Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 88. Kapitel: Lamechs Frage: "Wie kann ein Geist durch die Materie gefangengehalten werden?" Henochs Antwort. (01. August 1843)

   01] Unterm Wege aber besprachen sich die Reisenden noch über so manches dieser schauderhaften Szene, das aber dennoch zu wenig einen allgemeinen, sondern nur einen für die damalige Zeit lokalen Wert hatte.
   02] Eine Frage, von Seite des Lamech, an den Henoch gerichtet, als sie schon beinahe die Höhe erreicht hatten, aber ist von großem Werte, wie um so mehr noch deren Beantwortung, und darf daher in diesem neuen Buche des Lebens nicht fehlen; diese wollen wir noch hier hinzugeben. Die Frage aber lautete also:
   03] »Höre mich an, du mein geliebtester Bruder Henoch in dem Herrn, unserm allerliebevollsten Vater! Siehe, der große Erzfeind Gottes und alles Lebens ist doch nur ein Geist! Wie kann dieser wohl von der Materie gehalten werden, die für ihn so gut wie gar nicht da ist?! So aber ein Geist von der Materie nicht gehalten werden kann, was wird dann wohl das Einkerkern des Satans in dem Mittelpunkte der Erde für einen Nutzen haben? Wird er nicht dasein, sobald er es nur wollen wird?!
   04] Ich weiß wohl, daß da des Herrn allmächtiger Wille den alten Bösewicht allenthalben binden und festen kann; aber ob da neben dem allmächtigen Willen des Herrn auch noch ein materieller Kerker im Zentrum der Erde vonnöten ist, das sehe ich fürwahr nicht so ganz recht ein! Darum bitte ich dich, gib mir darüber doch einen klaren Aufschluß!«
   05] Und der Henoch lächelte den Lamech an und sagte dann zu ihm: »Höre, du mein geliebtester Bruder, daß du solches nun noch nicht klar einsiehst, liegt wohl darin, weil ein jeder Mensch das am schlechtesten sieht, was ihm sozusagen gerade auf der Nase sitzt!
   06] Siehe, du bist deinem Leibe nach doch auch nur pur Materie, gleich wie da ist das gesamte Erdreich! Sage mir, ist diese nichts für deinen Geist? Kann er sich aus ihr entfernen, wann er will, auf ordentlichem Wege?
   07] Ja, er, der Geist, kann wohl durch die Liebe zu Gott nach und nach stets mehr Meister der Materie werden und kann dieselbe durchdringen und dann in allen ihren Teilen vollkommen tätig sein; aber verlassen kann er dieselbe dennoch nicht eher, als bis es der Herr will!
   08] Und wenn der Geist aber nach dem Willen des Herrn auch die Materie verläßt, da verläßt er sie aber dennoch nie als ein vollkommen reinster, freiester Geist, sondern er verläßt sie stets in einem neuen ätherischen Leibe, den er dann ewig nie verlassen kann.
   09] Dieser ätherische Leib aber, da er auch einen gewissen Raum einnehmen muß, kann, so es der Herr will, aber gar wohl noch von der gröberen Materie festgehalten werden und kann sich von derselben nicht eher trennen, als bis es der Herr will!
   10] Warum denn? - Weil die Materie an und für sich auch nichts anderes als der fixierte Wille Gottes ist und daher wohl tauglich ist, jeden Geist gefangenzunehmen, und durch nichts besiegbar ist als allein durch die größte Demut, Selbstverleugnung und Liebe zu Gott!
   11] Verstehst du solches? - Ja, du verstehst es; daher wollen wir uns nun ans Ziel begeben! Amen.«


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