Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 62. Kapitel: Die polarische innere Bauordnung der Erde und aller organischer Körper als Gleichnis für die von Gott gewählte Sitzordnung. (01.06.1843)

   01] Darauf nahmen alle Platz an der Seite des Herrn, und zwar der Henoch und der Lamech aus der Höhe auf der rechten und der Lamech der Tiefe auf der linken Seite; und der Herr sprach darauf:
   02] »Sehet nun, ihr Meine auserwählten Kinder, also sitzen wir lang gut, und das in der schönsten Ordnung noch obendarauf!
   03] Solches sehet ihr alle drei nun freilich noch nicht so ganz recht gut ein; aber wir haben nun ja eben die schönste Muße und können uns von allerlei Dingen unterhalten! Also werden wir bis zum völligen Aufgange der Sonne auch noch so manches besprechen können, und somit auch diese gute Ordnung unseres Sitzens.
   04] Ich sehe aber schon, daß da Mein Lamech zu Meiner Linken zufolge seines noch nicht völlig erloschenen hofmännischen Sinnes den Grund der gut gewählten Sitzordnung alsbald erfahren möchte. Was ist es denn, oder was wird's denn sein? Wir können sie ja sogleich vor unsere Augen führen; und so hört mich denn an!
   05] Sehet, die Erde, die ihr da bewohnet, ist ein runder Körper! Dieser ist auf seiner Oberfläche unempfindlich aber sein Inneres ist ein organischer, lebensfähiger Bau und lebt auch gleich einem Tiere. (Näheres in »Erde und Mond« (Lorber-Verlag)
   06] Da aber zum Leben vor allem ein Mittelpunkt oder vielmehr ein Anziehungspunkt, also ein Schwerpunkt, auf den sich zufolge seiner Anziehungskraft alles hindrängt und durch eben dieses Hindrängen diesen Punkt notwendig erregt, erhitzt und entzündet, notwendig ist, so hat auch diese Erde, wie noch zahllose andere in Meinem endlosen Schöpfungsraume samt den Sonnen und Monden, einen solchen Mittelpunkt, der da völlig gleich ist dem Herzen der Tiere, wie auch der Menschen in ihrer naturmäßigen Sphäre.
   07] Aber der sogenannte Mittelpunkt darf weder bei den Tieren, noch somit auch bei den Menschen und bei den Weltkörpern genau in der Mitte ihrer gesamten organischen Masse sich befinden, sondern muß sich ungefähr allzeit in dem dreivierten Teile derselben aufhalten, damit er nicht völlig erdrückt und dadurch unregungsfähig werde.
   08] Befindet er sich aber allzeit und überall außerhalb des eigentlichen Masseschwerpunktes oder ihrer (der Masse) eigentlichen Mitte, so kann die Hauptschwere nicht von allen Seiten auf ihn einwirken, und er hat dann einen freien Spielraum und kann sich ungehinderter regen. Denn wird er von der großen Masseseite her zu sehr gedrückt, da kann er sich flüchten in die kleine und somit auch leichtere Masseseite.
   09] Wenn aber die Hauptmasse zufolge der ihr notwendig innewohnenden Trägheit und der ihr ganz natürlich eigenen Schwere sich dennoch nicht zu sehr über ihre Massenschwermitte erheben kann, sondern gar bald wieder von ihrem Bestreben abstehen und sich dann, durch sich selbst genötigt, wieder in ihre Massenschwermitte begeben muß, da hat dann der eigentliche erregbare Schwerpunkt wieder einen freien Rücktritt und regt dann durch seine ihm eigentümliche Anziehungskraft wieder den trägen Massenschwerpunkt an, der sich dann wieder hin nach dem Hauptanziehungspunkte drängt, welcher aber, sobald ihm des Andranges zu viel wird, sich sogleich wieder auf seine leichte oder kleine Seite begibt.
   10] Durch solch stetes, freilich wohl nur sehr mechanisch einförmiges Hin- und Herbewegen wird dann das sogenannte naturmäßig tierisch-organische Leben zuwege gebracht.
   11] Und ist die bewegende Kraft in einem Organismus also bewerkstelligt, so teilt sich dann diese von selbst der ganzen Masse mit, erregt dieselbe mehr oder weniger, und ein ganzer Organismus wird dann dadurch belebt und kann nach der Art seiner Belebung verwendet werden.
   12] Es gehört von Meiner Seite freilich wohl alles dazu, und Ich muß zuvor den ganzen Massenorganismus bauen von Punkt zu Punkt und muß ihn also, wie beschrieben, erst nach und nach einrichten.
   13] Ist er einmal also zweckmäßigst eingerichtet, dann lebt der Organismus fort, solange Ich ihm die nötige Nahrung geben will; entziehe Ich ihm aber diese, so wird er dann bald schwach und träge, fällt dann bald übereinander, erdrückt sich und verzehrt sich dann eben also wieder von Punkt zu Punkt, wie er ehedem gestaltet wurde, zerfällt endlich ganz und gar und kehrt als eine völlig aufgelöste Willenssubstanz geistig in Mich zurück.
   14] Sehet, das ist so eine Grundlinie Meines organischen Bauplanes! Sie wird euch erst im Lichte eures eigenen Geistes nach und nach klarer werden, und ihr braucht daraus nun nicht mehr zu ersehen als das nur, daß da unsere gegenwärtige Sitzordnung genau dieser Meiner Schöpfungsbauordnung völlig entspricht. Wie aber, - das wird sich sogleich zeigen!
   15] Sehet, Ich bin ja der Hauptlebens- und Anziehungspunkt der ganzen Unendlichkeit; ihr aber seid Meine Organe zur Aufnahme des Lebens aus Mir - Sage Mir aber, du Mein Lamech, sitze Ich nun genau in der Mitte unter euch?«
   16] Hier stutzte der Lamech und sagte: »Nein, o Herr und Vater! Denn bei vier Personen ist solches ja unmöglich; sondern siehe, die Mitte wäre nur da zwischen Dir und dem Henoch!«
   17] Und der Herr sagte darauf: »Siehe, darum ist das eine rechte und gute Ordnung, da Ich als der Grund alles Lebens und Regens im dreiviertel Teile der Mitte unter euch Mich befinde und du sonach den kleineren und leichteren Nordpol und der Henoch und der Lamech aber den schweren und viel größeren Südpol darstellen!
   18] Und so denn wollen wir uns auch gegenseitig ziehen und erregen durch allerlei große Betrachtungen in der endlosen Sphäre des Lebens!
   19] Wer da etwas ganz Besonderes weiß, der gebe es kund, und wir werden uns darüber gegenseitig etwa wohl verständigen können! Das ist Meine geringste Sorge, - und so kannst du, Lamech, sogleich einen Anfang machen! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers