Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 129. Kapitel: Anfang der Bigamie in Hanoch. Errichtung einer Weiberverschönerungsanstalt. Menschenhandel und Standesunterschied. Ein Ehewink. (28.09.1843)

   01] Diese Vermählung stimmte die Männerwelt in ihrer Elogierung (Vergötterung) zwar etwas herab, indem sie nun sah, daß da für sie nichts mehr herausschaue; aber dafür warf sie sich zwei anderen, noch größeren Übeln in die Arme, welche darin bestanden, daß fürs erste ein jeder nur etwas fleischsüchtige Mann sich zwei Weiber nahm, eine an die rechte und eine an die linke Hand. Und der König konnte solches nicht verhindern, indem das Männervolk dem König erklärte, daß solches allein ihm zu Ehren geschehe und sogar geschehen müsse, wogegen der im Geiste schon sehr schwach gewordene König auch gar nichts mehr einzuwenden vermochte.
   02] Das war somit das erste große Übel, welches in seiner geistigen Sphäre gar nicht zu berechnen ist.
   03] Das zweite Übel aber, größer noch als dieses erste, war und bestand darin, daß nun alle die Fleischmänner aus lauter Ehrung des Königs auch zugleich überaus schöne Weiber haben wollten, ja - wie ihr zu sagen pflegt par honneur (ehrenhalber) sogar haben mußten!
   04] Da es aber in der Regel doch glücklicherweise noch allzeit mehr unschöne als eigentlich ganz schöne Weiber gegeben hat und dies eben auch in Hanoch der Fall war, so sann man auf Mittel, um die Weiber künstlich schön zu machen.
   05] Wer sucht, der findet auch bald etwas! Also war es auch hier der Fall. Man errichtete eine Weiberverschönerungsanstalt, und diese bestand darin, daß ein großes Gebäude erbaut ward, in welches mehrere Tausende von Mädchen aus der ganzen Stadt, wie auch vom Lande und aus den zehn Städten, aufgenommen wurden, wenn sie nur gerade Glieder hatten, und das in einem Alter von zwölf bis zwanzig Jahren.
   06] In dieser Anstalt, die man,Die Ehre des Königs' benamsete, wurden die Mädchen mit den feinsten Speisen und Getränken genährt, mit den feinsten Ölgattungen gewaschen und bekamen auch eine Erziehung, in der kaum mehr von Gott die Rede war als heutzutage, wo der Religionsunterricht in einer Mädchenschule, wie auch in allen anderen Lehranstalten auch auf dem letzten Nagel hängt.
   07] Man wird sagen: »Aus solch einer Anstalt läßt sich noch kein größtes Übel erschauen!« - Nur Geduld; es wird schon kommen!
   08] Wer nun aus dieser Anstalt sich natürlich zwei Weiber nehmen wollte der mußte an die Vorsteher und Leiter dieser Anstalt einen tüchtigen Erziehungstribut entrichten. Dann mußte er zwei junge schöne Mädchen wieder hineinbringen und für sie einen mäßigen Erziehungs- und Verschönerungsbeitrag zu entrichten sich verbinden. Und fürs dritte mußte er sich endlich verpflichten, die also gewonnenen Weiber nie zu einer Arbeit zu bestimmen indem solches ihrer erworbenen Schönheit leicht schaden könnte.
   09] Damit aber doch ein jeder sich aus dieser Anstalt seine Weiber zu nehmen genötigt war, so war es - vom König unterzeichnet - bestimmt, daß da niemand je bei Hofe erscheinen kann, wenn er sich nicht legitim auszuweisen vermag, daß da seine Weiber aus der Königsehranstalt sind.
   10] Damit aber war auch der Grund gelegt, aus dem gar bald Menschenhandel und große Standesunterschiede entstanden, wodurch dann aber auch gegenseitiger Haß und Verachtung zu keimen anfing und gar bald, wie es die Folge zeigen wird, zur vollreifen Frucht ward.
   11] Und dies alles hatte den Grund in der Bigamie, weil diese eine Frucht der Fleischliebe ist, deren geistig böse Folgen - wie schon anfangs bemerkt unberechenbar sind, weil dadurch eben im Fleische dem Feinde des Lebens ein freiester Spielraum gegeben wird.
   12] Daher enthalte sich jeder vom Fleische der Weiber so viel als möglich, wenn er das Leben ernten will; das Weib aber reize niemanden, so es nicht verdammt werden will, sondern selig!


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