Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 113. Kapitel: Henoch klärt Eva und Adam über die angekommenen Gäste auf. Muthael mit seinem Weibe Purista und die zwei himmlischen Gäste. Gottes Worte an Adam. (06.09.1843)

   01] Es bemühte sich zwar die Eva, den Adam auch diesmal zurückzuhalten; aber der Adam sprach zu ihr: »Höre mich, Weib! So ich aber nun bleibe, und es sei, daß der Herr Selbst zu den Kindern gekommen ist, was dann? Sollten wir auch dann ruhen?«
   02] Und die Eva sprach: »Ja, wenn der Herr unter den Kindern (weilt), dann ist keine Zeit zur Ruhe, weder bei Tag, noch in der Nacht; da will aber auch ich nicht erstehen erst am Morgen, sondern sogleich jetzt mit dir!«
   03] Und der Adam billigte diesen Vorsatz Evas, und also erhoben sich beide vom Lager und gingen hinvor zu der Gesellschaft, welche sehr freudig und lebhaft miteinander konversierte (sich unterhielt).
   04] Als aber der Henoch den Adam bemerkte, ging er sogleich auf ihn zu und sagte: »Vater Adam, wir ließen dir schlechte Ruhe! Solches sah ich wohl, aber es ist diesmal nicht anders möglich!
   05] Siehe, dort im Vorgrunde sitzt Muthael schon mit seinem Weibe Purista, vom Herrn Selbst verbunden mit ihr!
   06] Was Besseres können wir da wohl tun, als uns freuen über die Freude eines Kindes, ja im Geiste eines Bruders, den der Vater aller Heiligkeit und Liebe Selbst aufsuchte und ihm zuführte das rechte Weib in dem Augenblicke, als er es völlig seinem Herzen entwand und es dann Ihm, dem Vater der Ewigkeit aufopferte?!«
   07] Der Adam aber ward ganz zu Tränen gerührt ob dieser Worte Henochs und ob dieses Anblickes. Er sah darum auch fast unverwandt auf das also neuvermählte Paar und segnete es ganz im stillen in seinem Herzen.
   08] Als er aber also hinsah, da erschaute er auch zwei fremde Gäste, in deren Mitte sich das neue Ehepaar befand, und wußte nicht, woher sie wären.
   09] Der Henoch aber sah, was Adam forschte in seinem Herzen; daher sagte er auch sogleich unaufgefordert zum Adam:
   10] »Vater, du suchst die Bekanntschaft der Fremden in dir und möchtest erfahren, wer und woher sie sind? Ich aber, da ich nun des fröhlichsten Mutes bin, will dir es auch alsbald kundgeben, damit auch dein Herz in alle Freude übergehen möge!
   11] Siehe, Vater, es ist Derjenige, der da sitzt an der Seite der Purista, der Herr Selbst! Und der da sitzt an der Seite Muthaels, ist der Geist Zuriels, des Vaters der Ghemela, welche da sitzt zur Linken des Herrn, und ihr Lamech neben ihr.
   12] Und so siehst du nun zwei Ehepaare, deren Kinder mit ihren Kindern eine neue Erde betreten werden!«
   13] Diese Worte Henochs brachen dem Adam und der Eva das Herz, daß da beide weinten und vor freudiger Wehmut nicht zu reden vermochten.
   14] Es stand aber hier der Herr auf und sprach: »Adam, tritt Mir näher!«
   15] Und der Adam trat hin zum Herrn.
   16] Der Herr aber sprach: »Adam, so du allein sein wirst und Ich kommen werde durch die Finsternisse der Gräber des Todes zu dir, wirst du Mich wohl erkennen in der Nacht?
   17] Wirst du Mich erkennen, so Ich dich erwecken werde vom tiefen Schlafe und werde zu dir sagen: 'Adam, erstehe, komme und lebe!?'
   18] Wirst du Mich wohl erkennen auf einer neuen Erde, in einem neuen Himmel, so diese Erde und dieser Himmel vergehen werden wie ein altes Kleid?«
   19] Der Adam aber fragte, mächtig ergriffen: »O Herr und Vater, was ist das? Wann wird solches geschehen?«
   20] Der Herr aber sprach: »Sieh hier, sieh da; es ist schon vor dir? - Die Ewigkeit bebt, und die Unendlichkeit zittert vor Mir; denn jetzt stelle Ich eine Wache, und ihr Schwert soll kämpfen mit dem, der tot ist!«
   21] Hier bog sich der Adam bis zur Erde und sprach: »Herr, was für Worte redest Du? Wer kann fassen deren Sinn?!«
   22] Und der Herr sprach: »Die Zeiten der Zeiten werden es fassen, und die aus dir sind; du aber wirst ruhen und es nicht eher fassen und erkennen, als bis Ich zu dir sagen werde: 'Adam, erstehe, komme und lebe!'«


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