben nun nach unserer Privatzählung zweimal hunderttausend adelige Familien mit ihrer Dienerschaft, zusammen bei dreißigmal hunderttausend Menschen; auch diese haben noch in ihrem ganzen Leben nicht den Boden der Erde mit ihren Händen berührt und wollen dennoch ein überaus gutes Brot essen.
   11] Aber nur weiter! Durch die zwecklose stete Vergrößerungssucht unserer Stadt wird fürs erste der Boden der Erde zwecklos getötet, und da, wo ein großes neues Haus erbaut wird, wächst kein Korn mehr.
   12] Fürs zweite aber lockt dann ein solches Prachtgebäude bemittelte, früher erwerbsfleißige Landbewohner in die Stadt; diese kaufen das Haus, bewohnen dasselbe, leben dann freilich von ihren Mitteln, aber sie haben keinen Grundboden mehr zur Bearbeitung und kaufen nunmehr, was sie brauchen.
   13] Das ist wohl und billig; aber wenn die Sache so fortgeht, wenn sich täglich zehn bis zwanzig Familien vom Lande herein in der Stadt ansiedeln werden, von wem wird man dann das Brot kaufen, so alles Landvolk zu halbadeligen, arbeitsscheuen Stadtbürgern oder wenigstens zu Dienern der Stadtbürger wird?!
   14] Wir schreiben ferner Tribute über Tribute an alle unsere Vasallen aus. Dadurch machen wir dem Volke das Landleben verächtlich. Sie fliehen entweder in ferne, uns unbekannte Gebiete, oder sie widersetzen sich hier und da gewaltig unseren ungerechten Forderungen.
   15] Frage: Wer wird uns nunmehr Brot liefern?
   16] Sehet, also geht es mit dieser Staatsverfassung in keinem Falle mehr! Beratet euch aber nun über unsern gewissenhaften Vortrag, und wir wollen euch dann die Mittel an die Hand geben, durch welche diesem Übelstande wenigstens einigermaßen abgeholfen werden kann!
   17] Also sprachen wir als Miträte in aller Achtung vor eurer Tausend Herrlichkeit der Wahrheit gemäß!«


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