Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 121. Kapitel: Fortsetzung des Verkehrs mit den Hinübergegangenen. Lamechs Umkehr und Reuerede. Gottes liebevolle Rede über den Vaterschmerz beim Züchtigen der Kinder. Lamech als Stellvertreter Henochs. (19.09.1843)

   01] Also beredete sich der Lamech auch mit Seth, mit der Eva und noch gar manchen anderen, die da sowohl auf der Höhe aus den vier Gegenden hinübergewandert waren, und die da auch einst Bewohner der Tiefe waren, und ersah daraus augenscheinlichst und handgreiflichst, daß es da mit dem Leben des Geistes nach dem Abfalle des Leibes seine vollkommenste Realität (Wirklichkeit) habe.
   02] Da er sich aber also von dem überzeugt hatte aus dem tiefsten Grunde seines Lebens und das alles in der Grundwurzel gefaßt hatte, da fing er an nachzudenken, welch ein großes Unrecht er durch seine Rede dem Herrn und dem Vater von Ewigkeit zugefügt hatte, - wie unbillig alle seine Gedanken und Beschlüsse da waren!
   03] Und er fiel vor dem Herrn nieder, fing an zu weinen und sprach aus seinem zerknirschten Gemüte: »O Gott, Herr und Vater, jetzt erschaue ich die ganze Fülle meiner Bosheit!
   04] Ich war blind und glaubte in meiner großen Blindheit mit Dir rechten zu können! Ich wollte in meiner allerentsetzlichsten Tollheit Deinem Wirken, das da in sich die allerhöchste Liebe ist, Schranken setzen! Die Erde wollte ich wüste werden lassen und aussterben das menschliche Geschlecht!
   05] Und das alles darum, weil da ein finsterer Groll in mir aufkeimte ob der Hinwegnahme derer, die ich liebhatte aus alter Gewohnheit mehr, denn aus der eigentlichen wahren Liebe! Denn hätte ich sie wahrhaft geliebt, da wäre darum in meiner Brust sicher kein Groll gegen Dich aufgekommen, daß Du ihnen allen eine so endlos große Seligkeit in Deiner Vaterliebe bereitet hast!
   06] O Gott, Herr und Vater, ich erkenne nun meine große Strafwürdigkeit vor Dir! Daher ist es ja recht und billig, daß Du mich nun strafest auf das allerempfindlichste! Ja strafe, o Herr, mein dummes Fleisch auf das allertüchtigste nach Deinem allerheiligsten Willen; aber nur meinen Geist wolle nicht gänzlich zugrunde gehen lassen!«
   07] Und der Herr sprach zum Lamech: »Erhebe dich, Mein Sohn Meinst du denn, Ich, dein heiliger, liebevollster Vater, habe eine Lust und Freude am Strafen Meiner Kinder?
   08] Siehe, ein jeder Streich, den Ich dir geben möchte, würde Mich im Herzen bei weitem mehr schmerzen, denn dich auf deiner Haut!
   09] Hast du doch nun auch einen Sohn, den du liebst mehr denn dein eigenes Leben; wenn er aber dir dann und wann unfolgsam wird, versuche ihn zu schlagen darob, und erfahre selbst, ob du nicht mehr Schmerzen leiden wirst dabei als dein Sohn!
   10] So du den Streich führen wirst, wirst du dich schon fürchten, dem Sohne wehzutun; und wird der Sohn weinen unter dem ersten schwachen Hiebe, wird es dein Herz wohl vermögen, ihm noch einen zweiten Hieb zu erteilen?
   11] Der Sohn aber wird des geringen Schmerzes bald vergessen, und deine Vaterliebe wird ihn gar ehestens wieder völlig aussöhnen mit dir; aber wie lange und wie oft wirst du es dir in deinem Herzen heimlich bitter rückerinnerlich sagen. Mein Sohn ist zwar gut, aber was gäbe ich dafür, so ich ihn nicht geschlagen hätte!'
   12] Siehe, das würdest du als ein echter Mensch tun! Ich aber bin mehr denn nur ein Mensch; Ich bin Gott und dein allereigentlichster Vater! Daher will Ich dich nun auch nicht schlagen, sondern segnen!
   13] Aber solches sage Ich dir: Gedenke, daß die Erde Mein Land ist. Bearbeitet sie zum zeitlichen Nutzen für Meine nachfolgenden Kinder, und zeuget euch nun (weiter) und mehret euch! Denn siehe, derer, die noch in der Materie gefangen sind, gibt es noch gar viele, die da harren auf die Erlösung!
   14] Du aber sei fürder ein Stellvertreter Henochs, und mache das Arggemachte wieder gut! Amen.«


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