Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 138. Kapitel: Erziehung der 7 Kinder Uraniels auf der Höhe. Gottes Rede an Uraniel. Bedrückung Hanochs und seiner Völker durch die 1000 Räte. Die 2 Königssöhne als Missionare in Hanoch und ihr Mißerfolg. (12.10.1843)

   01] Der Uraniel hinterließ mit seinen zwei Weibern sieben Kinder, fünf Töchter und zwei Söhne; die Töchter waren außerordentlich schön, und die Söhne waren förmliche Riesen. Aber weder die Söhne noch die Töchter waren zu Hause in Hanoch auferzogen worden, sondern auf der Höhe.
   02] Denn als der Uraniel in seiner großen Drangsal sich wieder zum Herrn wandte und Ihn bat um die Abänderung des Elends der Stadt Hanoch, der anderen Städte und des ganzen Landes in der Tiefe, da sprach der Herr zu ihm:
   03] »Höre Mich, du Blinder, hättest du Mich um siebenundsiebzig Jahre früher darum gebeten, da hätte Ich deine Bitte erhören können; aber jetzt ist es zu spät!
   04] Ein blindes und dummes Volk wie es im Anfange unter Lamech war, ist leicht zu bekehren, - denn es hat bei seiner Blindheit doch ein offenes, gläubiges Herz; aber ein so hoch kultiviertes Industrievolk hält sich für weiser als Ich es bin. Ja, es braucht Mich gar nicht; denn die Welt hat sich nach seiner Meinung ('nach seiner Meinung' ist eine Ergänzung) selbst erschaffen und in ihrem Entstehen auch nach und nach notwendig ihre Gesetze, unter denen sie besteht, und alle Dinge auf ihr. Was soll ich dann mit so einem Volke machen?
   05] Meine Kinder haben ihre Höhen lange schon verlassen und haben in der Tiefe Weiber genommen und haben mit ihnen kräftige und des Weltverstandes volle Kinder erzeugt, welche durch ihre Kraft sowohl, als durch ihre Verstandesmeisterschaft aller Welt und aller Dinge Herren und Meister geworden sind. Siehe, was soll dann Ich dabei?
   06] Also kann Ich dir nicht helfen! Da du Mich aber schon bewegt hast, mit dir zu reden, und hast Mich nun bei sieben Jahre lang gebeten, dir zu helfen, so will ich dir einen Rat geben zum Wohle deiner Kinder:
   07] Siehe, auf der Höhe leben noch Mathusalah, Lamech, sein Sohn Noha und dein Vater und deine Mutter! Diesen gib deine Kinder zur Erziehung; denn lässest du sie hier, so werden sie dir geistig und leiblich getötet werden, da deine Räte stets mehr und mehr suchen, alle Herrschaft an sich zu reißen.
   08] Gibst du sie aber auf die Höhe, da wirst du deinen Räten einen Gefallen tun!
   09] Sie werden dir dann zwar alle Leitungsmacht des Volkes nehmen und werden dich gefangenhalten wie einen Vogel im Käfige; aber Ich will deine Söhne kräftigen auf der reinen Höhe und will sie dann als mächtige Lehrer herabsenden, wenn du nicht mehr auf Erden wandeln wirst.
   10] Wird sich das Volk bekehren, so will Ich Meine strafende Rechte zurückziehen; wird es aber die Lehrer hinausstoßen, so werde Ich alles Volk, groß und klein, jung und alt, und so auch alles Getier richten und töten auf Erden und Mir dann setzen ein anderes Geschlecht auf die gereinigte Erde!«
   11] Als der Uraniel solches vernommen hatte, da gab er sogleich seine Kinder samt den zwei Weibern auf die Höhe, geleitet von einigen seiner bewährten Freunde.
   12] Diese ganze Familie lebte auf der Höhe in Muthaels Hause und wurde von der Mutter Purista in aller Gottesfurcht und Liebe erzogen; und auch der noch lebende Lamech und ganz besonders der Noha und sein Bruder Mahal gaben sich sehr viel mit der gottgefälligen Erziehung dieser Kinder ab.
   13] Als aber, wie schon bekannt, der König Uraniel in der Tiefe starb, da teilten die tausend Räte das große Reich untereinander und fingen durch ihre Macht alles Volk ganz entsetzlich zu drücken an, errichteten noch mehrere Fürstentümer und forderten von den Fürsten einen unerschwingbaren Tribut.
   14] Denn sie wollten Hanoch so sehr vergrößern, daß die zehn Städte der Stadt Hanoch völlig einverleibt würden.
   15] Bei dieser Gelegenheit sandte Ich dann die beiden mächtigen Söhne hinab in die Tiefe und ließ durch sie predigen.
   16] Aber die Söhne wurden bald ergriffen, gebunden, dann mächtig abgeprügelt und mit dem Bedeuten fortgesandt, ja nicht wiederzukommen; denn das Volk Hanochs kenne Gott besser als so ein paar dumme Gebirgslackel!
   17] Sollten sie sich aber wieder gelüsten lassen, noch einmal als Gottesverkünder nach Hanoch zu kommen, so würden sie die Schaukeln zu verkosten bekommen.
   18] Und so kehrten die zwei Söhne Uraniels wieder traurig zurück und erzählten auf der Höhe, was ihnen begegnet war.


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