Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 74. Kapitel: Vom Wesen des Lebens. Der Grund der Schmerzfähigkeit und der Beseligung. (10.07.1843)

   01] Und alsbald fing der Zuriel an, folgende Worte an den Lamech zu richten, und sagte zu ihm: »Bruder Lamech im Herrn, unserem allmächtigen Schöpfer und allerheiligsten und liebevollsten Vater! Siehe, ich habe es dir zuvor sozusagen - da du dich selbst im Geiste befandest - handgreiflich gezeigt, daß der Geist eine gar mächtig starke Empfindung hat für geistige Eindrücke, welche der Erscheinlichkeit nach zwar völlig gleichen den naturmäßigen, aber nicht also der Bedeutung nach!
   02] Aber du weißt nun noch nicht, worin deine geistig schmerzliche Empfindung ihren Grund hat. Damit du aber solchen auch klärlichst erschauen magst, so will ich dir solches nach dem Willen des Herrn allergetreust kundgeben, und so höre mich denn an!
   03] Siehe, du empfindest die Eindrücke der Welt, da du lebst in ihr, entweder schmerzlich oder gar wohltuend und behaglich; schmerzlich dann, so die Eindrücke über die dir innewohnenden Kräfte zu mächtig sind, und wohltuend und behaglich dann, wenn die Eindrücke so gestellt sind, daß sie deine dir innewohnenden Kräfte nicht überbieten, sondern mit ihnen harmonisch korrespondieren.
   04] Sind die Eindrücke aber schwächer, daß sich deine Kräfte bei weitem als siegend zu ihnen verhalten, so wirst du ganz gleichgültig dieselben wahrnehmen, weil du deine dir innewohnenden Kräfte zu wenig in einem notwendig entgegentätigen Zustand wirst in Anspruch genommen finden.
   05] Denn nur in einer deinen Kräften harmonisch entsprechenden Reaktion gegen die Eindrücke von außen her liegt das behagliche Wohlgefühl, welches da auch ist das eigentliche Wesen aller Beseligung.
   06] Nun siehe, so du dem Leibe nach irgendeinen Schmerz empfindest, so empfindet denselben nicht etwa dein Leib, sondern nur dein Geist, dem da allein das Vermögen der Empfindung innewohnt!
   07] Daß du aber den Schmerz also empfindest, als möchtest du ihn empfinden in deinem Leibe, das rührt daher, weil dein Geist allen deinen Leibesteilen innewohnt in vollkommen entsprechender Weise.
   08] So aber dein Geist oder dein ganz eigentliches Ich schon durch den grobmateriellen Leib so überaus stark durch äußere Eindrücke erregt werden kann, da er doch so gut als möglich von allen Seiten her bedeckt und geschützt ist, da wird er wohl im noch völlig absoluten Zustande um so mehr erregbar sein!
   09] Warum aber das? - Weil der Geist im völlig absoluten Zustande in die korrespondierende Wechselwirkung mit den Grundkräften tritt und ihre Stärke schon von großer Ferne her sowohl der Zeit als dem Raume nach wahrnehmen muß, ohne welche Wahrnehmung er gar leicht in eine unerlösbare Gefangenschaft gelangen könnte, in der es ihm ums überaus bedeutende noch ärger gehen dürfte, als es dir ergangen ist unter meinem Händedruck!
   10] Ist der Geist unvollkommen, also nicht völlig ausgebildet und durchgeübt in seinen Wahrnehmungssinnen, ist er noch blind und taub für die Form und Stimme der Wahrheit, da wird sein absoluter Zustand auf keinen Fall ein wünschenswerter sein, da er in solch einem Zustande all den auf ihn einstürmenden Eindrücken nicht zur rechten Zeit auszuweichen oder ihnen kräftig zu begegnen wird imstande sein.
   11] Aber freilich verhält sich die Sache mit einem vollendeten Geiste ganz anders; dieser ist allzeit vereint mit Dem, - der da nun neben dir sitzt!
   12] Dieser aber bereitet des Geistes Kräfte stets so vor, daß sie allzeit wohl bemessen sind gegen alle Eindrücke und Anregungen, wodurch dann nur ein ewig seligstes Wohl-, aber nie ein Schmerzgefühl entstehen kann.
   13] Beachte diese Worte wohl; sie werden dich in die tiefsten Geheimnisse des Lebens mit der ewigen Liebe und Gnade des Herrn leiten!
   14] O Herr, ich habe Deinen Willen mit Deiner Gnade erfüllt; so lasse mich denn wieder im Frieden ziehen!«
   15] Der Herr hieß den Zuriel dann wieder ziehen, behieß aber dann den Henoch, daß er darüber auch noch einige tiefe Worte sprechen solle.


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