Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 64. Kapitel: Vom Verlangen des Mannes nach dem Besitz vieler schöner Weiber. Die Ausreifung der Gefühlskräfte des Menschen im der Liebe zu Gott. (23.06.1843)

   01] Und der Lamech, überaus erfreut über diese gar wichtige Belehrung, fragte weiter und sagte zum Herrn:
   02] »O Herr und Vater, solches muß richtig sein; ich sehe es nun ganz klar ein, daß da Deiner heiligen Ordnung gemäß ein Mann nur ein Weib haben soll.
   03] Aber während Deiner heiligen Belehrung ist mir ein neuer Punkt eingefallen, der wenigstens scheinbarer Weise von einer gewissen geistig-moralischen Seite her betrachtet bei so manchem den Grund für die Vielweiberei setzen möchte.
   04] Ich als ein von Dir gestellter Führer aber hätte dafür aus der beschränkten Sphäre meiner Erkenntnis fürwahr kein Wort, um diesen Grund als gänzlich falsch zu bezeigen (bezeichnen)! Darum will ich Dir diesen gefährlichen Punkt ganz ohne den geringsten Vorhalt kundgeben; denn Du hast es mir ja allergnädigst erlaubt zu reden, und so will ich denn nun auch reden vor Dir, was mir nur immer meine geringste Erkenntnis geben wird!«
   05] Und der Herr sagte da, den Lamech ein wenig 'unterbrechend: »Du hast recht, so du solches tust; aber nur mache nicht zu viele Worte und Vorentschuldigungen, denn die Zeit ist kostbar, und Ich bin dazu ja nicht wie ein törichter Mensch, zu dem man mit tausend Vorworten kommen muß, bis er etwas faßt!
   06] Daher mache keine Umstände und komme nur allzeit sogleich mit der Hauptsache heraus; denn ich weiß ja schon seit gar lange her, um was du Mich nun fragen wirst! Daher hast du es ja leicht, zu reden, da du das bei Mir doch sicher voraussetzen kannst, daß Ich dich sicher ganz vom Grunde aus verstehen werde.
   07] Und so gib Mir denn kund deinen noch bedenklichen Punkt, - aber ohne erläuternde Umstände, deren Ich wenigstens nicht vonnöten habe, um einen Vortrag zu fassen! Und so rede denn nun mutig darauf los!«
   08] Und der Lamech, ein wenig gedemütigt durch diese kurze züngliche Zurechtweisung, gab alsbald ganz kurz seinen fraglichen Punkt von sich, welcher also lautete:
   09] »Der Mann aber hat ein Gefühl, demzufolge er nicht nur ein, sondern viele Weiber ergreift; und dieses Gefühl ist ein wahrer Nimmersatt. Denn so da schon jemand hätte zwei, drei und noch mehrere der schönsten Weiber, käme aber dann an einen Ort, da es noch hundert wieder anders geformt schöne Weiber gibt, siehe, da drängt es ihn alsbald gewaltigst, daß er sich auch in den Besitz dieser hundert setzen möchte!
   10] Da aber anderseits nicht der Mensch sein Schöpfer, sondern nur Du es bist, warum denn solch ein Trieb dann in ihm, der Deiner Ordnung zufolge nicht realisiert werden darf? Hat doch der Mensch sich solch einen gefährlichen Trieb nicht selbst gegeben?!
   11] Und der Herr erwiderte darauf: 'Siehe, da verhält es sich mit dem Gefühlsreichtume gerade also, wie es sich verhält mit der reichen Ausstattung der Zeugungsfähigkeit.
   12] Das Gefühl, welches sich als ein mächtiger Zug oder Trieb im Herzen ausspricht, ist ebenfalls eine reiche Zeugungsfähigkeit, im Geiste aber nur.
   13] Wenn aber der Mann ein geiler ist und seinen Samen auf den Gassen und Straßen verstreut, sage Mir, wird so ein grundgeschwächter Mann wohl je mit seinem aus- und durchgewässerten Zeugungsvermögen selbst mit einem wohl fruchtbaren Weibe mehr eine Frucht von gerechtem Maße zu zeugen imstande sein?
   14] Siehe, das wird er nicht! Denn aus den Trebern preßt man keinen geistigen Saft mehr.
   15] Also aber steht es auch mit dem Gefühlsreichtume: Der Mann sammle nur sein Gefühl im Herzen und kehre es dann zu Mir; und wenn es die gerechte Kraftreife wird erlangt haben, dann wird er in Mir, dem Urgrunde aller Dinge und somit auch aller noch so schönen Weiber, den allergenügendsten und allerbefriedigendsten Ersatz finden und wird dann mit diesem kraftvollsten Gefühle ein Weib in aller gerechten Kraft lieben können, und es wird ihn das Weib seines Nachbars auch nimmer anfechten.
   16] Solches also aber wisse, daß auf dieser Welt alles im Menschen nur eine auszubildende Anlage ist für einen endlos erhabenen ewigen Zweck; daher soll er von den in sich wahrgenommenen Kräften nicht töricht eher einen Gebrauch machen, als bis sie zur Vollreife gelangt sind.
   17] Wie aber die Früchte der Erde nur im Lichte der Sonne reifen, also reifen auch die geistigen Kräfte des Menschen in Meinem Lichte nur.
   18] Daher soll jeder Mensch seine Kräfte auf Mich hinwenden, so wird er ein vollkommen reifer, mächtiger Mensch werden in Meiner Ordnung. Wer aber das nicht tut, der ist selbst schuldig an seinem Tode. - Verstehst du das?'


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